9. Coface Country Risk Conference: Top-Experten diskutierten in Wien über Vor- und Nachteile der Globalisierung

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Globalisierung - Zauber oder Fluch?" fand gestern in Wien die 9. Country Risk Conference des internationalen Kreditversicherers Coface statt. Über 400 Unternehmer und Opinion Leader trafen dort auf eine hochkarätige Experten-Runde aus Politik und Wirtschaft, darunter auch der Globalisierungskritiker und Menschenrechtsexperte Jean Ziegler.

Jean Ziegler, der streitbare Sozialpublizist und Berater des UN-Menschenrechtsrats, Wolfgang Franz vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und Stephan Schulmeister vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung sind nur einige der namhaften Experten, die der Einladung von Coface-Generaldirektorin Martina Dobringer gefolgt waren und sich im Rahmen der 9. Coface Country Risk Conference am 10. Mai im Palais Niederösterreich (1010 Wien, Herrengasse/Freyung) mit verschiedenen Aspekten der Globalisierung befassten.

Eröffnet wurde die hochkarätig besetzte Konferenz - die von ORF-Anchorman Armin Wolf moderiert wurde - von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Martina Dobringer, Generaldirektorin von Coface Austria & Central Europe. Mitterlehner betonte in seiner Eröffnungsrede, dass Österreichs Wirtschaft im globalen Wettbewerb nur durch Innovationen bestehen könne. "Wir müssen um so viel besser sein, wie wir teurer sind", so der Wirtschaftsminister. Dobringer forderte in ihren einleitenden Worten mehr Nachhaltigkeit statt Orientierung auf kurzfristige Profite: "Auf lange Sicht werden nur jene Unternehmen erfolgreich sein, die über den Geschäftsbericht des nächsten Quartals hinausdenken."

Christian Berger, Vorstandsmitglied von Coface, gab im Rahmen der ersten Hälfte der Veranstaltung einen Überblick über die Entwicklung der weltweiten Länder-Risiken. Dabei wies er darauf hin, dass sich die Risiko-Ratings von Industrie- und Schwellenländern kontinuierlich annähern. "Länder wie China, Brasilien, Indien oder Polen weisen inzwischen ein besseres Rating auf als Griechenland, Irland oder Portugal", so Berger.

Kritik am Neoliberalismus

Danach sprach Stephan Schulmeister vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung über die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs und Europas in einer globalisierten Welt. Schulmeister sieht in der Finanzkrise das Ende eines langen Wirtschaftszyklus, der von 1927 bis 2007 gedauert hat. Er erläuterte, dass nicht die Globalisierung die Hauptursache der jüngsten Wirtschaftskrise sei, sondern das Zusammenwirken verschiedener Faktoren wie der Dominanz des Neoliberalismus, des Finanzkapitalismus und der damit verbundenen Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft. "Unternehmerisches Verhalten muss wieder besser gestellt werden als Finanzakrobatik", forderte der Wirtschaftsforscher, der eine "systemische Therapie" durch mehr Gewinnanreize für die Realwirtschaft und weniger Anreize für Spekulationsgeschäfte empfahl.

Wolfgang Franz vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zeigte im Anschluss daran die größten Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik in Europa auf und ging dabei auch auf aktuelle Themen wie die Stabilität der Eurozone und die Situation Griechenlands ein. Franz wies dabei auf die notwendige Unterscheidung zwischen Währung und Wirtschaft hin: "Wir haben kein Problem mit dem Euro, sondern wirtschaftliche Probleme in einzelnen Ländern der Eurozone", so das Mitglied des deutschen Weisenrats. Zur Vermeidung künftiger Eurokrisen forderte Franz die Stabilisierung und Konsolidierung der öffentlichen Finanzen, Fortschritte bei der Reform der nationalen und internationalen Finanzmarktarchitektur sowie ein dauerhaftes europäisches Regelwerk für Krisenfälle. Im Zusammenhang mit Griechenland riet Franz zu mehr Geduld: "Geben wir den Griechen Zeit und lassen wir das dumme Gerede vom Ausschluss aus dem Euroraum."

