- 03.06.2011, 11:08:25
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Jahrestagung der ÖGP: Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und systemischen Erkrankungen in der Bevölkerung unterschätzt
Kitzbühel/Wien (OTS) -
- Parodontitis steht eng im Zusammenhang mit der Gesundheit des
Gesamtorganismus
- Korrelationen bei parodontalen Erkrankungen besonders zu Diabetes
und Atherosklerose
Dem Zusammenhang bzw. den Wechselwirkungen zwischen Parodontitis
und systemischen Erkrankungen(1) wird in der parodontologischen
Forschung zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. In den letzten Jahren
mehren sich die Hinweise aus klinischen und experimentellen Studien,
dass parodontale Infektionen nicht nur von systemischen Faktoren
beeinflusst werden, sondern auch selbst systemische Auswirkungen
haben können. Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung für
Parodontologie in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie
am Universitätsklinikum Würzburg, referierte anlässlich der 20.
Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie zum
Thema "Floss or die? - Über den Wert parodontaler Therapie für die
Gefäßgesundheit" und präsentierte den wissenschaftlichen Status quo
dieser komplexen Zusammenhänge.
Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten konnten erste
Korrelationsstudien einen signifikanten Zusammenhang zwischen
Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen nachweisen. "Lange
Zeit wurde jedoch angenommen, dass eine parodontale Therapie keinen
signifikanten Einfluss auf den Verlauf kardiovaskulärer Erkrankungen,
also Erkrankungen, die das Herz und das Gefäßsystem betreffen, nimmt.
Parodontitis und kardiovaskuläre Erkrankungen stellen nach diesem
Konzept lediglich zwei unterschiedliche Symptome einer gemeinsamen
gesundheitsschädigenden Ursache wie etwa des Rauchens dar", leitete
Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf ein. Nach und nach erhärtete sich der
Verdacht, dass eine unbehandelte parodontale Entzündung doch direkt
den Status der kardiovaskulären Gesundheit signifikant
beeinträchtigen kann, so Prof. Schlagenhauf weiter.
Zahnverlust zu 50 Prozent auf Parodontitis zurückzuführen
Parodontitis ist eine komplexe multifaktorielle entzündliche
Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Hervorgerufen wird
sie durch Bakterien, die sich im so genannten Biofilm, einer
Schleimschicht auf den Zähnen, befinden. Dieser Schleim ist ein
ideales Umfeld für Bakterien und Ausgangspunkt für die Entstehung
einer Parodontitis. Etwa drei von vier Menschen leiden im Laufe ihres
Lebens einmal an Parodontitis und mehr als 50 Prozent des
Zahnverlustes in der Bevölkerung ist auf diese Erkrankung
zurückzuführen. Bei der Entstehung und dem Verlauf spielen die
allgemeinen gesundheitliche Verfassung und andere individuelle
Faktoren eine Rolle, beispielsweise Nikotinkonsum, die genetische
Disposition und Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes).
Die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes wurde bis
dato am umfangreichsten untersucht. Die Häufigkeit beider
Krankheitsbilder ist im Steigen begriffen, daher sei eine Aufklärung
über die Zusammenhänge besonders wichtig, so die Experten am Rande
der ÖGP-Jahrestagung. Die Beziehungen zwischen Parodontitis und
Diabetes sind bi-direktional, d.h. Diabetes kann auf den parodontalen
Zustand wirken und Parodontitis kann die Blutzucker-Einstellung des
Diabetespatienten beeinflussen(2). Bereits seit längerer Zeit gilt
die Parodontitis als Folgeerkrankung des Diabetes mellitus(3), auch
die Häufigkeit, der Schweregrad und das Fortschreiten der
Parodontitis sind mit Diabetes assoziiert(4).
