• 08.05.2011, 20:37:53
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Fanatiker gefährden die Zukunft Ägyptens" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 09.05.2011

Graz (OTS) - Millionen Ägypter, die gehofft haben, dass mit
dem Sturz von Diktator Hosni Mubarak das Tor zu einer hoffnungsvollen
Zukunft aufgestoßen wurde, sind jetzt wohl bitter enttäuscht. Denn
das Land am Nil kommt nicht zur Ruhe. Die Arbeitslosigkeit steigt,
zumal sich der Tourismus, die Staatseinnahme Nummer eins, von den
dramatischen Wochen des Umsturzes noch nicht erholt hat.

Vor allem aber steigt die Gewaltbereitschaft im Land. Intoleranz und
religiöser Fanatismus nähren die Spannungen zwischen Christen und
Muslimen schon seit Langem. Doch seit dem Ende des Diktators nehmen
handfeste Auseinandersetzungen dramatisch zu.

Oft genügt schon ein Gerücht, um die Gewalt zu entfachen. Am Samstag
hieß es, eine koptische Christin habe einen Muslim geheiratet und
werde nun gegen ihren Willen in einer Kirche im Kairoer Stadtteil
Imbaba festgehalten. Sofort strömten Hunderte Moslems vor die Kirche,
die von zahlreichen Kopten beschützt wurde, und forderten die
Freilassung der Frau. Schüsse fielen, von Hausdächern aus wurde
geschossen. Islamisten warfen Brandbomben, worauf das Gotteshaus
teilweise ausbrannte. Die blutige Bilanz: zwölf Tote und 230
Verletzte.

Nichts an den Gerüchten um die Frau ließ sich überprüfen und es war
auch nicht klar, wie die Menge davon Kenntnis erlangt hatte. Die
blutigen Vorfälle werfen aber ein Schlaglicht auf das schwierige
Verhältnis zwischen den Konfessionen im islamisch geprägten Ägypten.

Viele in Ägypten glauben, dass das Mubarak-Regime diese Konflikte
bewusst schürte, um sich selbst als einziges Bollwerk gegen den
islamistischen Extremismus zu präsentieren. Tatsächlich hat das alte
Regime moslemische Hardliner brutal unterdrückt und gut im Griff
gehabt. So auch die von Saudi-Arabien finanzierte und inspirierte
Sekte der Salafisten. Viele dieser religiösen Eiferer waren unter
Mubarak inhaftiert. Jetzt sind sie frei und toben ihre Intoleranz
nicht nur gegenüber Kopten aus, sondern attackieren auch moderate
Moslems und säkulare Mitbürger.

Der ägyptische Justizminister hat gestern angekündigt, die Regierung
werde ab sofort "Sicherheit mit eiserner Hand" garantieren und
"entschlossen gegen die Verantwortlichen der Ausschreitungen
vorgehen".

Das ist gut und wichtig. Die Frage ist nur, ob Ägyptens neue Führung
dabei einen praktikablen Weg auf dem schmalen Grat zwischen besagter
"eiserner Hand" und Rechtsstaatlichkeit findet, der wegweisend sein
muss - für Ägypten und für die gesamte arabisch-islamische Welt.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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