• 11.05.2011, 12:16:44
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9. Coface Country Risk Conference: Top-Experten diskutierten in Wien über Vor- und Nachteile der Globalisierung - BILD

KR Martina Dobringer, Generaldirektorin und Vorstandsvorsitzende Coface Austria & Central Europe, und der Menschenrechtsexperte Jean Ziegler im Rahmen der 9. Coface Country Risk Conference.

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Globalisierung - Zauber oder Fluch?"
fand gestern in Wien die 9. Country Risk Conference des
internationalen Kreditversicherers Coface statt. Über 400 Unternehmer
und Opinion Leader trafen dort auf eine hochkarätige Experten-Runde
aus Politik und Wirtschaft, darunter auch der Globalisierungskritiker
und Menschenrechtsexperte Jean Ziegler.

Jean Ziegler, der streitbare Sozialpublizist und Berater des
UN-Menschenrechtsrats, Wolfgang Franz vom Mannheimer Zentrum für
Europäische Wirtschaftsforschung und Stephan Schulmeister vom
Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung sind nur einige
der namhaften Experten, die der Einladung von
Coface-Generaldirektorin Martina Dobringer gefolgt waren und sich im
Rahmen der 9. Coface Country Risk Conference am 10. Mai im Palais
Niederösterreich (1010 Wien, Herrengasse/Freyung) mit verschiedenen
Aspekten der Globalisierung befassten.

Eröffnet wurde die hochkarätig besetzte Konferenz - die von
ORF-Anchorman Armin Wolf moderiert wurde - von Wirtschaftsminister
Reinhold Mitterlehner und Martina Dobringer, Generaldirektorin von
Coface Austria & Central Europe. Mitterlehner betonte in seiner
Eröffnungsrede, dass Österreichs Wirtschaft im globalen Wettbewerb
nur durch Innovationen bestehen könne. "Wir müssen um so viel besser
sein, wie wir teurer sind", so der Wirtschaftsminister. Dobringer
forderte in ihren einleitenden Worten mehr Nachhaltigkeit statt
Orientierung auf kurzfristige Profite: "Auf lange Sicht werden nur
jene Unternehmen erfolgreich sein, die über den Geschäftsbericht des
nächsten Quartals hinausdenken."

Christian Berger, Vorstandsmitglied von Coface, gab im Rahmen der
ersten Hälfte der Veranstaltung einen Überblick über die Entwicklung
der weltweiten Länder-Risiken. Dabei wies er darauf hin, dass sich
die Risiko-Ratings von Industrie- und Schwellenländern kontinuierlich
annähern. "Länder wie China, Brasilien, Indien oder Polen weisen
inzwischen ein besseres Rating auf als Griechenland, Irland oder
Portugal", so Berger.

Kritik am Neoliberalismus

Danach sprach Stephan Schulmeister vom Österreichischen Institut
für Wirtschaftsforschung über die wirtschaftliche Entwicklung
Österreichs und Europas in einer globalisierten Welt. Schulmeister
sieht in der Finanzkrise das Ende eines langen Wirtschaftszyklus, der
von 1927 bis 2007 gedauert hat. Er erläuterte, dass nicht die
Globalisierung die Hauptursache der jüngsten Wirtschaftskrise sei,
sondern das Zusammenwirken verschiedener Faktoren wie der Dominanz
des Neoliberalismus, des Finanzkapitalismus und der damit verbundenen
Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft. "Unternehmerisches
Verhalten muss wieder besser gestellt werden als Finanzakrobatik",
forderte der Wirtschaftsforscher, der eine "systemische Therapie"
durch mehr Gewinnanreize für die Realwirtschaft und weniger Anreize
für Spekulationsgeschäfte empfahl.

Wolfgang Franz vom Mannheimer Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung zeigte im Anschluss daran die größten
Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik in Europa auf und ging
dabei auch auf aktuelle Themen wie die Stabilität der Eurozone und
die Situation Griechenlands ein. Franz wies dabei auf die notwendige
Unterscheidung zwischen Währung und Wirtschaft hin: "Wir haben kein
Problem mit dem Euro, sondern wirtschaftliche Probleme in einzelnen
Ländern der Eurozone", so das Mitglied des deutschen Weisenrats. Zur
Vermeidung künftiger Eurokrisen forderte Franz die Stabilisierung und
Konsolidierung der öffentlichen Finanzen, Fortschritte bei der
Reform der nationalen und internationalen Finanzmarktarchitektur
sowie ein dauerhaftes europäisches Regelwerk für Krisenfälle. Im
Zusammenhang mit Griechenland riet Franz zu mehr Geduld: "Geben wir
den Griechen Zeit und lassen wir das dumme Gerede vom Ausschluss aus
dem Euroraum."

