• 22.05.2011, 20:35:59
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ganz Österreich hat ein Hooligan-Problem" (Von Günter Sagmeister)

Ausgabe vom 23.5.2011

Graz (OTS) - Randalierer müssen aus den Stadien verbannt
werden.
Die Szenen, die der ORF und Sky erste Reihe fußfrei in die Wohnzimmer
dieses Landes lieferten, kennt man eigentlich nur von früher aus dem
alten England. Hunderte, teils vermummte Fußballfans stürmen den
Platz. 300 Polizisten versuchen in voller Montur, Herr der Lage zu
werden. Die Spieler flüchteten in die Kabinen, der Schiedsrichter
bricht das Spiel ab.

Aber diese Jagdszenen spielten sich nicht im Mutterland der Hooligans
ab, sondern im Wiener Hanappi-Stadion. Schon im Vorfeld des 297.
Wiener Derbys zwischen Rapid und der Austria gab es konkrete
Hinweise, dass Rapid-Anhänger im Falle einer Führung der Austria den
Platz stürmen wollen - nach dem Treffer zum 2:0 war es soweit. Man
kann nur den Kopf schütteln, dass das nicht zu verhindern war. Das
ohnehin dürftige Image des österreichischen Fußballs hat eine
Schramme mehr.

Rapid reagierte, wie halt jeder Verein reagiert. Man sei entsetzt,
traurig und erschüttert. In Wahrheit sind das nur Floskeln, die man
in regelmäßigen Abständen hört. Auch das Argument, es seien ja nur
ein paar Idioten, die die Fußball-Idylle stören, ist hinfällig, wenn
eine Hundertschaft den Platz stürmt. Rapid hat ein Hooligan-Problem.
Das haben aber auch Sturm, Innsbruck, die Austria, Blau-Weiß Linz,
Austria Salzburg oder der GAK - und damit ganz Österreich.

England hat zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannt, dass im Umgang
mit Hooligans eine dramatische Richtungsänderung notwendig ist. Ein
Fußball-Verbots-Erlass wurde eingeführt, der sicherstellt, dass 3800
registrierte Hooligans von allen Vereinsspielen in England
ausgeschlossen sind und das Land nicht verlassen dürfen, wenn England
im Ausland spielt. Sie müssen ihre Pässe abgeben und dürfen auch
nicht auf Urlaub fahren. Wer den Erlass missachtet, muss mit einer
Strafe von 6000 Euro und bis zu sechs Monaten Haft rechnen. Teil zwei
der Strategie war es, die Gitterstäbe, hinter denen die Zuschauer
eingesperrt waren, zu entfernen. Die Fußballfans sollen nicht als
Störenfriede behandelt werden, die man zu tolerieren habe, sondern
als geschätzte, zahlende Kunden, die ein Anrecht haben, Fußballspiele
zu besuchen.

Daran muss sich auch Österreichs Fußball orientieren. Randalierer
müssen registriert und konsequent mit Stadionverboten belegt werden.
Weil der Österreichische Fußballbund, die Bundesliga und die Vereine
offensichtlich zu schwach für eine Umsetzung sind, muss eine höhere
Instanz eingreifen. Ohne Unterstützung der Regierung hätte auch
England sein Problem nicht lösen können. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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