- 27.04.2011, 10:44:14
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GLOBAL 2000 zu AKW-Stresstests: Kein Stress für die Atomlobby
Vorschlag von "Stresstest-Niki" Berlakovich führt zu fadenscheiniger Selbstüberprüfung der AKW-Betreiber - Jetzt Notbremse ziehen!
Wien (OTS) - Die Durchführungsbestimmungen der von Umweltminister
Niki Berlakovich angeregten Stresstests für Atomkraftwerke in der EU
wurden - gut versteckt in den Osterfeiertagen - nun veröffentlicht.
Zweck der Übung sollte sein, die 146 Atomreaktoren in der EU auf die
durch die Fukushima-Katastrophe bewusst gewordenen zusätzlichen
Unfallszenarien zu überprüfen. Das Resultat ist mehr als mager, wie
auch der von den Medien mittlerweile als "Stresstest-Niki"
bezeichnete Umweltminister zugeben muss. Denn die "WENRA Task Force"
als Vereinigung der Westeuropäischen Aufsichtsbehörden hat sich auf
einen für die Betreiber 'stressfreien' Vorschlag geeinigt: "Bei der
Durchführung der Neubewertung ist es dem AKW-Betreiber in Hinblick
auf die zeitlichen Beschränkungen erlaubt, sich auf die existierenden
Sicherheitsstudien und Experteneinschätzungen zu beschränken." "Das
heißt, die bisher vorliegenden Studien und Einschätzungen werden als
ohnehin ausreichend angesehen. Damit wird behauptet, dass kein Bedarf
für eine neue, anders geartete Überprüfung bestehe. Nur eines ist
sicher bei dieser 'Sicherheitsüberprüfung': Die Betreiber können
ruhig schlafen. Sie brauchen nichts überprüft, was nicht schon
überprüft worden wäre: Die alten Studien können einfach wieder
verwendet werden - das ist eine reine Farce!" fasst Reinhard Uhrig,
Anti-Atom-Sprecher von GLOBAL 2000, die dürftigen Ergebnisse
zusammen.
Es muss demnach auch nicht die Beherrschung unterschiedlicher
Szenarien wie Erdbeben, Terrorangriff und andere Katastrophen
nachgewiesen werden. "Die Ereignisse von Fukushima, die auf eine
katastrophale Art zeigen, dass die bisherigen Annahmen - insbesondere
für die Erdbebenauslegung und Stromausfallszenarien, bei
Wasserstoffexplosionen und Sicherheitsreserven - falsch waren und
dass die Sicherheitsaufsicht kriminell fahrlässig gehandhabt wird,
verursachen bei den europäischen Behörden offensichtlich keinerlei
Umdenken", so Uhrig. So heißt es auch im Vorschlag "Wenn die
Erfahrungen des Unfalls in Fukushima auch die Notfallmaßnahmen für
den Schutz der Öffentlichkeit betreffen (Feuerwehr, Polizei und
Gesundheitsversorgung), ist dies nicht Teil dieser Stresstests." Es
werden nur einige Punkte vorgegeben, die vom Betreiber zu beantworten
sind, aber ohne Minimalkriterien. Nicht einmal erwähnt werden
Probleme wie der Betrieb über die Design-Lebensdauer hinaus,
Flugzeugabstürze oder Terrorangriffe. Der Betreiber erläutert
einfach, wie er zu seinen Einschätzungen gelangt - schon ist das AKW
sicher. "Dieser Vorschlag ist bestürzend. Wir appellieren an Minister
Berlakovich und Kanzler Faymann, die Notbremse zu ziehen und diese
Hochrisikounternehmung der nuklearen Selbstüberprüfung und
Persilschein-Druckerei zu stoppen", fordert Uhrig.
Stresstests führen zu längeren Laufzeiten der Schrottreaktoren
Die Betreiber sollen bis 15. September für ihre Eigenbewertung Zeit
haben, dann werden die (nationalen) Aufsichtsbehörden innerhalb von
zwei Monaten prüfen, gefolgt von einer Veröffentlichung der Berichte.
Erst danach werden nichtnukleare EU-Mitgliedsstaaten einen Einblick
bekommen, wenn nämlich ENSREG (Vertreter der Atomaufsichtsbehörden
aller EU-27) und die EU-Kommission den Bericht für die Ratssitzung am
9. Dezember 2011 vorbereiten.
"Durch die stresslosen Stresstests wurden den Betreibern weitere neun
Monate unbehelligter Betrieb ihrer in vielen Fällen hochriskanten
Reaktoren ermöglicht: Nach unseren Schätzungen sind mindestens 67 der
146 Reaktoren in der EU aufgrund ihres Alters, aus Gründen der
Seismik und aufgrund des Fehlens eines Containments, das wenigstens
temporär den Austritt von massiven Mengen von Radioaktivität stoppen
kann, sofort vom Netz zu nehmen. Die verantwortlichen
österreichischen PolitikerInnen müssen alles unternehmen, um dieser
Farce ein Ende zu bereiten und die von uns kurz nach Fukushima
präsentierten wirklichen, unabhängigen Stresstest-Kriterien
durchzusetzen", so Uhrig abschließend.
Die von GLOBAL 2000 ausgearbeiteten Stresstest-Kriterien finden sich
unter:
www.global2000.at/site/de/wissen/atom/stresstestkriterien/article-str
esstest.htm
Link zum WENRA-Vorschlag:
http://www.global2000.at/site/de/nachrichten/atom/stresstest/article-
stresstestspezifikation.htm
Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000
Jens Karg/Simonne Baur
Tel.: +43 699 1 42000 20/ +43 699 1 42000 23
mailto:[email protected]
www.global2000.at
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