• 06.06.2011, 14:14:48
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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP):

Vom Zahnfleischbluten zum Zahnausfall - mit richtiger und gründlicher Mundhygiene sowie professioneller zahnärztlicher Betreuung kann Parodontitis vorgebeugt werden

Kitzbühel/Wien (OTS) -
- Parodontitis wird zu einer Volkskrankheit: Vorbeugung, Diagnose
und Behandlung werden immer wichtiger
- Rauchen, Stress und Stoffwechselstörungen sind Risikofaktoren für
die Entstehung von Parodontitis

Die Parodontitis gehört laut World Health Organization (WHO) zu
den häufigsten und unterschätzten Volkskrankheiten. Obwohl mehr als
50 Prozent des Zahnverlustes auf diese Erkrankung zurückzuführen
sind, werden die Erkrankung und deren mögliche Folgen in weiten
Teilen der Bevölkerung nach wie zu wenig ernst genommen. Ein Großteil
der parodontalen Erkrankungen lässt sich durch geeignete
Präventionsmaßnahmen verhindern oder zumindest abschwächen. Im Rahmen
der 20. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für
Parodontologie in Kitzbühel wurde der thematische Schwerpunkt des
wissenschaftlichen Hauptprogramms auf Parodontitis und
Allgemeinmedizin gelegt. Die Bedeutung einer regelmäßigen
professionellen Zahnreinigung und wie optimale Prophylaxe in der
zahnärztlichen Praxis auszusehen hat, stand dabei ebenfalls zur
Debatte.

Parodontitis nicht nur kosmetisches Problem!

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des
Zahnhalteapparates (Parodonts), die unbehandelt zur Lockerung und
schließlich zum Verlust des Zahnes führen kann. Zusätzlich kann die
Allgemeingesundheit des Patienten durch die jahrelange chronische
Entzündung nachhaltig geschädigt werden. Über die Entstehung und den
Verlauf dieser Erkrankung herrscht nach wie vor in weiten Teilen der
Bevölkerung Fehlinformation. "Induziert und ausgelöst wird diese
Erkrankung durch Bakterien, die sich in Form von Biofilmen an der
Zahn- und Wurzeloberfläche etablieren. Was dann passiert,
`entscheidet' das jeweilige Immunsystem des Patienten. Zusätzlich
können Risikofaktoren, wie z.B. Rauchen, Stress,
Stoffwechselstörungen wie schlecht eingestellter Diabetes u.a. eine
entscheidende Rolle spielen", erläuterte Dr. Anton Mayr, Facharzt für
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Imst. Vor allem Nikotinkonsum sei
der bedeutendste Risikofaktor, Raucher erkranken deutlich häufiger an
einer Parodontitis als Nichtraucher.

Gesundheitsrisiko Biofilm-Bakterien

Damit Bakterien in ihrem feindlichen Umfeld überleben können,
haben sie seit Milliarden von Jahren gelernt, so genannte "Kleber" zu
bilden, damit sesshaft zu werden und sich als Gemeinschaft in Form
einer schleimigen Masse zu organisieren. "Dabei verhalten sie sich
wie ein Vielzeller, können sich untereinander verständigen,
Botschaften austauschen, ja sogar je nach Bedarf Gene ein- oder
ausschalten. Damit sind sie in der Lage, sich gegen medikamentöse
Maßnahmen wie Antibiotika, Spülungen, Gele usw. zu schützen. Biofilme
können nur mechanisch zerstört werden", hielt Dr. Mayr weiters fest.
Biofilminfektionen seien auch an anderen Körperstellen ein für die
Allgemeinmedizin fast unlösbares Problem, beispielsweise an
künstlichen Herzklappen oder an künstlichen Gelenksersätzen.

