• 03.06.2011, 16:05:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Die Emokratie ist da: Gefühle dominieren uns"

Demokratie - die Macht des Volkes. Emotionen werden dabei immer wichtiger.

Wien (OTS) - Was sind wir nicht stolz darauf, in einer
aufgeklärten Welt zu leben: Mit unserem geschulten Gehirn meistern
wir die täglichen Herausforderungen und folgen dabei rationalen
Entschlüssen. Glauben wir. In Wirklichkeit sind wir gefühlsgebeutelte
Individuen, überwiegend geleitet von Emotionen. Das gilt für die
Politik ebenso wie den Einkauf im Supermarkt, was dieser Tage
eindrucksvoll bestätigt wird. Schon der amerikanische Journalist mit
satirischer Begabung, Ambrose Bierce, formulierte so treffend: "Das
Gehirn ist das Organ, mit dem wir denken, dass wir denken."
Schon beim Gemüsekauf setzt das Hirn aus. Inzwischen ist die Gurke
vom Vorwurf freigesprochen, den EHEC-Erreger verbreitet zu haben, der
Verkauf ist trotzdem zusammengebrochen. Schon biegen die
Medienkritiker um die Ecke, die die Schuld dafür in der hysterischen
Berichterstattung sehen. Nur greift dieser Vorwurf zu kurz. Alle
Zeitungen und TV-Sender erklären dieser Tage, dass die Infektion eben
nicht über das grüne Gemüse läuft, trotzdem will auch die guten
heimischen Bio-Gurken (fast) keiner mehr.
Die Rückkehr zum Schilling wäre eine wirtschaftliche Katastrophe.
Das sagt die überwiegende Mehrheit der Experten. Aber rund ein
Drittel der Österreicher folgt seinem Gefühl, dass man mit dem
Schilling doch viel mehr kaufen konnte. Da hilft keine Statistik,
dass die Inflation seit der Euro-Einführung geringer ist als früher.

Glaubwürdigkeit Der Hang zu rein emotionalen Entscheidungen zeigt
sich auch beim deutschen Nachbarn: Dieselbe schwarz-gelbe Regierung,
die die Laufzeit für Atomkraftwerke erst kürzlich verlängert hat,
will jetzt ganz schnell alle Kernkraftwerke schließen. Dieselben
Politiker, die mit landesweiten Stromausfällen gedroht und das Ende
der deutschen Industrie befürchtet haben, spielen jetzt die besseren
Grünen. Glaubwürdigkeit gewinnt die Politik so nicht. Aber auch so
kann sich die Führung eines Landes ihrem Volk anpassen: Gefühle
regieren und wir werden immer mehr zur Emokratie, zur Herrschaft der
Gefühle.
Dort, wo Politiker ein wenig Gefühl, oder sagen wir Gespür
brauchen können, geht dieses immer mehr verloren. Wenn die
EU-Kommission ihren Chef im Privatflieger herumschickt, dann werden
die Kosten das Budget nicht gleich zum Kippen bringen. Aber der
ehemalige Maoist Manuel Barroso hätte von seinem Idol lernen können:
"Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen
Stelle." Barroso hat offenbar gar keine Ahnung davon, dass der
durchschnittliche Europäer an allen Ecken und Enden sparen muss. Und
sinnlose Geldausgaben die Idee Europa gefährden.
Emotionen können auch gerechtfertigt sein, wie das die "Mütter von
Srebrenica" zeigen. Sie sind nach Den Haag gereist und wollen
miterleben, wie Ratko Mladic für seine Verbrechen büßen muss. Aber
vom Prozess vor dem UNO-Tribunal soll eine sehr rationale Botschaft
an alle Diktatoren und Heerführer auf der Erde ausgehen: Du wirst für
deine Missetaten bestraft werden."

Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at

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