Elterninitiative gemeinsame Schule10bis14

Entwicklungspsychologie widerspricht Trennung 10-jähriger Kinder im Schulsystem

Wien (OTS) - Eltern haben, wenn es um die Schule geht, keine
Lobby. Inge Karazman-Morawetz und Rudolf Karazman, Eltern eines Sohnes und Andrea Baidinger, Mutter einer Tochter, sind die Gründer der unabhängigen Initiative "Eltern für eine gemeinsame Schule aller zehn- bis 14-jährigen Kinder". Diese Initiative gibt Eltern im Sinne der Kinder eine Stimme. Das Ziel der Initiative: Bis 2017 soll eine gemeinsame Schule für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren in Österreich etabliert sein. Die Initiative unterstützt das Bildungsvolksbegehren "Österreich darf nicht sitzen bleiben" und setzt sich für die "Gemeinsame Schule aller zehn- bis 14-jährigen" ein.

Ein Blick auf die Entwicklungspsychologie zeigt: Das österreichische Schulsystem zerstört bei Kindern zwischen zehn und 14 Jahren wertvolle Anlagen und Talente. Es orientiert sich an dem sogenannten Musterschüler aus dem 19. Jahrhundert, ignoriert Stärken und Schwächen, vor allem aber Entwicklungsunterschiede. Wer dem starren und vollkommenen Einheitsbreisystem nicht entspricht, wird als Verlierer abgestempelt, hat kaum mehr Chancen, in eine höhere Schule umzusteigen.

Selektion Zehnjähriger völlig ungerechtfertigt

Die Selektion der Zehnjährigen ist völlig ungerechtfertigt und muss endlich ein Ende haben, ist sich das Gründungstrio einig. Rudolf Karazman ist überzeugt: "Die Entwicklungspsychologie von Kindern und Jugendlichen und die Erfahrungen von erfolgreichen Erwachsenen widerspricht in allen Bereichen einer Trennung von Zehnjährigen. Es ist unerklärlich, warum an diesem unfairen Schulsystem so verkrampft festgehalten wird." Andrea Baidinger tritt vor allem für mehr Mitspracherecht ein: "Die Politik hat Eltern erfolgreich in zwei ideologische Lager gespalten. Aber Eltern haben ebenso Erfahrung mit Kindern, sie haben ein Recht darauf, in der Schulsystem-Diskussion zu Wort zu kommen und vor allem ernst genommen zu werden."

Österreichisches Schulsystem grenzt aus

Inge Karazman-Morawetz: "Eine grundlegende Reform ist dringend notwendig. Eine Drei im Zeugnis eines neun Jahre alten Kindes kann entscheidend dafür sein, dass wichtige Berufs- und Entwicklungschancen blockiert sind. Die Mehrheit der Kinder zwischen zehn und 14 ist durch das derzeitige Bildungssystem vom bestmöglichen Bildungsweg ausgeschlossen. Es darf nicht sein, dass in der Mitte der kindlichen und besonders rasanten Entwicklungszeit über Bildungswege und Chancen in der Zukunft entschieden wird." Kinder entwickeln sich gerade in diesen Jahren unterschiedlich schnell. Die einheitlichen Vorgaben von Lerntempo und Anforderungen in der Schule ignorieren Individuen. Es wird keine Rücksicht auf Kinder genommen, die gefördert werden müssen und es fehlt an individuellen Förderungen. Schwächen werden verstärkt, Stärken verkümmern. "Unser Schulsystem produziert Bildungsferne. Das ist pädagogischer Bankrott, was in Österreich betrieben wird", wettert Karazman.

