Geschäftsklima in Mittelosteuropa nur leicht verbessert

Direktinvestoren: Aktuelle Geschäftslage der Beteiligungen in Mittelosteuropa positiver als im Jänner 2011, Geschäftserwartungen werden zurückhaltender eingeschätzt

Wien (OTS) - In der April-Erhebung des Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa steigt der Geschäftsklima-Indikator geringfügig und setzt damit den seit Mitte 2009 anhaltenden Aufwärtstrend weiter fort, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form. Obwohl sich die Aktuelle Geschäftslage der Niederlassungen vor Ort nach Aussagen der Direktinvestoren verbessert hat, werden die Geschäftserwartungen etwas kritischer beurteilt als noch im Jänner 2011. Auch die Konjunkturentwicklung schätzen die Erhebungsteilnehmer vorsichtiger ein als zu Jahresbeginn.

Die rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, zeigen sich in Hinblick auf den aktuellen Geschäftsgang ihrer Betriebe in Mittelosteuropa überwiegend zufrieden. Für 44% der Niederlassungen vor Ort wird die momentane Situation als positiv eingestuft, während lediglich für 13% der Betriebe eine schlechte Performance gemeldet wird. Der daraus resultierende Saldenwert (positive abzüglich negativer Meldungen) von +31 liegt 4 Prozentpunkte über dem Vergleichswert, den der Indikator der Aktuellen Geschäftslage in der letzten Erhebung aufwies. Mit Hinblick auf die Geschäftsperspektiven ihrer MOE-Beteiligungen zeigen sich die Direktinvestoren hingegen weniger optimistisch als noch vor drei Monaten: Der Indikator der Geschäftserwartungen fällt um 2 Prozentpunkte auf einen aktuellen Wert von +39 zurück. Insgesamt hellt sich damit das Geschäftsklima in der Region, welches sich aus der Aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen zusammensetzt, geringfügig auf: Der entsprechende Indikator klettert um 1 Prozentpunkt auf +35 und erreicht damit den höchsten Wert seit Juli 2008. Dennoch konnte das damalige Niveau noch nicht wieder erreicht werden.

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Konjunkturaussichten für Mittelosteuropa leicht eingetrübt

Die Konjunkturentwicklung in Mittelosteuropa dürfte in den kommenden zwölf Monaten nach Einschätzung der Direktinvestoren etwas abflachen. Nach zuletzt zwei Anstiegen in Folge sinkt der entsprechende Indikator im April 2011 um 2 Prozentpunkte. Nur für zwei der elf ausgewiesenen Länder ist der Konjunktur-Indikator seit der Jänner-Erhebung gestiegen: für Ungarn und für Serbien Montenegro (Serbien, Montenegro und Kosovo werden aus statistischen Gründen zu einer Region zusammengefasst). Diese - für Mittelosteuropa insgesamt - etwas vorsichtigere Einschätzung der konjunkturellen Perspektive, gepaart mit etwas weniger optimistischen Geschäftserwartungen, beeinflusst möglicherweise auch die Investitionspläne der Direktinvestoren: So hat die Bereitschaft, bestehende Beteiligungen innerhalb der nächsten zwölf Monate auszubauen, zum ersten Mal seit April 2009 wieder leicht abgenommen. Konkret geht der Saldo der Erweiterungsinvestitionen um 3 Prozentpunkte zurück. Während sich die Direktinvestoren beim Ausbau bestehender Beteiligungen also zurückhaltender zeigen, geben sie sich bei ihren Markteintrittsstrategien offensiver: Derzeit sind 54 Markteintrittsprojekte - d.h. die Gründung neuer Beteiligungen in Ländern, in denen noch keine Niederlassung vor Ort besteht - geplant. Dies ist die höchste Anzahl an geplanten Neugründungen seit April 2009. Besonders Serbien Montenegro und Russland sollen von den Expansionsplänen der Direktinvestoren profitieren.