Parodontitis-Prophylaxe bedeutet "konsequentes Biofilmmanagement"

"Da man das Immunsystem, das auf einen vorhandenen Biofilm in Form
einer aggressiven oder chronischen, langsamer verlaufenden
Parodontitis reagiert, nur begrenzt beeinflussen kann, richtet sich
unser strategisches Hauptaugenmerk bei der Vorbeugung auf ein
konsequentes `Biofilmmanagement'. Wir haben in Österreich seit
einigen Jahren eine sehr fundierte und nach internationalen Standards
orientierte Diplomausbildung für Prophylaxeassistentinnen etabliert.
Diese führen unter Leitung und Aufsicht des Zahnarztes geeignete
Prophylaxemaßnahmen durch", so Dr. Mayr zum aktuellen
wissenschaftlichen Stand der Parodontitisprophylaxe. Wesentlicher
Bestandteil vor Beginn einer solchen parodontalen Prophylaxe sei eine
parodontale Grunduntersuchung (PGU), die vom Zahnarzt durchgeführt
wird. Dabei wird festgestellt, ob das Zahnfleisch gesund ist, ob eine
Gingivitis (oberflächliche, reversible Entzündung des Zahnfleisches)
oder bereits eine beginnende oder fortgeschrittene Parodontitis
vorliegt. Auch eine reversible Gingivitis ("Zahnfleischbluten") müsse
ernst genommen und behandelt werden, und zwar solange bis das
Zahnfleisch straff und gesund ist, da sich sonst daraus Parodontitis
entwickeln kann. Ursache einer Gingivitis sind zumeist bakterielle
Beläge (Biofilme). Daher müssen bei einer Prophylaxesitzung diese
durch Anfärben sichtbar gemacht und eine eventuell fehlerhafte
Mundhygiene des Patienten in eine effiziente und gleichzeitig
schonende Putztechnik umgestellt werden.

Teamarbeit zwischen Patient und Praxisteam erforderlich

All diese Bemühungen sind aber nicht möglich, wenn Zahnstein
vorhanden ist, denn dessen Oberfläche besitzt mikroskopisch tiefe
Rauhigkeiten, die es unmöglich machen, Beläge effizient zu entfernen.
Daher muss dieser bei der Prophylaxe genauestens entfernt und die
behandelten Stellen poliert werden, da nur an glatten Oberflächen
eine effiziente Putztechnik durchgeführt werden kann. Danach werden
Risikostellen fluoridiert, um auch Kariesprophylaxe zu etablieren.
"Prophylaxe stellt eine Teamarbeit zwischen Patient und Praxisteam
dar, aus diesem Grund müssen auch andere Faktoren wie Trink- und
Essgewohnheiten, Prophylaxehilfsmittel und ihre technische Anwendung
nach dem Motto `Was machen Sie zu Hause? - Was machen wir in der
Ordination?' bei jeder Prophylaxesitzung genau abgesprochen werden",
schilderte Dr. Mayr.

Patienten mit einer bereits etablierten Parodontitis weisen
sogenannte parodontale Taschen auf. Diese Taschen werden bei der
parodontalen Grunduntersuchung diagnostiziert, indem eine an der
Spitze abgerundete Parodontalsonde zwischen Zahnfleisch und
Wurzeloberfläche in die Tiefe eindringt. Ursache dieses
pathologischen Befundes sind erneut Biofilme, die sich an den
Mikrorauhigkeiten der sich im Verlauf einer parodontalen Entzündung
an der Wurzeloberfläche gebildeten Ablagerungen etabliert haben. Dazu
Dr. Mayr: "Voraussetzung für eine erfolgreiche parodontale Heilung
und Gesunderhaltung ist die genaueste Entfernung (Instrumentierung)
der Wurzelflächen mit einer daraus resultierenden sauberen und
möglichst glatten Oberfläche. Dafür gibt es heute sehr schmerzarme
und gewebeschonende maschinelle Möglichkeiten, wie z.B.
Ultraschallgeräte, Airflows usw."

