• 06.06.2011, 19:44:21
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gerhard Dörfler und sein Ritt über den Wörthersee" (von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 07.06.2011

Graz (OTS) - Wie fühlt sich ein Marathonläufer, dem nach dem
Zieleinlauf mitgeteilt wird, dass er noch einige Kilometer
weiterlaufen soll? So wie nicht wenige Kärntnerinnen und Kärntner
derzeit. Die anlaufende Briefumfrage zur Ortstafellösung wird nach
der Einigung der Politik mit den Vertretern der slowenischen
Volksgruppe als unnötige und teure Fleißaufgabe betrachtet. Dazu
kommt, dass sie rechtlich irrelevant ist, von den Slowenen abgelehnt
wird und aufgrund ihrer Details Manipulationen nicht ausgeschlossen
werden können.

Der freiheitliche Landeshauptmann Gerhard Dörfler, der mit Verve
gemeinsam mit Staatssekretär Josef Ostermayer von der SPÖ den
Kärntner Langzeitstreit dem Ende nahe gebracht hat, verteidigt die
Briefumfrage mit einem Blick in die Vergangenheit: In den
1970er-Jahren hätte es den ominösen Ortstafelsturm gegeben, eben weil
die Bevölkerung von den Politikern nicht mit auf den Weg genommen
worden wäre. So etwas wie damals wolle er verhindern, meint Dörfler
und baut auf die Staats- und Landesräson der Kärntnerinnen und
Kärntner: Die Menschen wüssten um die Bedeutung der Lösung und würden
- auch bei Zweifeln - zustimmen, weil ihnen das Ende des
Ortstafelgezerres ebenso wichtig sei wie das damit verbundene
Imageplus für Kärnten.

Die Argumente Dörflers haben Gewicht. Dennoch - dass die Sache in
seinem Sinne ausgeht, ist nicht garantiert. Vor allem dann nicht,
wenn die Teilnahme an der Befragung gering ist. Das könnte die
Gewichte verschieben. Auch, weil die Gemengelage der Interessen sehr
unterschiedlich ist. Ein Hauch von Zwentendorf liegt über dem Ganzen
- die Möglichkeit, dass nicht nur über die Sache abgestimmt wird,
sondern dass auch politische Rechnungen beglichen werden. So haben
sich die anderen Parteien von der Befragung distanziert. Und einen
harten Kern von Gegnern jeglicher Zugeständnisse an die Slowenen gibt
es im Kärntner Unterland noch immer. Nicht zu unterschätzen ist auch
die Zahl jener, die hinter der Umfrage nicht den breiter akzeptierten
Landeshauptmann sehen, sondern die polarisierenden Gebrüder Uwe und
Kurt Scheuch - der eine Parteichef, der andere Klubobmann der FPK -
und wenig Interesse haben, diesen zuzuarbeiten.

Faktum ist aber auch, dass die Scheuchs bei einem negativen Ausgang
der Befragung weniger beschädigt wären als Dörfler selbst - und mit
ihm sein Bundesland. Fazit: Ein Landeshauptmann reitet über den
Wörthersee. Zugefroren ist dieser - wenn überhaupt - aber nur im
Winter.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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