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"Kleine Zeitung" Leitartikel: "FIFA-Sumpf ist nur von außen trockenzulegen" (Von Hubert Gigler)
Ausgabe vom 30.05.2011
Graz (OTS/Vorausmeldung) - Auf dem Feld scheint der Fußball ja
noch zu funktionieren, wie es der FC Barcelona am Samstag im Finale
der Champions League gegen Manchester United gezeigt hat, auf
herrlich präpariertem Rasen. Doch jenseits der Outlinie ist der Boden
tief. Der Weltverband FIFA versinkt in einem Korruptions-Sumpf, der
alles aufsaugt, mit nur leichten Schluckbeschwerden. Nach außen
dringen soll so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Die Kämpfe
an der Oberfläche wirken wie Scheingefechte.
Ganz oben, an der Spitze, da steht die pure Verkörperung der Arroganz
der Macht in Gestalt des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Der
Schweizer aus dem Wallis, mittlerweile 75 Jahre alt und seit 1998 im
Amt, hat bisher alle Angriffe unbeschadet überstanden und auch
diesmal dürfte er wieder unantastbar sein. Am 1. Juni steht die
Neuwahl an und Blatter steht ohne Konkurrenz da. Das bedeuetet, er
kann per Akklamation wiederberufen werden. Der von Blatter
gefürchtete Gegenkandidat, der GEschäftsmann Mohamed bin Hamam aus
Katar, zog die Kandidatur zurück und wurde nun aus der FIFA
ausgeschlossen, vorerst, wegen angeblicher Bestechung. Es könnte, wie
der Asiate sagte, tatsächlich eine Schmutzkampagne sein, eine
Retourkutsche des einstigen MItstreiters Sepp. Oder auch nicht.
Aber wer kann das schon genau wissen von einem makellos
antidemokratischen Kreis, der seit vielen Jahren schwer belastet ist,
aber dank des Übergewichts des Geldes immer wieder heil davonkommt.
Viele Hauptdarsteller sehen sich seit Langem mit teilweise konkreten
schwersten Vorwürfen konfrontiert und sind nach wie vor im Amt.
Blatter & Freunde haben kein Interesse an Aufklärung. Auch im Zuge
der WM-Vergabe an Katar für das Turnier 2022 soll es zu Stimmenkauf
gekommen sein. Als Resultat werden wohl ein paar Bauernopfer aus dem
Schmutz gezogen, zur Reinwaschung.
Blatter ist inzwischen auch wieder sauber. Erw urde selbst vor die
Ethik-Kommission geladen. Er habe von Bestechungsversuchen gewusst
und versucht, dies zu vertuschen, so der Vorwurf. Er wurde -
natürlich - nicht belangt. Bin Hamam hatte angeklagt und wurde schon
bestraft.
Nur eines lässt sich nicht mehr wegschmieren: Der öffentliche
Eindruck, bei der FIFA handle es sich um einen völlig verkommenen
Apparat, gespickt mit Intrigen, besetzt mit korrupten Funktionären.
Daher bedarf es einer Runderneuerung. Nicht von innen, von außen.
Ohne Blatter und seine Freunde. England, das einiges aufdeckte, gilt
hier als ein Hoffnungsträger. ****
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