"Parodontaler Recall" - Nachbetreuung je nach individuellem Risiko

Auch nach einer systematischen Parodontalbehandlung muss ein
Parodontalpatient ein Leben lang in regelmäßigen Abständen, je nach
individuellem Risiko, nachbetreut werden. Dabei müssen Risikostellen
ab vier Millimeter Sondierungstiefe regelmäßig nachinstrumentiert
werden, da man individuell selbst nur bis etwa drei Millimeter
subgingival (unterhalb des Zahnfleisches) selbst reinigen kann. Auch
parodontale Indices oder Befunde müssen regelmäßig erhoben werden, um
etwaige neue Entzündungsaktivitäten zu erkennen und gegebenenfalls
sofort stoppen zu können.

Konsequente Mundhygiene zuhause ist das A und O für ein gesundes
Zahnfleisch. "Grundsätzlich sollte aber auch einmal jährlich eine
parodontale Grunduntersuchung (PGU) durchgeführt werden. Mit Hilfe
dieser Untersuchung kann der Zahnarzt rasch, einfach, schmerzlos und
aussagekräftig die parodontale Situation und das individuelle
Parodontitis-Risiko beurteilen. Die regelmäßige Kontrolle beim
Zahnarzt bietet auf einfache Weise Sicherheit, dass parodontale
Erkrankungen nicht übersehen werden und der Zahnarzt allenfalls rasch
und frühzeitig die richtige Therapie durchführen kann", ergänzte
Univ. Doz. Dr. Werner Lill, Präsident der Österreichischen
Gesellschaft für Parodontologie.

Jahrestagung der ÖGP - Jour-Fix im deutschsprachigen Raum

Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für
Parodontologie (ÖGP) ist eine der wichtigsten Fachtagungen für
Parodontologie im deutschsprachigen Raum und mit mehr als 500
Teilnehmern in Österreich die größte Veranstaltung dieser Art - ein
Jour-Fix für ZahnärztInnen und AssistentInnen mit hochkarätigem
wissenschaftlichem Programm und renommierten (inter)nationalen
Referenten. Mit dem neuen Austragungsort Kitzbühel wurde die
ÖGP-Jahrestagung 2011 weiter aufgewertet. Auch in diesem Jahr konnte
die ÖGP mit einem hochkarätigen wissenschaftlichen Hauptprogramm
unter der Leitung von Univ. Prof. DDr. Michael Matejka, Univ. Doz.
Dr. Werner Lill und Dr. Andreas Fuchs-Martschitz aufwarten. Zu den
Schwerpunktthemen der Jahrestagung 2011 zählten Parodontitis und
Allgemeinmedizin.

Über die ÖGP:

Die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie hat derzeit
ca. 300 Mitglieder und ist Vollmitglied der European Federation of
Periodontology. Die ÖGP und ihre Mitglieder sind darum bemüht,
Aufklärung, Hilfestellung und optimale Behandlungsmethoden für ihre
Patienten anzubieten. Die ÖGP hat im Jahr 2010 die Initiative "Schau
auf Dein Zahnfleisch!" ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für
Zahnfleischerkrankungen nachhaltig zu stärken. Das Bundesministerium
für Gesundheit, die Österreichische Zahnärztekammer, die
Österreichische Ärztekammer und die Ärztekammer für Wien sind
Kooperationspartner. Die Initiative unterstreicht die Wichtigkeit und
Bedeutung der Parodontologie und räumt mit dem weit verbreiteten
Vorurteil auf, dass Parodontitis nicht erfolgreich behandelt werden
kann. Langfristiges Ziel der Initiative ist es, das Bewusstsein für
Zahnfleischerkrankungen und ihre möglichen Folgen in der Bevölkerung
generell zu stärken. Im Jahr 2012 wird die ÖGP in Zusammenarbeit mit
der EFP den weltgrößten Parodontologiekongress, die Europerio7, in
Wien organisieren.

Mehr Infos unter: http://www.oegp.at

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Rückfragehinweis:
Welldone GmbH, Werbung und PR
Mag. Elisabeth Kranawetvogel | Mag. Sabine Sommer | Public Relations
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-12 bzw. 40 | e-Mail: [email protected]

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