Wechselseitige Beeinflussung: Diabetes stellt erhöhtes Risiko für
Parodontalerkrankungen dar und Diabetiker sprechen auf eine
Parodontitistherapie schlechter an
"Bei Diabetikern ist die Immunabwehr insgesamt geschwächt und
durch die hohen Blutzuckerwerte kommt es auch in der Mundhöhle zu
Durchblutungsstörungen. Diabetes ist mit einem erhöhten Risiko für
die Entstehung und das Voranschreiten einer Parodontitis assoziiert
und die parodontale Infektion ist mit einer verschlechterten
Blutzucker-Kontrolle bei Diabetikern verbunden. Es mehren sich
weitere Hinweise dafür, dass die Parodontitis mit einem erhöhten
Risiko für Diabeteskomplikationen und die Entstehung von Typ-2
Diabetes in Verbindung steht. Eine Therapie der parodontalen
Infektion führt nicht nur zur Verbesserung der Mundgesundheit,
sondern könnte zur Verbesserung und Aufrechterhaltung der
Blutzucker-Kontrolle bei Diabetespatienten und zur Vermeidung von
Diabeteskomplikationen beitragen", führte Prof. Schlagenhauf weiter
aus.
Studien belegen auch Zusammenhang zwischen Parodontitis und
Atherosklerose
Parodontitis stellt einen Risikofaktor auch für Atherosklerose und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Bereits 1989 ergaben sich erste
Hinweise für einen Zusammenhang von oralen Infektionen mit
Schlaganfall und Herzinfarkt.(5) Seither wurde eine große Anzahl von
Studien veröffentlicht, die überwiegend die Hypothese eines
Zusammenhangs zwischen parodontalen Infektionen und Atherosklerose,
einer Systemerkrankung der Schlagadern die zu Ablagerungen von
Blutfetten, Thromben und Bindegewebe führt, bestätigen. Dazu
erläuterte Prof. Schlagenhauf: "Die bis heute vorliegenden
epidemiologischen Daten untermauern die Vermutung, dass parodontale
Infektionen einen unabhängigen Risikofaktor für Atherosklerose und
deren klinische Folgen darstellen. Die positive Assoziation ist nur
moderat ausgeprägt, aber sehr konsistent angesichts der Vielzahl von
Studien mit ihren unterschiedlichen Populationen und variierenden
Kriterien für Parodontitis und Atherosklerose. Aus den vorliegenden
Interventionsstudien kann gefolgert werden, dass durch
Parodontitistherapie ein positiver Effekt auf die Atherosklerose
erzielt wird", so Prof. Schlagenhauf.
In Zukunft würden weitere Patientenstudien die Mechanismen von mit
Parodontitis assoziierten Änderungen der Gefäßgesundheit aufklären.
Nur so könne festgestellt werden, ob und wodurch die Prävention und
Behandlung parodontaler Infektionen eine Rolle in der Vorbeugung und
Behandlung von Atherosklerose spielt.
Zahngesundheit liefert oft Hinweise auf generellen Gesundheitszustand
Viele Menschen wissen gar nicht, dass die Zahngesundheit oft auch
Hinweise auf den generellen Gesundheitsstatus geben kann. Die
Entdeckung und Behandlung von Zahnerkrankungen müsse jedoch in
Hinblick auf die möglichen Wirkungen auf häufige systemische
Erkrankungen wie Atherosklerose und Diabetes mellitus im Interesse
eines umfassenden Betreuungskonzeptes sein. Regelmäßige zahnärztliche
Untersuchungen und professionelle Zahnpflege in individuellen
Intervallen seien angezeigt. "Bei Patienten mit den erwähnten
Erkrankungen sollten chronische dentale Infektionen aus
differenzialdiagnostischen und therapeutischen Erwägungen
ausgeschlossen werden. Aufgrund des wechselseitigen Zusammenhangs
zwischen Parodontitis und Systemerkrankungen sind Zahnärzte,
Allgemeinmediziner, betreuende Fachärzte und Patienten zu einer engen
Zusammenarbeit für einen optimalen Therapieerfolg aufgerufen",
ergänzte Univ. Doz. Dr. Werner Lill, Präsident der Österreichischen
Gesellschaft für Parodontologie.