Lernen beeinflusst die Gehirnentwicklung

Die Neun- bis Zwölfjährigen befinden sich in der von der Pädagogik als mittleres Schulalter bezeichneten Phase. "Neben den körperlichen Veränderungen vollzieht sich in der kognitiven Entwicklung ebenfalls ein Übergang: vom empirischen Denken zum theoretischen Denken. Kategorisierungen, die Einteilung von Ober- und Unterklassen, sind im Denken möglich, ebenso Abstrahierungen, das heißt Wahrnehmungen und Denken lösen sich von der konkreten Anschauungsgrundlage", beschreibt die deutsche Pädagogin Helga Joswig. Grundlegende Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie notwendige Konzepte und Denkschemata für das Alltagsleben sind ausgebildet. Entscheidend für die Qualität der Gehirnentwicklung sind die Bedingungen, unter denen das Kind "lernt" bzw. das Gehirn sich entfaltet.

Mit der Fächerspezialisierung in der Schule entwickeln sich zunehmend auch Neigungen und Interessen. Ihr Fähigkeitskonzept ist schon relativ stabil ausgebildet. In der sozialen Entwicklung beginnt der Prozess der Ablösung vom Elternhaus. Es gewinnen Freizeitgruppen mit Gleichaltrigen an Bedeutung. Bezüglich der Lernmotivation ist häufig ein ambivalentes Verhalten zu beobachten: einerseits stabilisieren sich Interessen. Andererseits ist ein "Haltungsverfall" zu verzeichnen, der sich besonders gegenüber schulischen Lernanforderungen zeigt. Aufgehoben wird diese Diskrepanz erst in den nächsten Entwicklungsphasen, wenn Schulabschlüsse und Übergänge in das Berufsleben Bedeutung erlangen.

Ein großer Teil der weiteren Gehirnentwicklung bei Kindern besteht dann darin, die für ihre Lebenswelt nicht relevanten Synapsen abzubauen und die benötigten Bahnen zwischen Neuronen zu intensivieren. Ab dem 10. Lebensjahr gewinnt dann das Prinzip des "Use it or lose it" (Benutze es oder verliere es) eine überragende Bedeutung: Das Gehirn wird optimiert, d.h. diejenigen Synapsen, die häufig gebraucht werden, bleiben erhalten; die anderen werden eliminiert. Ab dem zehnten Lebensjahr fällt das Lernen schwerer -umso wichtiger ist ein motivierendes Umfeld. Je vielfältiger und breiter die in der Kindheit ausgeprägte Struktur des Gehirns ist, umso mehr Bereiche gibt es, in denen der Jugendliche oder Erwachsene Fortschritte machen kann. Die Gehirnentwicklung wird entscheidend durch das Lernen geprägt und beeinflusst.

Internationale Vorbilder für hohes Leistungsniveau

Kinder profitieren von einer gemeinsamen Entwicklung, das belegt eine Vielzahl an Studien. Internationale Vorbilder der gemeinsamen Schule zeigen darüber hinaus eine wesentlich niedrigere Drop-out-Quote und wesentlich bessere Leistungen der Schüler. Gerade das hervorragende Abschneiden Polens im PISA-Test gründet auf einer Schulpflicht bis 18 Jahre.

Unterstützung für "Österreich darf nicht sitzen bleiben"

Die Initiative unterstützt das Bildungsvolksbegehren "Österreich darf nicht sitzen bleiben" und setzt sich für die "Gemeinsame Schule aller zehn- bis 14-jährigen" ein. Die gemeinsame Schule soll von bestmöglicher Qualität sein, über ausreichend Personal und die dafür nötigen Budgetmittel verfügen. Die Lehr- und Fachkräfte müssen Arbeitsbedingungen vorfinden, unter denen sie ihre Aufgaben erfüllen können. Österreich kann sich Bildung leisten, eine gemeinsame Schule kostet nicht mehr. Das Ergebnis werden aber erfolgreiche Erwachsene sein, die alle für sie geeigneten Lern- und Bildungsmöglichkeiten nützen konnten.

Weitere Infos unter: www.schule10bis14.at

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Pressestelle Unabhängige Elterninitiative Schule10bis14
Andrea Baidinger, Telefon 0699 100 76 145

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