Die zweite Hälfte der Konferenz wurde von Jean Ziegler eröffnet, der seine Ausführungen unter den Titel "Das tägliche Massaker des Hungers. Wo ist Hoffnung?" stellte. Dieses "tägliche Massaker" koste mehr Menschenleben als alle Kriege und Terroranschläge zusammen, so Ziegler, der vor allem die neoliberale Politik und Profitinteressen als Ursache für den weltweiten Hunger kritisierte. "Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger - sieben Millionen Kinder pro Jahr. Die moderne Landwirtschaft könnte heute zwölf Milliarden Menschen ernähren - doch es fehlt am politischen Willen etwas zu ändern", so Ziegler. Drastisch schilderte der Globalisierungskritiker den Hungertod und beschrieb eindringlich, wie die Industrieländer zur Zerstörung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern beitragen. Ziegler zeigte sich trotz der erschütternden Zahlen hoffnungsvoll, dass die Zivilgesellschaft "ein Ende dieser kannibalischen Weltordnung" erzwingen werde.

"Zauber und Fluch zugleich"

Im Anschluss diskutierten Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG und Toni Faber, Dompfarrer der Pfarre St. Stephan gemeinsam mit Jean Ziegler, Wolfgang Franz und Stephan Schulmeister im Expertentalk die zuvor aufgeworfenen Fragen. Weitgehende Einigkeit bestand dabei in der Kritik an globalen Fehlentwicklungen, wobei die Wirtschaftsexperten teils recht unterschiedliche Lösungsansätze zu deren Bekämpfung empfahlen.

Wolfgang Eder kritisierte die Entkoppelung zwischen Real- und Finanzwirtschaft als negative Seite der Globalisierung und zeigte sich bei dieser Gelegenheit überzeugt, dass die Wirtschaftskrise für die österreichischen Banken Langzeitfolgen nach sich ziehen wird. "Die heimische Industrie wird mit verstärktem Eigenkapitalaufbau auf die Erfahrungen reagieren, die sie in der Krise mit den Banken gemacht hat", so der Vorstandsvorsitzende der voestalpine AG.

Dompfarrer Faber plädierte dafür, sich an das Positive zu hängen, das Gute zu fördern und weiter zu entwickeln. Faber griff dabei auf einen zuvor von Jean Ziegler zitierten Satz von Dorothee Sölle zurück: "Gott hat keine anderen Hände als die unseren. Ob etwas zum Fluch oder Segen wird, hängt wesentlich auch davon ab, was wir Menschen daraus machen", so der Dompfarrer.

Das an das Konferenzprogramm anschließende "Coface Get Together" bot den über 400 Gästen dann die Möglichkeit zum persönlichen Meinungsaustausch und Networking. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Dichte an Entscheidungsträgern konnte diese Veranstaltung inzwischen einen fixen Platz im Kalender der heimischen Wirtschaft erobern. Dazu Susanne Krönes, Marketingleiterin von Coface Austria: "Die Coface Country Risk Conference ermöglicht einmalige Kontakte zwischen Fachleuten und Entscheidern. Auch in diesem Jahr konnten sich die teilnehmenden Unternehmer und Opinion Leader wieder über ein spannendes Programm freuen."

Coface Austria & Coface Central Europe

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen, Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in 12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25 Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Coface

Ziel von Coface ist die Vereinfachung des globalen B2B-Geschäfts. Den 135.000 Kund/innen wird daher die teilweise oder komplette Auslagerung des Forderungsmanagements sowie die Finanzierung und Versicherung der Forderungen angeboten: Kreditversicherung, Factoring, Wirtschaftsinformation und Inkasso. Dank des weltweit lokalen Services der 6.600 Mitarbeiter/innen in 65 Ländern sind über 45% der 500 größten Unternehmen Kund/innen von Coface. Coface ist die Tochter der französischen Bank Natixis (Stammkapital 16,8 Mrd. Euro, Ende Dezember 2010).

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Coface Austria Holding AG
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