Die zweite Hälfte der Konferenz wurde von Jean Ziegler eröffnet,
der seine Ausführungen unter den Titel "Das tägliche Massaker des
Hungers. Wo ist Hoffnung?" stellte. Dieses "tägliche Massaker" koste
mehr Menschenleben als alle Kriege und Terroranschläge zusammen, so
Ziegler, der vor allem die neoliberale Politik und Profitinteressen
als Ursache für den weltweiten Hunger kritisierte. "Alle fünf
Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger - sieben
Millionen Kinder pro Jahr. Die moderne Landwirtschaft könnte heute
zwölf Milliarden Menschen ernähren - doch es fehlt am politischen
Willen etwas zu ändern", so Ziegler. Drastisch schilderte der
Globalisierungskritiker den Hungertod und beschrieb eindringlich, wie
die Industrieländer zur Zerstörung der Landwirtschaft in den
Entwicklungsländern beitragen. Ziegler zeigte sich trotz der
erschütternden Zahlen hoffnungsvoll, dass die Zivilgesellschaft "ein
Ende dieser kannibalischen Weltordnung" erzwingen werde.

"Zauber und Fluch zugleich"

Im Anschluss diskutierten Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der
voestalpine AG und Toni Faber, Dompfarrer der Pfarre St. Stephan
gemeinsam mit Jean Ziegler, Wolfgang Franz und Stephan Schulmeister
im Expertentalk die zuvor aufgeworfenen Fragen. Weitgehende Einigkeit
bestand dabei in der Kritik an globalen Fehlentwicklungen, wobei die
Wirtschaftsexperten teils recht unterschiedliche Lösungsansätze zu
deren Bekämpfung empfahlen.

Wolfgang Eder kritisierte die Entkoppelung zwischen Real- und
Finanzwirtschaft als negative Seite der Globalisierung und zeigte
sich bei dieser Gelegenheit überzeugt, dass die Wirtschaftskrise für
die österreichischen Banken Langzeitfolgen nach sich ziehen wird.
"Die heimische Industrie wird mit verstärktem Eigenkapitalaufbau auf
die Erfahrungen reagieren, die sie in der Krise mit den Banken
gemacht hat", so der Vorstandsvorsitzende der voestalpine AG.

Dompfarrer Faber plädierte dafür, sich an das Positive zu hängen,
das Gute zu fördern und weiter zu entwickeln. Faber griff dabei auf
einen zuvor von Jean Ziegler zitierten Satz von Dorothee Sölle
zurück: "Gott hat keine anderen Hände als die unseren. Ob etwas zum
Fluch oder Segen wird, hängt wesentlich auch davon ab, was wir
Menschen daraus machen", so der Dompfarrer.

Das an das Konferenzprogramm anschließende "Coface Get Together"
bot den über 400 Gästen dann die Möglichkeit zum persönlichen
Meinungsaustausch und Networking. Nicht zuletzt aufgrund der hohen
Dichte an Entscheidungsträgern konnte diese Veranstaltung inzwischen
einen fixen Platz im Kalender der heimischen Wirtschaft erobern. Dazu
Susanne Krönes, Marketingleiterin von Coface Austria: "Die Coface
Country Risk Conference ermöglicht einmalige Kontakte zwischen
Fachleuten und Entscheidern. Auch in diesem Jahr konnten sich die
teilnehmenden Unternehmer und Opinion Leader wieder über ein
spannendes Programm freuen."

Coface Austria & Coface Central Europe

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen,
Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und
Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für
Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der
französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am
Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central
Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in
12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten
Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein
Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25
Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns
Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt
bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Coface

Ziel von Coface ist die Vereinfachung des globalen B2B-Geschäfts.
Den 135.000 Kund/innen wird daher die teilweise oder komplette
Auslagerung des Forderungsmanagements sowie die Finanzierung und
Versicherung der Forderungen angeboten: Kreditversicherung,
Factoring, Wirtschaftsinformation und Inkasso. Dank des weltweit
lokalen Services der 6.600 Mitarbeiter/innen in 65 Ländern sind über
45% der 500 größten Unternehmen Kund/innen von Coface. Coface ist die
Tochter der französischen Bank Natixis (Stammkapital 16,8 Mrd. Euro,
Ende Dezember 2010).

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:

Coface Austria Holding AG
   Susanne Krönes 
   Head of Marketing and Communications
   Tel.: 01/515 54 - 512
   mailto:[email protected] 
   http://www.coface.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | COF

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