- 06.05.2011, 13:06:01
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Istanbul: Erste Ansprache eines katholischen Priesters in Synagoge
Aus Österreich stammender Superior der St.-Georgs-Kirche, P. Kangler, bei Holocaust-Gedenken: "Christen müssen sich jahrhundertealter Schuld stellen"
Istanbul, 06.05.11 (KAP) Erstmals hat ein katholischer Priester in
der Istanbuler Aschkenazim-Synagoge eine Ansprache gehalten: P.
Franz Kangler, Superior der St.-Georgs-Kirche in Istanbul und
langjähriger Direktor des Österreichischen St.-Georgs-Kollegs,
sprach im Rahmen einer Holocaust-Gedenkstunde von einer langen
schuldbeladenen Geschichte des Christentums den Juden gegenüber.
Es sei unbestreitbar, so Kangler, "dass der religiös-kirchliche
Antijudaismus eine Wurzel für den späteren politischen und
rassischen Antisemitismus wurde". Christen müssten sich dieser
jahrhundertealten Schuld stellen, wenn sie mit der jüdischen
Gemeinde wieder ins Gespräch kommen wollen.
Es bestehe eine "lange schmerzvolle Geschichte" und erst eine "kurze
Zeit des Nachdenkens und des Schmerzes" auf Seiten der Täter, räumte
Kangler ein. Deshalb werde es auch noch längere Zeit brauchen, "bis
Juden nach all diesen Jahrhunderten Christen als jüngere Brüder im
Glauben annehmen können", zeigte der Superior der St.-Georgs-Kirche
Verständnis.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) habe die katholische
Kirche versucht, eine neue Blickweise auf das Judentum für Christen
vorzugeben, betonte Kangler. Christen bemühten sich heute um das
Gespräch mit verschiedenen Religionen: "Aber das Judentum kann für
uns nichts Äußeres sein, weil es zum Inneren unserer Religion
gehört." Kein Christ dürfte leugnen, "dass Gott dieses auserwählte
Volk mit einer unwiderruflichen Berufung erwählt hat".
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