• 17.05.2011, 18:15:30
  • /
  • OTS0304 OTW0304

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Es braucht noch viel mehr Treichls - von Wolfgang Unterhuber

Wir leben in einer unternehmerfeindlichen Bürokratur

Wien (OTS) - Wenn jetzt allgemein bemängelt wird, dass die
Politiker zu wenig oder nichts von Wirtschaft verstehen, so ist das
wohl richtig, löst aber das Problem nicht. Denn das Problem sitzt
tiefer. Es ist ja nicht nur so, dass die Politik die wirtschaftlichen
Zusammenhänge nicht durchschaut, sondern dies generell ein
allgemeines gesellschaftliches Phänomen darstellt. Der große
Seelenforscher Erwin Ringel brachte es auf den Punkt, als er
feststellte, dass hierzulande der Neid eine wesentliche Triebfeder
der menschlichen Existenz darstellt. Daraus resultiert, dass
Österreich ein unternehmerfeindliches Land war und ist. Wer etwas
aufbaut, wer etwas schafft (Arbeitsplätze zum Beispiel), wird nicht
bewundert, sondern gehasst. Wer etwas leistet, gilt nicht als
Vorbild, sondern als verdächtige Person. Wer seinen erarbeiteten
Wohlstand zur Schau stellt, begeht einen schweren Fehler und
riskiert, von seinen lieben Freunden und Nachbarn bei der Finanz
denunziert zu werden. Vorsorglich halt. Und heimlich natürlich.

Diese allgemeine Feindlichkeit gegenüber allem Unternehmerischen
kommt aus der Historie. In der Monarchie genossen Offiziere und
Beamte das höchste Ansehen. Die Unternehmer galten gemeinhin als
Spekulanten. Das hat sich im Wesentlichen bis heute nicht geändert.
Außer, dass die Offiziere neuerdings nicht mehr so en vogue sind.
Versuche, dieses unheilvolle Erbe loszuwerden, gab es. Die
SP-Politiker Franz Vranitzky und Ferdinand Lacina bewältigten nicht
nur die Verstaatlichten-Katastrophe, sie hievten Österreich
steuerpolitisch auf ein neues, bislang unbekanntes Niveau
(eingefleischte Genossen danken es ihnen entsprechend bis heute).
Und in den ersten Jahren der Ära Schüssel gab es den aktiven Versuch,
Unternehmertum und die Mündikeit der Bürger zu fördern. Dies wird
heute durch die Unternehmungen des damaligen Finanzministers leider
überdeckt.

Wie kommen wir aus der MA 24/12-Mentalität also raus? Eine
Wirtschaftspartei ist leider keine Lösung. Sie hätte keine Chance.
Jeder Politiker, der öffentlich für die Interessen der Wirtschaft
eintritt, wird auf dem Boulevard der Mittelmäßigen und
Pseudoprominenten sofort gesteinigt.

Der einzige Ausweg ist die Wirtschaft selbst. Es braucht noch viel
mehr Bankchefs, Unternehmer und Manager, die mit ihrer Meinung nicht
mehr hinter den Berg halten sollten. Die den Mut haben sollten,
öffentlich die Probleme in unserer Bürokratur anzusprechen und die
Verantwortlichen dafür zu nennen. Vielleicht braucht es sogar einmal
eine Schocktherapie. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hat ja schon
einmal damit geliebäugelt, die Konzernzentrale ins benachbarte
Ausland zu verlagern. Er sollte es tun. Erst wenn die Magier das Land
verlassen, wird das Volk begreifen, wem es das Feuerwerk zu verdanken
hat.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel