GLOBAL 2000 zu AKW-Stresstests: Kein Stress für die Atomlobby

Vorschlag von "Stresstest-Niki" Berlakovich führt zu fadenscheiniger Selbstüberprüfung der AKW-Betreiber - Jetzt Notbremse ziehen!

Wien (OTS) - Die Durchführungsbestimmungen der von Umweltminister Niki Berlakovich angeregten Stresstests für Atomkraftwerke in der EU wurden - gut versteckt in den Osterfeiertagen - nun veröffentlicht. Zweck der Übung sollte sein, die 146 Atomreaktoren in der EU auf die durch die Fukushima-Katastrophe bewusst gewordenen zusätzlichen Unfallszenarien zu überprüfen. Das Resultat ist mehr als mager, wie auch der von den Medien mittlerweile als "Stresstest-Niki" bezeichnete Umweltminister zugeben muss. Denn die "WENRA Task Force" als Vereinigung der Westeuropäischen Aufsichtsbehörden hat sich auf einen für die Betreiber 'stressfreien' Vorschlag geeinigt: "Bei der Durchführung der Neubewertung ist es dem AKW-Betreiber in Hinblick auf die zeitlichen Beschränkungen erlaubt, sich auf die existierenden Sicherheitsstudien und Experteneinschätzungen zu beschränken." "Das heißt, die bisher vorliegenden Studien und Einschätzungen werden als ohnehin ausreichend angesehen. Damit wird behauptet, dass kein Bedarf für eine neue, anders geartete Überprüfung bestehe. Nur eines ist sicher bei dieser 'Sicherheitsüberprüfung': Die Betreiber können ruhig schlafen. Sie brauchen nichts überprüft, was nicht schon überprüft worden wäre: Die alten Studien können einfach wieder verwendet werden - das ist eine reine Farce!" fasst Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von GLOBAL 2000, die dürftigen Ergebnisse zusammen.

Es muss demnach auch nicht die Beherrschung unterschiedlicher Szenarien wie Erdbeben, Terrorangriff und andere Katastrophen nachgewiesen werden. "Die Ereignisse von Fukushima, die auf eine katastrophale Art zeigen, dass die bisherigen Annahmen - insbesondere für die Erdbebenauslegung und Stromausfallszenarien, bei Wasserstoffexplosionen und Sicherheitsreserven - falsch waren und dass die Sicherheitsaufsicht kriminell fahrlässig gehandhabt wird, verursachen bei den europäischen Behörden offensichtlich keinerlei Umdenken", so Uhrig. So heißt es auch im Vorschlag "Wenn die Erfahrungen des Unfalls in Fukushima auch die Notfallmaßnahmen für den Schutz der Öffentlichkeit betreffen (Feuerwehr, Polizei und Gesundheitsversorgung), ist dies nicht Teil dieser Stresstests." Es werden nur einige Punkte vorgegeben, die vom Betreiber zu beantworten sind, aber ohne Minimalkriterien. Nicht einmal erwähnt werden Probleme wie der Betrieb über die Design-Lebensdauer hinaus, Flugzeugabstürze oder Terrorangriffe. Der Betreiber erläutert einfach, wie er zu seinen Einschätzungen gelangt - schon ist das AKW sicher. "Dieser Vorschlag ist bestürzend. Wir appellieren an Minister Berlakovich und Kanzler Faymann, die Notbremse zu ziehen und diese Hochrisikounternehmung der nuklearen Selbstüberprüfung und Persilschein-Druckerei zu stoppen", fordert Uhrig.

Stresstests führen zu längeren Laufzeiten der Schrottreaktoren

Die Betreiber sollen bis 15. September für ihre Eigenbewertung Zeit haben, dann werden die (nationalen) Aufsichtsbehörden innerhalb von zwei Monaten prüfen, gefolgt von einer Veröffentlichung der Berichte. Erst danach werden nichtnukleare EU-Mitgliedsstaaten einen Einblick bekommen, wenn nämlich ENSREG (Vertreter der Atomaufsichtsbehörden aller EU-27) und die EU-Kommission den Bericht für die Ratssitzung am 9. Dezember 2011 vorbereiten.
"Durch die stresslosen Stresstests wurden den Betreibern weitere neun Monate unbehelligter Betrieb ihrer in vielen Fällen hochriskanten Reaktoren ermöglicht: Nach unseren Schätzungen sind mindestens 67 der 146 Reaktoren in der EU aufgrund ihres Alters, aus Gründen der Seismik und aufgrund des Fehlens eines Containments, das wenigstens temporär den Austritt von massiven Mengen von Radioaktivität stoppen kann, sofort vom Netz zu nehmen. Die verantwortlichen österreichischen PolitikerInnen müssen alles unternehmen, um dieser Farce ein Ende zu bereiten und die von uns kurz nach Fukushima präsentierten wirklichen, unabhängigen Stresstest-Kriterien durchzusetzen", so Uhrig abschließend.

Die von GLOBAL 2000 ausgearbeiteten Stresstest-Kriterien finden sich unter:
www.global2000.at/site/de/wissen/atom/stresstestkriterien/article-str esstest.htm

Link zum WENRA-Vorschlag:
http://www.global2000.at/site/de/nachrichten/atom/stresstest/article-stresstestspezifikation.htm

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