"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ganz Österreich hat ein Hooligan-Problem" (Von Günter Sagmeister)

Ausgabe vom 23.5.2011

Graz (OTS) - Randalierer müssen aus den Stadien verbannt
werden.
Die Szenen, die der ORF und Sky erste Reihe fußfrei in die Wohnzimmer dieses Landes lieferten, kennt man eigentlich nur von früher aus dem alten England. Hunderte, teils vermummte Fußballfans stürmen den Platz. 300 Polizisten versuchen in voller Montur, Herr der Lage zu werden. Die Spieler flüchteten in die Kabinen, der Schiedsrichter bricht das Spiel ab.

Aber diese Jagdszenen spielten sich nicht im Mutterland der Hooligans ab, sondern im Wiener Hanappi-Stadion. Schon im Vorfeld des 297. Wiener Derbys zwischen Rapid und der Austria gab es konkrete Hinweise, dass Rapid-Anhänger im Falle einer Führung der Austria den Platz stürmen wollen - nach dem Treffer zum 2:0 war es soweit. Man kann nur den Kopf schütteln, dass das nicht zu verhindern war. Das ohnehin dürftige Image des österreichischen Fußballs hat eine Schramme mehr.

Rapid reagierte, wie halt jeder Verein reagiert. Man sei entsetzt, traurig und erschüttert. In Wahrheit sind das nur Floskeln, die man in regelmäßigen Abständen hört. Auch das Argument, es seien ja nur ein paar Idioten, die die Fußball-Idylle stören, ist hinfällig, wenn eine Hundertschaft den Platz stürmt. Rapid hat ein Hooligan-Problem. Das haben aber auch Sturm, Innsbruck, die Austria, Blau-Weiß Linz, Austria Salzburg oder der GAK - und damit ganz Österreich.

England hat zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannt, dass im Umgang mit Hooligans eine dramatische Richtungsänderung notwendig ist. Ein Fußball-Verbots-Erlass wurde eingeführt, der sicherstellt, dass 3800 registrierte Hooligans von allen Vereinsspielen in England ausgeschlossen sind und das Land nicht verlassen dürfen, wenn England im Ausland spielt. Sie müssen ihre Pässe abgeben und dürfen auch nicht auf Urlaub fahren. Wer den Erlass missachtet, muss mit einer Strafe von 6000 Euro und bis zu sechs Monaten Haft rechnen. Teil zwei der Strategie war es, die Gitterstäbe, hinter denen die Zuschauer eingesperrt waren, zu entfernen. Die Fußballfans sollen nicht als Störenfriede behandelt werden, die man zu tolerieren habe, sondern als geschätzte, zahlende Kunden, die ein Anrecht haben, Fußballspiele zu besuchen.

Daran muss sich auch Österreichs Fußball orientieren. Randalierer müssen registriert und konsequent mit Stadionverboten belegt werden. Weil der Österreichische Fußballbund, die Bundesliga und die Vereine offensichtlich zu schwach für eine Umsetzung sind, muss eine höhere Instanz eingreifen. Ohne Unterstützung der Regierung hätte auch England sein Problem nicht lösen können. ****

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