- 28.05.2011, 15:27:46
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Kampusch in ÖSTERREICH: "Werde damit leben müssen, dass Staat seine Schuld nicht einsieht"
Enttäuschung nach abgewiesener Entschädigungszahlung - Derzeit macht Kampusch Goldschmied-Lehre
Wien (OTS) - Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH
(Sonntagsausgabe) nimmt Natascha Kampusch nun zur abgewiesenen
Entschädigungszahlung der Republik Österreich Stellung: "Es macht
mich einfach traurig, dass nicht einmal eine Entschuldigung gekommen
ist. Ein Statement, dass es den Behörden leid tut, dass sie den
stichhaltigen Hinweisen auf den Entführer nicht genauer nachgegangen
sind. Ich wurde nur per Brief, in nüchternem Amtsdeutsch verfasst,
informiert."
Als sie von dem Bescheid erfuhr, hätte sie ein Gefühl der
"Resignation" verspürt. "Wegen der schlampigen Ermittlungsarbeit
musste ich achteinhalb Jahre in Gefangenschaft verbringen. Ich werde
damit leben müssen, dass der Staat das nicht einsieht."
Kampusch zieht auch einen Vergleich zur Causa Mensdorff-Pouilly:
"Und dann erfahre ich, dass Herr Mensdorff eine supertolle
Entschädigung (430.000 Euro, Anm. d. Red.) dafür bekommt, dass er
einige wenige Tage im Gefängnis war." Die 22-Jährige geht in
ÖSTERREICH auch auf die Ermittlungspannen ein, wegen denen gerade ein
Ermittlungsverfahren in Innsbruck läuft: "Als die Beamten den Täter
aufsuchten, hatten sie nicht einmal Suchhunde dabei. Ich meine, dass
macht man ja auch, wenn man Drogen aufspüren will. Wie sollte ich da
gefunden werden, wenn sie gleichzeitig das Haus nicht betreten. Dann
gibt es einen konkreten Hinweis auf Priklopil, noch dazu von einem
Polizisten. Diesem Hinweis wurde nicht einmal nachgegangen." Beim
Prozess in Innsbruck wurde Kampusch bisher noch nicht vorgeladen. Sie
habe aber auch kein Interesse, dort auszusagen, erklärt sie in
ÖSTERREICH.
Dass Wolfgang Priklopil Mittäter hatte, glaubt Kampusch nicht:
"Ich habe immer nur einen Täter gesehen und kann beim besten Willen
keine Auskunft über andere Dinge geben. Ich kann immer nur bei dem
bleiben, was ich erlebt habe. Ich kann ja nicht sagen, was der Täter
unternommen hat, während ich unten eingesperrt war. Ich denke, man
sollte stattdessen lieber herausfinden, was das Motiv war."
Im ÖSTERREICH-Interview spricht Kampusch auch über ihre Eltern,
denen sie zuletzt vorgeworfen hatte, nicht bereit gewesen zu sein,
Kinder zu bekommen. Ihren Vater hatte Kampusch als "unreif"
bezeichnet. "Das war nicht als Beleidigung gegenüber meinem Vater zu
verstehen. Ich wollte eigentlich erklären, warum nach so einer langen
Entführung nicht sofort ein normales Verhältnis mit meinen Eltern
entstehen konnte. Aber ich habe mir echt Gedanken gemacht, ob das,
was ich gesagt habe, wirklich so beleidigend war. Es tut mir auch
jetzt im Nachhinein leid.
Derzeit macht Kampusch eine zweijährige Lehre als Goldschmied. Sie
denkt aber bereits an ein neues Buchprojekt: "Es würde um die Zeit
nach der Selbstbefreiung gehen. Ein Revue dessen, was passiert ist."
Rückfragehinweis:
ÖSTERREICH, Chefredaktion
Tel.: (01) 588 11 / 1010
mailto:[email protected]
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