Patienten in Not - Landmedizin in Gefahr

Hausapothekensterben kann Probleme bei der Medikamentenversorgung und in weiterer Folge Besetzungsprobleme bei Kassenstellen erzeugen

Wien (OTS) - Überall wo Hausapotheken zugesperrt werden müssen, regt sich der Widerstand der betroffenen Bevölkerung. In den vergangenen Monaten hat sich dieses Szenario in einigen Gemeinden Niederösterreichs abgespielt. Zahlreiche weitere Gemeinden sind -wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert - in Zukunft vom Aussterben der Versorgung mit Medikamenten in ihren Orten betroffen.
"Eine jüngst durchgeführte Umfrage über die Versorgungssituation mit Medikamenten nach dem Schließen von Hausapotheken zeigt ein deutliches Bild", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer im Rahmen einer Pressekonferenz. "98 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten berichten von Versorgungsproblemen durch die öffentliche Apotheke, welche beim früheren Hausapothekenbetrieb nicht vorhanden waren. 40,4 Prozent gaben Probleme bei Hausbesuchen an, 49,5 Prozent der Patientinnen und Patienten hatten Probleme durch mangelhafte Apothekendienstzeiten." 79,8 Prozent der Patientinnen und Patienten mussten Mehrfachbesuche in Kauf nehmen, weil die benötigten Medikamente nicht lagernd waren. "Das bereitet der Bevölkerung enorme Probleme und verzögert den Heilungsverlauf", so Präsident Dr. Reisner.

Versorgungsprobleme sind vorprogrammiert

Diese Problematik hat laut Dr. Gerhard Imb, Hausapothekenreferent der NÖ Ärztekammer ihre Konsequenzen. "Patientinnen und Patienten sind leidende Menschen, die so schnell und so einfach wie möglich zu ihrer ärztlichen Versorgung sowie zur Versorgung mit Medikamenten kommen müssen. Die offenbar vorhandenen Versorgungsschwierigkeiten ohne ärztliche Hausapotheke führen dazu, dass sich ein Teil der Patientinnen und Patienten in Bezug auf die Behandlung nach Wegfall der Hausapotheke anders orientiert. Wer kann, der fährt. Und zwar zu Ärztinnen und Ärzten in der Umgebung, welche die ideale Versorgungsform mit Medikamenten auf dem Land, nämlich die ärztliche Hausapotheke besitzen."
Dies führt laut Dr. Imb dazu, dass die landärztlichen Ordinationen ohne Hausapotheke im Normalfall ein Abwandern von Patientinnen und Patienten hinnehmen müssen. "Viele von ihnen haben jedoch schon mit Hausapotheke wegen der dünn besiedelten ländlichen Gebiete eher kleine Ordinationen, die kaum einen rentablen Betrieb zulassen. Ohne ärztliche Hausapotheke gibt es nun in zahlreichen Fällen keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive für einen potenziellen Übernehmer. Dadurch werden sich viele Stellen sehr schwierig oder auch gar nicht nachbesetzen lassen."

Die bestehenden Schutzzonen um öffentliche Apotheken sind längst nicht mehr zeitgemäß

"Wenn ärztliche Hausapotheken schließen müssen, wird die Situation für die Bevölkerung stark verschlechtert", so der Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer Dr. Wolfgang Geppert. "Das haben immer mehr Gemeinden erkannt und die verantwortlichen Lokalpolitiker versuchen jetzt verstärkt, diese Probleme selbst aufzuzeigen und zu lösen. Zahlreiche Gemeinden in Niederösterreich unterstützen unsere Bemühungen und haben eine Resolution unterzeichnet."
Die unterzeichneten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister fordern mit der Resolution die Mandatare aller Parlamentsparteien auf, das Apothekengesetz möglichst schnell zu novellieren. "Die bestehenden Schutzzonen um öffentliche Apotheken sind auch aus Sicht dieser Lokalpolitiker längst nicht mehr zeitgemäß und müssen zugunsten eines patientenorientierten Nebeneinanders von öffentlichen und ärztlichen Apotheken weichen", so Dr. Geppert.

Ärztliche Hausapotheken und öffentliche Apotheken in friedlicher Koexistenz

Präsident Dr. Reisner forderte abschließend eine Änderung der Gesetzeslage samt Abschaffung der Kilometergrenzen. "Ärztliche Hausapotheken und öffentliche Apotheken sollten in friedlicher Koexistenz nebeneinander betrieben werden dürfen. Das wäre aus Sicht der Patientinnen und Patienten ideal." Ein weiteres Anliegen von ihm ist das so genannte "kleines Dispensierrecht", also die Abgabemöglichkeit von Medikamenten in Ordinationen, die vor Ort direkt angewendet oder verabreicht werden. "Ich appelliere daher zum wiederholten Male an den Gesetzgeber, bei dieser und auch anderen gesundheitspolitischen Fragestellungen nicht ausschließlich der Lobby einzelner Berufsgruppen zu folgen, sondern eine Abwägung unter Berücksichtigung der medizinischen Sachlage, der volkswirtschaftlichen Komponenten, der ökologischen Aspekte sowie vor allem der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zu treffen", so Präsident Dr. Reisner zum Abschluss.

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