Deutlicher Dämpfer für Bulgarien

Den jüngsten Ergebnissen zufolge entwickelt sich das Geschäftsklima auf Länderebene höchst unterschiedlich: So hellt sich in Polen das Geschäftsklima neuerlich auf (um 7 Prozentpunkte), wodurch sich das Land an die Spitze des MOE-Geschäftsklima-Rankings setzen kann. Verlierer ist im April 2011 nach Einschätzung der Direktinvestoren hingegen vor allem Bulgarien. Neben der im Vergleich zum Jahresbeginn gesunkenen Zufriedenheit mit der Geschäftslage der Betriebe vor Ort - der entsprechende Indikator sinkt um 7 Prozentpunkte - trüben vor allem die deutlich pessimistischeren Geschäftserwartungen das Stimmungsbild für das Land: So geht der Geschäftsklima-Indikator um 15 Prozentpunkte zurück. Darüber hinaus hat sich auch die makroökonomische Perspektive für Bulgarien seit Jänner deutlich verschlechtert. Eine vergleichbare Entwicklung auf Unternehmens- wie auch auf makroökonomischer Ebene durchlaufen, wenn auch weniger stark ausgeprägt, zwei weitere Länder Südosteuropas:
Kroatien und Slowenien. In Rumänien sorgt zwar die Verbesserung der Aktuellen Geschäftslage für eine leichte Aufhellung des Geschäftsklimas, der Indikator der Geschäftserwartungen sinkt aber um 3 Prozentpunkte. Auch die Konjunkturperspektiven für dieses Land werden nun vorsichtiger beurteilt als noch zu Jahresbeginn (-11 Prozentpunkte).

Serbien Montenegro überrascht positiv

Anders als in den südosteuropäischen Nachbarländern stellt sich die Situation derzeit in Serbien Montenegro dar, wodurch das Land eine der positiven Überraschungen der aktuellen Erhebung darstellt. So zeichnet der Anstieg des Konjunktur-Indikators um 19 Prozentpunkte ein ermutigendes Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den kommenden zwölf Monaten. Zudem stehen auch die Niederlassungen vor Ort nach Aussagen der Direktinvestoren vor einer Erholung, und die Geschäftserwartungen werden deutlich positiver beurteilt als zu Jahresbeginn. Konkret wird für 38% der Beteiligungen für die kommenden sechs Monate eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung erwartet.

Immobilienwesen im Aufschwung

Im Branchenvergleich sticht vor allem der Immobiliensektor in der jüngsten Erhebung positiv hervor. Eine spürbare Verbesserung der Geschäftslage sowie abermals gestiegene Geschäftserwartungen führen zu einer deutlichen Aufhellung des Geschäftsklimas innerhalb der Branche gegenüber Jänner 2011 (+11 Prozentpunkte). Darüber hinaus sind die Erhebungsteilnehmer aus dem Immobiliensektor wesentlich zuversichtlicher in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung der Region MOE als noch im Jänner. Die positive Stimmung der Branche scheint sich auch in den Markteintrittstrategien der Immobilienunternehmen niederzuschlagen: So planen derzeit 13% der Headquarters neue Standorte in bis dato unbearbeiteten Ländern zu errichten. Noch in den beiden vorherigen Erhebungen stand eine regionale Expansion für den Immobiliensektor nicht auf der Agenda. Bemerkenswerterweise ist von der Aufbruchsstimmung des Immobiliensektors im Bauwesen nichts zu spüren. Vor allem die Geschäftserwartungen für die Bauunternehmen vor Ort sind nun sogar vorsichtiger als noch vor drei Monaten, was zur Folge hat, dass das Geschäftsklima merklich abkühlt (-11 Prozentpunkte).

Unterschiedliche Entwicklung bei Finanzdienstleistungssparten

Uneins zeigt sich der Finanzsektor bei der Bewertung des Geschäftsklimas. Während im April 2011 für die Banken ein Anstieg des Geschäftsklima-Indikators um 8 Prozentpunkte festgestellt werden kann, legt der entsprechende Indikator für die Versicherungsbranche lediglich um 1 Prozentpunkt zu. Zwar zeigen sich beide Finanzdienstleistungssparten mit dem aktuellen Geschäftsgang ihrer MOE-Niederlassungen zufriedener als im Jänner 2011, die künftige Entwicklung ihrer Beteiligungen bewerten die zwei Finanzbranchen jedoch höchst unterschiedlich: Während im Bankwesen die Zuversicht hinsichtlich einer Performance-Verbesserung weiter zugenommen hat, sinkt der Indikator der Geschäftserwartungen für die Versicherungsbranche mit einem Minus von 6 Prozentpunkten vergleichsweise deutlich. Übereinstimmung erzielen die beiden Finanzdienstleistungsbranchen hingegen bei ihrer Einschätzung der makroökonomischen Entwicklung: Beide Branchen erwarten einen weitgehend gleichbleibenden Konjunkturverlauf, also kein nennenswertes Anziehen der Wirtschaftsdynamik Mittelosteuropas in den kommenden zwölf Monaten.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa(MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

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