• 20.05.2011, 16:05:33
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Mit Strache aus Europa. Wollen wir das wirklich?"

FPÖ liegt jetzt auf Platz 1. Mit striktem Anti-EU-Kurs, der uns schaden würde.

Wien (OTS) - Die Bevölkerung traut im Moment der FPÖ am ehesten
zu, unser Land zu führen. 29 % der Österreicher würden
Heinz-Christian Strache zur Nummer 1 machen, wenn am kommenden
Sonntag Wahlen wären. Die OGM-Umfrage, die der KURIER am Freitag
veröffentlicht hat, bringt noch einen Aspekt: Im Gegensatz zu früher
bekennen sich die Leute inzwischen ganz klar zur FPÖ, es gibt keinen
Schmuddelfaktor mehr, Strache gilt inzwischen als seriöser, als es
Haider je war.
Die Leute haben genug von "denen da oben". Rote und Schwarze reden
von Gerechtigkeit und Leistung, Kampfbegriffe für die nächsten
Wahlen. Aber diejenigen, die das alles zahlen, können diese Phrasen
nicht mehr hören. Was ist denn gerecht daran, dass junggebliebene
Mitbürger, die lange genug einen Bürosessel gewärmt haben, als
Hackler in Pension gehen dürfen? Und leisten Mitarbeiter in den
geschützten Bereichen wirklich mehr als die Kleinunternehmer, um die
sich keiner kümmert?
Sollen wir den Griechen noch Geld geben? Darüber streiten auch die
Gelehrten. Strache weiß es: Schmeißt die Faulenzer raus. Wie
bekämpfen wir die Arbeitslosigkeit? Klar - wir lassen keine Ausländer
mehr rein. Und ausländische Studenten - die sollen sich auch putzen.
Das geht alles nicht laut EU-Recht, weiß auch Strache, aber ohne
Europäische Union ginge es uns eh viel besser.
Das stimmt natürlich nicht. Aber sehr engagiert wirken Faymann,
Spindelegger und Co. nicht, wenn es um unseren Platz in Europa geht.
Wahrscheinlich wird genau hier die nächste Wahl entschieden: Soll
Österreich in der EU engagiert mitarbeiten und, ja, auch mitzahlen,
weil unsere Volkswirtschaft eben schon so eng mit der EU verwoben ist
und viele Arbeitsplätze davon abhängen, oder ziehen wir uns auf
unsere 83.879 Quadratkilometer zurück? Wirtschaftlich, gedanklich,
kulturell.
Es war ein großer Fehler der Regierung Schüssel, dass sie den
Lissabon-Vertrag nicht mit einer massiven öffentlichen Kampagne
erklärt hat. Europa muss man jetzt vor jede Haustüre tragen, die
Vorteile erklären, die - verheerenden - Alternativen erläutern. Und
nicht im Deutsch der Diplomaten, sondern mit klaren Bildern, mit Herz
und Seele, Herr Vizekanzler.
Da darf man, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, auch nicht vor dem
Boulevard in die Knie gehen, der hinter jeder Initiative aus Brüssel
eine Schikane und hinter jedem EU-Politiker einen Skandal sieht. Kein
Wunder, dass 60 Prozent der Österreicher, laut KURIER-Umfrage, den
Griechen kein Geld mehr geben wollen. Aber wollen wir eine Krise
gemeinsam durchstehen und weiter vom großen Markt der 500 Millionen
profitieren oder als Völkchen von 8,4 Millionen mit eigener Währung
unser Glück versuchen?
Straches Reimedichter und Plakatemaler sind schon bei der Arbeit.
Die beiden kleineren Parteien, also SPÖ und ÖVP, sind vielleicht
durch die aktuelle Umfrage aufgewacht. Guten Morgen.

Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

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