- 23.05.2011, 19:42:41
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das grün-weiße Rasen auf dem grünen Rasen" (Von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 24. 5. 2011
Graz (OTS) - Gewaltexzesse im Stadion fordern den Staat heraus.
Dass Österreich im internationalen Fußball sportlich nicht mithalten
kann, ist leidvoll und leidlich bekannt. Dass wir auch beim Schutz
vor Ausschreitungen ein Entwicklungsland sind, war der Öffentlichkeit
weniger bewusst. Es ist eine schmerzliche Botschaft, die wir erst
verdauen müssen.
Denn auch wenn Rapid jetzt hart bestraft wird und die Bundesliga
alles daran setzt, um gegen Randalierer vorzugehen, werden dadurch
die untragbaren Szenen vom Wochenende nicht aus den Bildarchiven
gelöscht. Übrig bleibt die schlichte Tatsache, dass das staatliche
Versprechen, jederzeit Schutz gegen Gewalt zu bieten und die
öffentliche Ordnung wirksam zu wahren, heutzutage offenbar an den
Stadiontoren endet.
Es mag ein Zufall sein, dass diese Entwicklung in eine Ära fällt, in
der man jedes Fußballstadion martialisch in "Arena" umbenennt. Für
den Staat ist jedenfalls die latente Gewaltbereitschaft sogenannter
"Fans" ein untragbarer Zustand, zumal Ligaspiele nicht als
Privatveranstaltung, sondern als öffentliches Ereignis gelten müssen.
Die Kampfplätze brauchen ein Set an knallharten Sanktionen, die
Gewalttäter mit ebenso strengen Strafen bedrohen wie im wirklichen
Leben auch.
Schon bisher war ja nicht einzusehen, weshalb klassische Straftaten
wie Nötigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, gefährliche Drohung
oder die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit im Fußballumfeld nur
als Verwaltungsübertretung gesehen werden sollten, deren amikale
Ahndung man einigen gemütlichen Sportfunktionären überlässt. Nein:
Wir werden schon einen Richter brauchen. Ein Gesetzgeber, der sich um
Energiesparlampen, Türhöhen und Gastgarten-Sperrstunden kümmert, kann
nicht ausgerechnet bei Gewaltexzessen desinteressiert wegschauen.
Die Türkei, die Schweiz, Schweden, Italien und Polen haben in letzter
Zeit strenge Hooligan-Gesetze geschaffen. Österreich, fußballerisch
beinahe ein "failed state", benötigt jetzt leider auch so ein Gesetz,
das europäischen Standards entspricht. Dazu gehört: Wer als
Gewalttäter auffällt und identifiziert wird, kann mit strengen
Meldepflichten, Aufenthalts- und Reisebeschränkungen belegt werden.
Eine Hooligan-Datenbank, vorbeugender Gewahrsam, Stadionverbote,
Identifikation beim Kartenkauf - das sind erprobte Schritte, die
freilich auch kontrolliert werden müssen.
Erst wenn das grün-weiße Rasen auf dem grünen Rasen endet, wird
Fußball wieder zur Nebensache - wenn auch bekanntlich zur wichtigsten
auf der Welt. ****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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