- 27.04.2011, 10:45:43
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Patienten in Not - Landmedizin in Gefahr
Hausapothekensterben kann Probleme bei der Medikamentenversorgung und in weiterer Folge Besetzungsprobleme bei Kassenstellen erzeugen
Wien (OTS) - Überall wo Hausapotheken zugesperrt werden müssen,
regt sich der Widerstand der betroffenen Bevölkerung. In den
vergangenen Monaten hat sich dieses Szenario in einigen Gemeinden
Niederösterreichs abgespielt. Zahlreiche weitere Gemeinden sind -
wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert - in Zukunft vom Aussterben
der Versorgung mit Medikamenten in ihren Orten betroffen.
"Eine jüngst durchgeführte Umfrage über die Versorgungssituation
mit Medikamenten nach dem Schließen von Hausapotheken zeigt ein
deutliches Bild", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ
Ärztekammer im Rahmen einer Pressekonferenz. "98 Prozent der
befragten Patientinnen und Patienten berichten von
Versorgungsproblemen durch die öffentliche Apotheke, welche beim
früheren Hausapothekenbetrieb nicht vorhanden waren. 40,4 Prozent
gaben Probleme bei Hausbesuchen an, 49,5 Prozent der Patientinnen und
Patienten hatten Probleme durch mangelhafte Apothekendienstzeiten."
79,8 Prozent der Patientinnen und Patienten mussten Mehrfachbesuche
in Kauf nehmen, weil die benötigten Medikamente nicht lagernd waren.
"Das bereitet der Bevölkerung enorme Probleme und verzögert den
Heilungsverlauf", so Präsident Dr. Reisner.
Versorgungsprobleme sind vorprogrammiert
Diese Problematik hat laut Dr. Gerhard Imb, Hausapothekenreferent
der NÖ Ärztekammer ihre Konsequenzen. "Patientinnen und Patienten
sind leidende Menschen, die so schnell und so einfach wie möglich zu
ihrer ärztlichen Versorgung sowie zur Versorgung mit Medikamenten
kommen müssen. Die offenbar vorhandenen Versorgungsschwierigkeiten
ohne ärztliche Hausapotheke führen dazu, dass sich ein Teil der
Patientinnen und Patienten in Bezug auf die Behandlung nach Wegfall
der Hausapotheke anders orientiert. Wer kann, der fährt. Und zwar zu
Ärztinnen und Ärzten in der Umgebung, welche die ideale
Versorgungsform mit Medikamenten auf dem Land, nämlich die ärztliche
Hausapotheke besitzen."
Dies führt laut Dr. Imb dazu, dass die landärztlichen Ordinationen
ohne Hausapotheke im Normalfall ein Abwandern von Patientinnen und
Patienten hinnehmen müssen. "Viele von ihnen haben jedoch schon mit
Hausapotheke wegen der dünn besiedelten ländlichen Gebiete eher
kleine Ordinationen, die kaum einen rentablen Betrieb zulassen. Ohne
ärztliche Hausapotheke gibt es nun in zahlreichen Fällen keine
ausreichende wirtschaftliche Perspektive für einen potenziellen
Übernehmer. Dadurch werden sich viele Stellen sehr schwierig oder
auch gar nicht nachbesetzen lassen."
Die bestehenden Schutzzonen um öffentliche Apotheken sind
längst nicht mehr zeitgemäß
"Wenn ärztliche Hausapotheken schließen müssen, wird die Situation
für die Bevölkerung stark verschlechtert", so der
Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer Dr. Wolfgang Geppert. "Das
haben immer mehr Gemeinden erkannt und die verantwortlichen
Lokalpolitiker versuchen jetzt verstärkt, diese Probleme selbst
aufzuzeigen und zu lösen. Zahlreiche Gemeinden in Niederösterreich
unterstützen unsere Bemühungen und haben eine Resolution
unterzeichnet."
Die unterzeichneten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister fordern
mit der Resolution die Mandatare aller Parlamentsparteien auf, das
Apothekengesetz möglichst schnell zu novellieren. "Die bestehenden
Schutzzonen um öffentliche Apotheken sind auch aus Sicht dieser
Lokalpolitiker längst nicht mehr zeitgemäß und müssen zugunsten eines
patientenorientierten Nebeneinanders von öffentlichen und ärztlichen
Apotheken weichen", so Dr. Geppert.
Ärztliche Hausapotheken und öffentliche Apotheken in
friedlicher Koexistenz
Präsident Dr. Reisner forderte abschließend eine Änderung der
Gesetzeslage samt Abschaffung der Kilometergrenzen. "Ärztliche
Hausapotheken und öffentliche Apotheken sollten in friedlicher
Koexistenz nebeneinander betrieben werden dürfen. Das wäre aus Sicht
der Patientinnen und Patienten ideal." Ein weiteres Anliegen von ihm
ist das so genannte "kleines Dispensierrecht", also die
Abgabemöglichkeit von Medikamenten in Ordinationen, die vor Ort
direkt angewendet oder verabreicht werden. "Ich appelliere daher zum
wiederholten Male an den Gesetzgeber, bei dieser und auch anderen
gesundheitspolitischen Fragestellungen nicht ausschließlich der Lobby
einzelner Berufsgruppen zu folgen, sondern eine Abwägung unter
Berücksichtigung der medizinischen Sachlage, der
volkswirtschaftlichen Komponenten, der ökologischen Aspekte sowie vor
allem der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zu treffen", so
Präsident Dr. Reisner zum Abschluss.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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