"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kommissar Zufall und die rauchende Pistole" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 3.6.2011

Graz (OTS) - Die Geschichte kommt daher wie aus einem schlechten Film: Ausgerechnet ein in Rom fündig gewordener "Kommissar Zufall" könnte Licht in Österreichs bisher größten Rüstungskauf bringen, bei dem seit Jahren gemunkelt wird, dass die Politik mit 120 Millionen Euro geschmiert, korrumpiert worden sei - vor dem am 2. Juli 2002 von Schwarz-Blau beschlossenen Milliardendeal, zur Überwachung des Luftraums 18 Eurofighter Typhoons zu kaufen.

Obwohl es später im Parlament einen Hunderte Stunden lang tagenden Eurofighter-Untersuchungsausschuss und viele dort aufgedeckte Ungereimtheiten wie die unerklärlichen 6,5 Millionen Euro des Eurofighter-Herstellers an einen Werber und Ex-FPÖ-Günstling gegeben hat - die "rauchende Pistole" wurde nie gefunden.

Doch jetzt hat der grüne Eurofighter-Wühler Peter Pilz aus Rom Material angeschleppt, das die Fantasie anregt und imstande sein könnte, etlichen Herrschaften die Nachtruhe zu verderben. Denn ein in Italien verhafteter vermutlicher Großbetrüger, der seine Strafe abmildern will, hat eifrig geplaudert und sich ausgerechnet als Schlüsselfigur dubioser Richtung Österreich geflossener Euro-Millionen entpuppt.

Wenn die jetzt doch recht warme Spur tatsächlich richtig heiß und der Staatsanwalt fündig wird, könnte dies in Österreich ein politisches Erdbeben auslösen. Wenn sich etwa herausstellte, dass Schwarz und Blau beim Flugzeugkauf kräftig mitkassiert oder entscheidende Politiker wie ein damals über Nacht zum Eurofighter-Fan gewordene Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser - es gilt die Unschuldsvermutung - persönlich die Hand aufgehalten haben. Gemunkelt wird darüber schon lange. Auch die Rolle des damaligen ÖVP-Chefs und Eurofighter-Kanzlers Wolfgang Schüssel wird erneut in Zweifel gezogen.

Dass die Sache einmal lückenlos aufgeklärt wird, hoffen jedenfalls jene, die sich noch einen Funken guten, an Naivität grenzenden Glauben bewahrt haben, die sich daran klammern, dass die bei Rüstungsgeschäften angeblich stets übliche Korruption einmal restlos aufgeklärt wird.

Auch Pilz von den Grünen, der seit Jahren im Eurofighter-Sumpf wühlt, zählt zu diesen Optimisten. Aber vielleicht weiß er über Eurofighter-Korruption auch schon mehr, als er zugibt. Womöglich kennt er die Motive des Staatsanwalts, der jetzt konkret Richtung Beamtenbestechung ermittelt - ein Vorwurf, der von unserer Justiz noch nie leichtfertig erhoben und - da schau' her! - sogar öffentlich bestätigt worden ist.****

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