Die Kopfgeldjagd und die Gerechtigkeit (von Claudia Grabner)

Ausgabe 5. Mai 2011

Klagenfurt (OTS) - "Justice has been done." Man kann das Recht in die Hand nehmen - und es mit Füßen treten. Ist damit der Gerechtigkeit Genüge getan? Oder hat Gerechtigkeit den (mitunter ermüdenden, zähen) Weg des Rechts zu gehen - zwingend und ausnahmslos, um ihr selbst gerecht zu werden? Meine unmittelbare Reaktion, als ich am Montag von der Tötung Osama bin Ladens erfahren habe (mit den Worten "Barack Obama hat den Befehl zu seiner Erschießung gegeben"): "Oh, nein!" Wie kann gerade er, der Hoffnungsträger Obama, Selbstjustiz üben? Stunden später die Korrektur: Nein, Obama gab keinen Tötungsbefehl, Bin Laden sei im Schusswechsel gefallen. Erleichterung - der tödliche Schuss erfolgte also in Gegenwehr. Tags darauf die Korrektur der Korrektur: Bin Laden war unbewaffnet ... Der Al-Kaida-Chef war einer der schlimmsten Massenmörder unserer Zeit. Sein tödliches Ende im moralischen Sinne gerecht. Absolut. Rechtfertigt das seine gezielte Hinrichtung? Die Liquidierung des Bösen? - Gerechtigkeit, die die Abkürzung über das Unrecht nimmt, erinnert unangenehm an Aug um Aug ...

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