- 25.04.2011, 21:48:59
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Grußbotschaft Kardinal Schönborns zum Tschernobyl-Gedenken
Caritasdirektor Landau: Leid, Schmerz und gesundheitliche Schäden der Menschen sind "wahre Katastrophe nach der Katastrophe"
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Wien (OTS) - Wien, 25.04.11 (PEW) Der Wiener Caritasdirektor Msgr.
Michael Landau hat am Montagabend auf dem Wiener Stephansplatz eine
Grußbotschaft von Kardinal Christoph Schönborn an die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung für die Opfer von Tschernobyl
überbracht. Landau erinnerte daran, dass die Folgen der Katastrophe
von Tschernobyl kaum in Worte zu fassen seien. Das Leid, der Schmerz
und die gesundheitlichen Schäden der Menschen seien die wahre
"Katastrophe nach der Katastrophe". Tausende "Liquidatoren" seien auf
Grund ihres Einsatzes gestorben oder würden bis heute an Krebs und
anderen Krankheiten leiden. Mehr als 300.000 Menschen seien nach dem
Unglück in der Ukraine und in Weißrussland umgesiedelt worden. Die
ukrainische Kommission zum Schutz vor Strahlenschäden spreche von
einem Anstieg der Kindersterblichkeit um 20 bis 30 Prozent. Besonders
stark sei die Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in den
verstrahlten Gebieten.
In der Grußbotschaft von Kardinal Schönborn wird daran erinnert, dass
die Katastrophe von Fukushima, "deren ganzes Ausmaß noch unklar ist",
dem Gedenken an die Opfer der Katastrophe von Tschernobyl eine
dramatische Aktualität verleihe. Wörtlich hieß es in der
Grußbotschaft des Wiener Erzbischofs: "So wie hier auf dem
Stephansplatz sind auch in vielen anderen europäischen Städten die
Menschen versammelt, um der Folgen jenes tragischen Augenblicks zu
gedenken, als am 26. April 1986 um 1 Uhr 23 ein technisches
Experiment im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zur nicht mehr
beherrschbaren Katastrophe führte. So wie auf den Plätzen in anderen
europäischen Städten sind auch hier auf dem Stephansplatz Menschen
ganz unterschiedlicher politischer, religiöser, weltanschaulicher
Überzeugung, ganz verschiedener nationaler Herkunft und
unterschiedlichen Alters versammelt. Über alle Unterschiede hinweg
eint sie die Sorge um die Bewahrung einer lebens- und
menschenfreundlichen Welt".
In den letzten Wochen habe es eine Fülle von Medienberichten über die
Situation in der geräumten Todeszone um Tschernobyl gegeben. Dort sei
kein normales menschliches Leben mehr möglich. Schönborn: "Experten
sagen uns, dass dieser Zustand mehr als 200.000 Jahre anhalten
könnte. Zu den besonders zu Herzen gehenden Bildern aus der einstigen
\x{2588}Atomstadt\x{2588} Prypjat zählt das Kinderspielzeug, das bei der
Evakuierung der Stadt in den verlassenen Wohnungen liegen geblieben
ist. Deutlicher als vieles andere vermitteln diese Bilder die
Botschaft: Hier ist keine Zukunft mehr möglich. Es ist zu vermuten,
dass es diese Bilder bald auch aus der geräumten Zone um Fukushima
geben wird".
Bei der Frage nach den Opfern gehe es nicht nur um die Todesopfer,
sondern um die vielen Menschen, deren Lebenszeit, deren Gesundheit,
deren Glück gefährdet oder zerstört wurde. Die Experten seien sich
nicht einig: "Aber die Zeugnisse der Betroffenen sagen deutlicher als
alle Statistiken, dass hier die zerbrechliche Welt des Menschen aufs
Spiel gesetzt worden ist".
Die österreichischen katholischen Bischöfe hätten sich bei ihrer
letzten Frühjahrsvollversammlung mit den Folgen der Atomkatastrophen
von Tschernobyl und Fukushima auseinandergesetzt und als Beitrag zur
gesellschaftlichen Meinungsbildung eine Erklärung veröffentlicht,
erinnerte Kardinal Schönborn: "In Österreich und in ganz Europa
erinnert die gegenwärtige atomare Bedrohung an die Katastrophe von
Tschernobyl vor 25 Jahren. Noch heute sind die Folgen davon spürbar
und die Leiden der \x{2588}Kinder von Tschernobyl\x{2588} machen deutlich, wie sehr
nachkommende Generationen davon betroffen sind. Die Katastrophe von
Fukushima zeigt erneut auf, dass die Atomtechnologie eine
Hochrisikotechnologie mit großen Gefahren für die heute Lebenden und
für nachfolgende Generationen ist. Mit Blick auf ein ethisch
verantwortbares Handeln für die Gegenwart und die nachkommenden
Generationen ist ein ernsthaftes Überdenken der bisherigen
Energiepolitik geboten. Gleichzeitig sind ein Umdenken und konkrete
Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher und erneuerbarer
Energieformen notwendig.
Christen sind aus ihrem Glauben dankbar für die anvertraute Schöpfung
Gottes, mit der sie nachhaltig umgehen müssen und für die sie
verantwortlich sind. Der enorme Energieverbrauch gerade in unserer
Wohlstandsgesellschaft erfordert daher auch eine Änderung unseres
verschwenderischen Lebensstils. Der Mensch darf die Schöpfung nicht
ausbeuten. Eine Änderung unseres Lebensstils wird nur dann gelingen,
wenn sie auch mit Verzicht verbunden ist. Ein Abschied vom \x{2588}immer
mehr\x{2588} ist nicht nur der Verantwortung für die nachfolgenden
Generationen geschuldet, er ist letztlich mit einem Gewinn an
Lebensqualität und Lebenschancen für alle verbunden.
Alle gesellschaftlichen Kräfte müssen zusammenwirken, dass wir den
Weg des maßlosen Energieverbrauchs verlassen und Alternativen finden.
Das betrifft die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft
genauso wie jeden einzelnen. Die Kirche in Österreich will mit ihren
Möglichkeiten dazu beitragen".
Er bete darum, dass "gemeinsam ethisch verantwortbare Arten des
Umgangs mit den Ressourcen der Natur" gefunden werden, "ohne unsere
Lebenswelt zu gefährden", hieß es abschließend in der von Msgr.
Landau verlesenen Botschaft des Wiener Erzbischofs.
Carits Wien eröffnet Hospizprojekt in der Ukraine
Die Caritas der Erzdiözese Wien hat im Hinblick auf das
25-Jahr-Gedenken der Katastrophe von Tschernobyl ein Hospizprojekt in
der Ukraine gestartet. "Speziell die Situation der Sterbenskranken
ist dramatisch", berichtete Caritas-Mitarbeiterin Gudrun Gusel, die
vor kurzem in der Ukraine war, am Ostermontag. "Die Hospizarbeit in
der Ukraine steckt noch in den Kinderschuhen. Es mangelt derzeit an
fast allem: finanzielle Mittel sind kaum vorhanden, Pflegebehelfe
fehlen oft, Medikamente sind Mangelware oder nicht leistbar, und es
gibt viel zu wenig Personal. Dennoch versuchen unsere Kolleginnen und
Kollegen mit viel Einsatz, Herz und Engagement ihr Möglichstes, um
den schwerstkranken Menschen einen Lebensabend in Würde zu
ermöglichen", so Gudrun Gusel.
"Um die Not und das Elend der Menschen etwas lindern zu können, bauen
wir jetzt die Hospizarbeit in der Ukraine massiv aus. Aktuell
entstehen in zwei Städten der Ukraine mobile Hospiz-Angebote für
vorwiegend ältere und krebskranke Menschen", berichtete Msgr. Landau.
Insgesamt werden 1.500 Menschen im Rahmen des von der EU geförderten
Projektes in ihrer letzten Lebensphase mit palliativmedizinischer
Pflege betreut und von Sozialarbeitern und Seelsorgern begleitet. Die
Caritas benötigt aber für das neue Hospizprojekt dringend auch
Spenden. Landau: "Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, damit wir
diese sterbenskranken Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten
können". (Infos: Klaus Schwertner, Tel.: 01/878 12-221 oder 0664/848
26 18, E-Mail: [email protected]; Spenden: Kto. Nr.
RBI 404.050.050, BLZ: 31.000, Kennwort: Tschernobyl). (ende)
Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 0664/515 52 69
E-Mail: 0664/515 52 69
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