WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Es braucht noch viel mehr Treichls - von Wolfgang Unterhuber

Wir leben in einer unternehmerfeindlichen Bürokratur

Wien (OTS) - Wenn jetzt allgemein bemängelt wird, dass die Politiker zu wenig oder nichts von Wirtschaft verstehen, so ist das wohl richtig, löst aber das Problem nicht. Denn das Problem sitzt tiefer. Es ist ja nicht nur so, dass die Politik die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht durchschaut, sondern dies generell ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen darstellt. Der große Seelenforscher Erwin Ringel brachte es auf den Punkt, als er feststellte, dass hierzulande der Neid eine wesentliche Triebfeder der menschlichen Existenz darstellt. Daraus resultiert, dass Österreich ein unternehmerfeindliches Land war und ist. Wer etwas aufbaut, wer etwas schafft (Arbeitsplätze zum Beispiel), wird nicht bewundert, sondern gehasst. Wer etwas leistet, gilt nicht als Vorbild, sondern als verdächtige Person. Wer seinen erarbeiteten Wohlstand zur Schau stellt, begeht einen schweren Fehler und riskiert, von seinen lieben Freunden und Nachbarn bei der Finanz denunziert zu werden. Vorsorglich halt. Und heimlich natürlich.

Diese allgemeine Feindlichkeit gegenüber allem Unternehmerischen kommt aus der Historie. In der Monarchie genossen Offiziere und Beamte das höchste Ansehen. Die Unternehmer galten gemeinhin als Spekulanten. Das hat sich im Wesentlichen bis heute nicht geändert. Außer, dass die Offiziere neuerdings nicht mehr so en vogue sind. Versuche, dieses unheilvolle Erbe loszuwerden, gab es. Die SP-Politiker Franz Vranitzky und Ferdinand Lacina bewältigten nicht nur die Verstaatlichten-Katastrophe, sie hievten Österreich steuerpolitisch auf ein neues, bislang unbekanntes Niveau (eingefleischte Genossen danken es ihnen entsprechend bis heute). Und in den ersten Jahren der Ära Schüssel gab es den aktiven Versuch, Unternehmertum und die Mündikeit der Bürger zu fördern. Dies wird heute durch die Unternehmungen des damaligen Finanzministers leider überdeckt.

Wie kommen wir aus der MA 24/12-Mentalität also raus? Eine Wirtschaftspartei ist leider keine Lösung. Sie hätte keine Chance. Jeder Politiker, der öffentlich für die Interessen der Wirtschaft eintritt, wird auf dem Boulevard der Mittelmäßigen und Pseudoprominenten sofort gesteinigt.

Der einzige Ausweg ist die Wirtschaft selbst. Es braucht noch viel mehr Bankchefs, Unternehmer und Manager, die mit ihrer Meinung nicht mehr hinter den Berg halten sollten. Die den Mut haben sollten, öffentlich die Probleme in unserer Bürokratur anzusprechen und die Verantwortlichen dafür zu nennen. Vielleicht braucht es sogar einmal eine Schocktherapie. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hat ja schon einmal damit geliebäugelt, die Konzernzentrale ins benachbarte Ausland zu verlagern. Er sollte es tun. Erst wenn die Magier das Land verlassen, wird das Volk begreifen, wem es das Feuerwerk zu verdanken hat.

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