Essen sich bereits Krabbelkinder ihren späteren Bauch- und Hüftspeck an?

Präsentation der ersten österreichischen Expertenposition zur Ernährung von 1- bis 3-Jährigen

Wien (OTS) - Die Ernährung von Kleinkindern im Rahmen der Familienkost ist aus präventivmedizinischer Sicht unausgewogen. Neue Erkenntnisse geben Hinweise darauf, dass sich die Folgen dieser frühen Ernährungsfehler erst Jahre später zeigen. So kann eine hohe Eiweißzufuhr zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat das Risiko für Übergewicht im Schulalter erhöhen. Eine inadäquate Eisenzufuhr vor dem dritten Geburtstag kann zu schlechten Mathe-Noten in der Schule führen. Aus diesem Anlass wurden von einer interdisziplinären, österreichischen Expertengruppe erstmals klare "Ernährungsempfehlungen für 1- bis 3-Jährige" erarbeitet und durch praktische Tipps ergänzt.

Das Kleinkindesalter, die vergessenen Jahre in der Pädiatrie

Die optimale Ernährung des Säuglings ist sehr gut durch nationale wie internationale Empfehlungen geregelt. Darüber hinaus ist die Zusammensetzung von Anfangs- und Folgenahrung sowie Beikost für Säuglinge mittels Verordnungen gesetzlich verankert. Für das Kleinkindesalter (Alter von 1 bis 3 Jahren) gibt es jedoch bislang kaum Richtlinien und Empfehlungen. In einschlägigen Lehrbüchern findet sich oft nur der Hinweis auf den schrittweisen "Übergang zur Familienkost". Das ist heute im Hinblick auf die wachsenden Gesundheitsprobleme zu wenig.

Status quo - so isst Österreichs Nachwuchs

Verzehrsdaten zeigen, dass bereits Kleinkinder zu viel, zu süß, zu fett, zu eiweiß- und salzreich essen. "Dieses ungünstige Ernährungsmuster hinterlässt Spuren bei der Nährstoffversorgung. So nimmt ein Kleinkind mehr als doppelt so viel Eiweiß als nötig auf. Die Empfehlungen für die Zufuhr essenzieller Fettsäuren werden bei weitem nicht erreicht. Der Süßigkeitenverzehr und damit die Zuckerzufuhr mit all seinen negativen Folgen für Gewicht und Zähne verdoppeln sich zwischen 1 und 3 Jahren. Bei den Mikronährstoffen gibt es Lücken vor allem bei Eisen und einigen Vitaminen - im Fall von Vitamin D erreichen gar nur zwei von zehn Kindern die Zufuhrempfehlungen.", so Univ. Prof. Dr. Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien.

Hohe Eiweißzufuhr als möglicher Risikofaktor für Übergewicht

Studien haben gezeigt, dass die Entwicklung von Übergewicht durch eine erhöhte Aufnahme von tierischem Eiweiß (das im Kleinkindalter insbesondere aus Wurst und Milchprodukten stammt) in den ersten Lebensjahren begünstigt wird. Der Pädiater Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer erklärt dieses Phänomen wie folgt: "Ein erhöhter Eiweißkonsum führt zu einer verstärkten Sekretion eines Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors, insbesondere nach dem Verzehr von zu viel Milcheiweiß. Dieser Wachstumsfaktor (IGF-1) fördert die Bildung von Fettzellen sowie die Fettspeicherung." Zwiauer hat in den letzten Jahren eine Verdopplung der Zahl übergewichtiger Kleinkinder beobachtet.

Gravierende Schönheitsfehler bei Mikronährstoffen

Bei Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stellt sich die Versorgung mit Eisen, Folsäure und Vitamin D als unzureichend dar. Insbesondere im Hinblick auf Eisen zeigen sich Experten besorgt, denn die Aufnahme unterschreitet die Empfehlungen um ca. ein Drittel:
"Eine ausreichende Eisenzufuhr ist insbesondere während Phasen sehr schnellen Wachstums bis zum Alter von 2 Jahren wichtig. Eine Unterversorgung im Säuglings- und Kleinkindesalter kann langfristige Folgen für Schulkinder - wie eingeschränkte Merkfähigkeit, geringere mathematische Fähigkeiten, verminderte kognitive Entwicklung -haben.", so Ass. Prof. Dr. Nadja Haiden, von der Medizinischen Universität Wien.

10 wichtige und praktische Tipps zur Verbesserung der Nährstoffzufuhr im Kleinkindalter

  • Leitungswasser ist das Getränk erster Wahl.
  • Maximal an 3 Tagen pro Woche Fleisch oder Wurst.
  • 1 - 2 x wöchentlich Fisch (fettarm zubereitet) und/oder Zuchtpilze.
  • 3 Milchportionen pro Tag, vorzugsweise kindgerecht eiweißreduzierte und eisenangereicherte Milch.
  • Täglich folsäurereiche Gemüsesorten (z. B. Erbsen, Brokkoli, Spinat) sowie Vollkornprodukte.
  • Geriebene Nüsse oder Samen z. B. ins Müsli schließen Nährstofflücken.
  • 1 x wöchentlich Hülsenfrüchte als Basis einer warmen Hauptmahlzeit.
  • Mindestens 1-2 Eier pro Woche, bei vegetarisch ernährten Kindern sogar mehr.
  • Raps-, Sonnenblumen- oder Maiskeimöl zum Kochen und für Salat verwenden.
  • Salzreiche Lebensmittel selten und in bewusst kleinen Mengen.

Rückfragen & Kontakt:

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und vollständiges Expertenpapier anzufordern bei:
Expertenkreis Kleinkindernährung, c/o essenziell Ernährungskommunikation
Mag. Eva Unterberger, eva.unterberger@essenziell.at, 0699/15455962

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