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"Kleine Zeitung" Kommentar: "An der Zapfsäule wird die Freiheit zur Ohnmacht" (Von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 22.4.2011
Graz (OTS) - Wenn die Spritpreise zu Ostern hart an der
1,50-Euro-Grenze kratzen, dann ist Aufregung angesagt unter uns
Verbrauchern. Der Zorn richtet sich gegen die Ölkonzerne: Sie nützen
ihr Monopol und unsere Mobilitätswünsche für ein rasches Körberlgeld
an der Zapfsäule. Das ist zwar Markt, aber (genau deshalb) nicht
fair.
Dass die Empfindlichkeit beim Benzinpreis so hoch ist, wundert nicht.
Denn wir sind (oder fühlen uns) aufs Auto angewiesen. Zwar füllt zu
Ostern vor allem Freizeitverkehr die Straßen - wir müssen also in
diesem Fall nicht fahren, sondern wir wollen es. Aber die
Freizeitwirtschaft basiert, wie die gesamte Gesellschaft, auf der
selbstverständlichen Erwartung unbegrenzt verfügbarer Mobilität.
Wird sie dem Einzelnen genommen oder durch Preissprünge erschwert,
fühlt der Autofahrer plötzlich nicht mehr Freiheit, sondern Ohnmacht.
Diese Ohnmacht ist schmerzhaft, weil wir ahnen, dass sie in Zukunft
vielfach wiederkehren wird. Je mehr die Wirtschaft brummt, desto mehr
Öl benötigt sie, umso knapper und teurer wird der schwarze Saft.
Preisrückgänge, das hat die Wirtschaftskrise gezeigt, gibt es künftig
nur noch in Krisenzeiten.
Hinter unseren kurzatmigen Reflexen steht eine unangenehme Wahrheit:
Öl bedeutet zwar Wohlstand, aber Wohlstand in diesem klassischen Sinn
gibt es auf der Erde nur begrenzt. Schon heute werden bei der
Ölförderung Menschenrechte verletzt und Umweltressourcen in
gigantischem Ausmaß zerstört. Man muss einen Liter Öl verbrauchen, um
zwei Liter Öl zu fördern. Ein Lebensstil, der zwingend 20.000 und
mehr Autokilometer pro Jahr einschließt, ist jedenfalls eine
Anmaßung, weil nur ein geringer Teil der Menschheit so aufwendig
leben kann.
Sollen wir uns also billiges Öl wünschen? Vielleicht sollten wir uns
angewöhnen, die Antwort auf diese Frage nicht eindimensional zu
geben. Wünschenswert ist immer ein möglichst sinnvoller, zweckmäßiger
Einsatz von Ressourcen, der möglichst vielen Menschen ein gutes Leben
ermöglicht.
Die hohen Spritpreise könnten uns zur Frage führen, wie wir uns aus
den selbst geschaffenen Öl-Zwängen halbwegs schonend befreien. Die
Österreicher verbrauchen heute doppelt so viel Sprit wie vor 25
Jahren. Sie lieben dicke Autos, Kurzreisen, Fernreisen und siedeln
gerne im Freiland. Nicht alles ist leicht veränderbar. Aber wenn wir
unser Leben und unsere Ziele kritisch durchleuchten, kann aus den
Spritpreisen noch ein echtes Osterthema werden.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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