- 11.05.2011, 09:24:56
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Kardinal Schönborn legt "Masterplan" für Erneuerung der Erzdiözese Wien vor
Kurzfassung seines Hirtenbriefs wird am kommenden Sonntag bei allen Gottesdiensten verlesen
Wien (OTS) - Wien, 11.05.11 (PEW) Einen "Masterplan" für eine
umfassende Erneuerung der Erzdiözese Wien legt Kardinal Christoph
Schönborn in einem Hirtenbrief vor, dessen Kurzfassung am kommenden
Sonntag, 15. Mai, bei allen Gottesdiensten in der Erzdiözese verlesen
werden soll. Mit dem Vorgang "Apostelgeschichte 2010" (in dessen
Verlauf es drei große Diözesanversammlungen im Oktober 2009 sowie im
März und im Oktober 2010 gab) sei ein "Weg der Erneuerung" im Sinn
des Zweiten Vatikanischen Konzils begonnen worden. Die
Diözesanversammlungen seien für viele, auch für ihn selbst, "starke,
bewegende, hoffnungsreiche Erfahrungen" gewesen, betont der Wiener
Erzbischof. Der Vorgang "Apostelgeschichte 2010" habe ihn verändert,
so der Kardinal: "Ich habe viel gelernt. Mein Eindruck ist, dass es
vielen so ergangen ist: Wir erlebten gemeinsam die Freude des
Christseins". Die nächsten nun folgenden Schritte hätten einen "tief
greifenden Entwicklungsprozess" zum Ziel. "Gehen wir auf diesem Weg
beherzt weiter", betont der Wiener Erzbischof.
In der Kurzfassung des Hirtenbriefs beschreibt Kardinal Schönborn die
gegenwärtige Situation der Kirche so: "Als Kirche sind wir eine bunte
und vielfältige Gemeinschaft, mit viel bewundernswertem Einsatz für
das Reich Gottes. Auch wenn wir für manche Fragen unterschiedliche
Lösungsvorschläge haben, verbindet uns das Bemühen um die Nachfolge
Jesu und die Liebe zur Kirche. Die gesellschaftlichen
Herausforderungen sind groß: Die demographische Entwicklung, das
Thema Migration, Energie- und Umweltfragen bereiten zunehmend Sorgen.
Die Schere zwischen den Armen und den Reichen klafft immer weiter
auseinander und bedroht den sozialen Zusammenhalt. Die religiöse
Praxis hat sich tiefgreifend verändert. Traditionelle Bindungen
halten nicht mehr. Es gibt weniger Kirchenmitglieder und auch die
Zahl derer, die das Leben in den Pfarren tragen, wird geringer. In
den meisten Pfarren fehlen Kinder und junge Menschen. Unsere
finanziellen und personellen Ressourcen werden knapp".
Auf dem Hintergrund dieser schwierigen Situation müsse den Christen
der Auftrag Jesu zur Mission neu bewusst werden. Der Wiener
Erzbischof fasst diesen Auftrag in dem Wort "Mission zuerst" zusammen
und betont: "Welche konkreten Schritte folgen daraus? Ich sehe zwei
miteinander verwobene Fragenkreise: Wie können wir unsere
Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu vertiefen, beleben oder neu
lernen? Und: Welche Entwicklung unserer Organisationsformen braucht
es, damit wir uns auf unsere Mission neu ausrichten können? Welche
Strukturen müssen wir dazu eventuell aufgeben, welche ändern, welche
neu schaffen?"
In der Langfassung des Hirtenbriefs benennt Kardinal Schönborn sieben
Themenfelder: "Neu in die Lebensschule Jesu gehen -
Jüngerschaftsschulen einrichten", "Neues Miteinander von gemeinsamem
Priestertum der Gläubigen und Weihepriesteramt", "Christliche
Gemeinschaften und Gemeinden am Ort - aufbauen, stärken und gründen",
"Neue Gemeinden jenseits der territorialen Ordnungen entwickeln und
unterstützen", "Eine neue Pastoral des Rufens - für Dienste in
Hingabe und Professionalität", "Loslassen für Neues - Wagemut ist
gefragt", "Aufbau der Allianzen im Tun der Gerechten stärken". In der
Kurzfassung greift der Wiener Erzbischof vor allem drei Bereiche
heraus: "Neu in die Lebensschule Jesu gehen", "Gemeinden aufbauen und
stärken" und "Allianzen im Tun der Gerechten". Im Hinblick auf die
"Lebensschule Jesu" erinnert der Kardinal daran, dass der Glaube ein
Geschenk ist, in das man lebenslang immer tiefer hineinwachse. Dazu
seien "Schulen der Jüngerschaft" notwendig: Orte und Vorgängen, in
denen Nachfolge Jesu gelernt werden kann. Wörtlich stellt Kardinal
Schönborn fest: "Wir müssen heute mehr denn je auskunftsfähig sein
über unsere Entscheidung für Jesus Christus, über die Hoffnung, die
uns leben lässt". Zum Aufbau der Gemeinden betont der Wiener
Erzbischof: "In den nächsten Jahren wird sich in der Struktur der
Pfarren vieles verändern. Wir wollen diese Veränderungen nicht bloß
erleiden, sondern aktiv gestalten. Manche derzeitigen Pfarrkirchen
werden wohl in Filialkirchen umgewandelt. Alle Veränderungen sollen
einer Vielzahl von lebendigen Gemeinschaften am Ort dienen". Was die
"Allianzen" angeht, unterstreicht Kardinal Schönborn: "Zum
christlichen Leben gehört der konkrete Einsatz für die Notleidenden.
Dabei stehen wir als Kirche neben anderen, die das auch tun. Wir
haben keine Vormachtstellung mehr und sind zunehmend auch selbst auf
die Solidarität der Gesellschaft angeweisen. Sehen wir das als
Chance, uns in unserem Engagement mit allen zu verbinden, die sich
für die Armen und Notleidenden und für Gerechtigkeit und Frieden
einsetzen".
Für den diözesanen Entwicklungsprozess hat der Wiener Erzbischof eine
"Steuerungsgruppe" eingerichtet, die aus den Mitgliedern des
Bischofsrates und dem Team der Stabsstelle "Apostelgeschichte 2010"
besteht. Diese "Steuerungsgruppe" strukturiert, koordiniert und
begleitet den ganzen Prozess. Die konkrete Planung und Gestaltung
obliegt einer Arbeitsgruppe, die von Generalvikar Nikolaus Krasa
geleitet wird. Dieser Arbeitsgruppe gehören außerdem Weihbischof
Stephan Turnovszky, Bischofsvikar Präl. Matthias Roch,
Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel, Michael Scharf,
Andrea Geiger, Otto Neubauer und Otmar Spanner an. Entscheidungen für
die Erzdiözese fallen durch die jeweils im Kirchenrecht vorgesehenen
Organe.
Kardinal Schönborn hat ausdrücklich eingeladen, im Sinn der bei den
Diözesanversammlungen erprobten Methode des "Offenen Mikrophons"
Rückmeldungen und weitere Überlegungen zu den Themenfeldern des
Hirtenbriefs an das Büro "Apostelgeschichte 2010" zu übermitteln
(1010 Wien, Wollzeile 2; Fax: 01/515 52-2555, E-Mail:
[email protected], Internet: www.apg2010.at). (forts mgl)
Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel.: 0664/515 52 69
E-Mail: [email protected]
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