Jahrestagung der ÖGP - Jour-Fix im deutschsprachigen Raum
Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für
Parodontologie (ÖGP) ist eine der wichtigsten Fachtagungen für
Parodontologie im deutschsprachigen Raum und mit mehr als 500
Teilnehmern in Österreich die größte Veranstaltung dieser Art - ein
Jour-Fix für ZahnärztInnen und AssistentInnen mit hochkarätigem
wissenschaftlichem Programm und renommierten (inter)nationalen
Referenten. Mit dem neuen Austragungsort Kitzbühel wurde die
ÖGP-Jahrestagung 2011 weiter aufgewertet. Auch in diesem Jahr konnte
die ÖGP mit einem hochkarätigen wissenschaftlichen Hauptprogramm
unter der Leitung von Univ. Prof. DDr. Michael Matejka, Univ. Doz.
Dr. Werner Lill und Dr. Andreas Fuchs-Martschitz aufwarten. Zu den
Schwerpunktthemen der Jahrestagung 2011 zählten Parodontitis und
Allgemeinmedizin.
Über die ÖGP:
Die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie hat derzeit
ca. 300 Mitglieder und ist Vollmitglied der European Federation of
Periodontology. Die ÖGP und ihre Mitglieder sind darum bemüht,
Aufklärung, Hilfestellung und optimale Behandlungsmethoden für ihre
Patienten anzubieten. Die ÖGP hat im Jahr 2010 die Initiative "Schau
auf Dein Zahnfleisch!" ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für
Zahnfleischerkrankungen nachhaltig zu stärken. Das Bundesministerium
für Gesundheit, die Österreichische Zahnärztekammer, die
Österreichische Ärztekammer und die Ärztekammer für Wien sind
Kooperationspartner. Die Initiative unterstreicht die Wichtigkeit und
Bedeutung der Parodontologie und räumt mit dem weit verbreiteten
Vorurteil auf, dass Parodontitis nicht erfolgreich behandelt werden
kann. Langfristiges Ziel der Initiative ist es, das Bewusstsein für
Zahnfleischerkrankungen und ihre möglichen Folgen in der Bevölkerung
generell zu stärken. Im Jahr 2012 wird die ÖGP in Zusammenarbeit mit
der EFP den weltgrößten Parodontologiekongress, die Europerio7, in
Wien organisieren.
Mehr Infos unter: http://www.oegp.at
(1) Als systemisch werden alle Krankheiten bezeichnet, die sich
auf ein gesamtes Organsystem auswirken, wie etwa das Blut, das
Zentrale Nervensystem oder die Muskulatur als Ganzes. In weiterem
Sinne werden auch solche Erkrankungen als systemisch bezeichnet, die
sich mehr oder weniger unspezifisch auf den gesamten Körper
auswirken, wie z.B. Diabetes mellitus. Eine systemische Erkrankung
erfasst daher den ganzen Körper.
(2) Preshaw PM, Foster N, Taylor JJ. Cross-susceptibility between
periodontal disease and type 2 diabetes mellitus: an immunobiological
perspective. Periodontol 2000 2007; 45: 138-157.
(3) Löe H. Periodontal disease. The sixth complication of diabetes
mellitus. Diabetes Care 1993; 16: 329-334.
(4) Salvi GE, Carollo-Bittel B, Lang NP. Effects of diabetes
mellitus on periodontal and peri- implant conditions: update on
associations and risks. J Clin Periodontol 2008; 35 (8 Suppl):
398-409.
(5) Mattila, K.J., M.S. Nieminen, V.V. Valtonen, V.P. Rasi, Y.A.
Kesaniemi, S.L. Syrjala, P.S. Jungell, M. Isoluoma, K. Hietaniemi,
and M.J. Jokinen. 1989. Association between dental health and acute
myocardial infarction. Bmj. 298:779-781.
Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
Rückfragehinweis:
Welldone GmbH, Werbung und PR
Mag. Elisabeth Kranawetvogel, Mag. Sabine Sommer, Public Relations
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-12 bzw. 40, e-Mail: [email protected]
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