- 30.04.2011, 12:36:10
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Wien: Gottesdienst zum 1.700-Jahr-Gedenken des Toleranzedikts von Nikomedia
Im Stephansdom wurde von den christlichen Kirchen des historisch ältesten Dokuments für Religionsfreiheit gedacht - Die Weichen für das Dokument wurden in Carnuntum gestellt
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Wien (OTS) - Wien, 30.04.11 (PEW) Mit einem ökumenischen
Gottesdienst wurde im Wiener Stephansdom am Samstagvormittag des
1.700. Jahrestages des Toleranzediktes von Nikomedia (heute: Izmit)
gedacht. Weihbischof Helmut Krätzl, der die Grüße von Kardinal
Christoph Schönborn überbrachte, sprach wörtlich von einem "epochalen
Anlass". Denn das von Kaiser Galerius am 30. April 311 erlassene
Edikt von Nikomedia gab schon zwei Jahre vor dem wesentlich
bekannteren Edikt von Mailand aus dem Jahr 313 den Christen
Religionsfreiheit. Es spricht vieles dafür, dass die Weichen für das
Toleranzedikt von Nikomedia auf heute österreichischem Boden gestellt
wurden - bei der "Kaiser-Konferenz", die unter dem Vorsitz von
Diokletian am 11. November 308 in Carnuntum stattfand. Bei dieser
"Kaiser-Konferenz" wurden mit der Einführung der Vierer-Herrschaft
("Tetrarchie") die Machtverhältnisse im Römischen Reich neu bestimmt.
Weihbischof Krätzl erinnerte im Stephansdom daran, dass mit dem Edikt
von Nikomedia die damals noch ungeteilte Christenheit in ein neues
Verhältnis zur Gesellschaft und zum Staat getreten sei. Die
Bestimmung des Verhältnisses von Kirche und Staat sei immer wieder
eine große Herausforderung. Daher sei auch die Erinnerung an das
Edikt von Nikomedia nicht nur eine Frage des Gedenkens, sondern auch
ein Anstoß, neu über das Verhältnis von Christentum und Gesellschaft
nachzudenken.
Im Stephansdom kam auch Piero Bordin, der Intendant von "art
carnuntum", zu Wort, der seit 2008 immer wieder auf die
weltgeschichtliche Bedeutung der dem allgemeinen
Geschichtsbewusstsein weitgehend entschwundenen "Kaiser-Konferenz"
von Carnuntum hinweist - auch durch den mehrjährigen Zyklus "Die
Kaiser von Carnuntum - sie veränderten die Welt". Bordin schilderte
eindringlich, wie er durch die "zufällige" Begegnung mit Gerard
Depardieu (der auch in Carnuntum eine Augustinus-Lesung hielt) und
Thomas Gottschalk (der für "Wetten, dass\x{2588}" um "Legionäre" aus
Carnuntum gebeten hatte) auf die Spur der "Kaiser-Konferenz" und der
beiden Toleranzedikte von Nikomedia und Mailand (beide von
Teilnehmern der "Kaiser-Konferenz" unterzeichnet) stieß. In der
Auseinandersetzung mit den Ereignissen ab dem 11. November 308 sei
ihm bewusst geworden, wie sehr die "Kaiser-Konferenz" und die
folgende Entwicklung eine "Wende" darstellten, deren
weltgeschichtliche Bedeutung "man sich nicht groß genug vorstellen
kann", so der erfolgreiche Theatermann und Intendant: "Nikomedia
bedeutete Religionsfreiheit für alle, das ist eine wichtige
Botschaft, die auch heute höchste Aktualität hat".
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bezeichnete in
seiner Predigt die Toleranzedikte - bis hin zum berühmten Edikt
Josephs II. von 1781, das in den habsburgischen Staaten evangelischen
und orthodoxen Christen sowie Juden Toleranz gewährte - als einen
"Strom in der Geschichte Europas". Freilich sei dieser Strom immer
wieder auch unterbrochen worden. Die christliche Kirche sei von der
verfolgten Kirche über die geduldete Kirche zur selbst verfolgenden
Kirche geworden. Immer gehe es darum, den Wahrheitsanspruch des
Evangeliums so zu leben, dass er nicht zur tödlichen Gefahr für
Andersdenkende wird, unterstrich Bischof Bünker. Denn die Wahrheit
könne sich nicht anders auswirken als in der Liebe.
Erst die amerikanische und die französische Revolution hätten aus der
als Gnadenakt gewährten Toleranz ein Grundrecht gemacht, betonte der
evangelische Bischof. Für die Christen aller Konfessionen bedeute
Religionsfreiheit heute ein "uneingeschränkt gültiges" Menschenrecht,
das in der Würde des von Gott geschaffenen Menschen begründet sei.
Daher gehe es auch nicht mehr um bloße "Duldung", sondern um
"Respekt" und "Anerkennung". Christen sollten in der Auffassung von
der Wahrheit über die Unterschiede zu Andersgläubigen oder
Nichtglaubenden nicht "hinwegsehen", sondern diese Unterschiede
vielmehr als Ausdruck der Vielfalt der Schöpfung schätzen.
Der ökumenische Gottesdienst wurde gemeinsam von der Stiftung "Pro
Oriente" und "art carnuntum" getragen. Bei dem Gottesdienst war auch
eine Delegation der Stadt Izmit anwesend. (forts mgl)
Rückfragehinweis:
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Tel.: 0664/515 52 69
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