• 20.04.2011, 08:01:06
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GLOBAL 2000: Japanische Behörden verharmlosen die Auswirkungen von Fukushima

UmweltschützerInnen warnen: In 20 km Entfernung entspricht die Belastung einmal Röntgen alle zwei Stunden - Cäsium-Belastung führt zu Strahlenverseuchung für 300 Jahre

Wien (OTS) - Würden Sie ihr Kind mehrmals am Tag Lungenröntgen
lassen? Alle zwei Stunden? Das ist der Wert, der sich am 19. April
für das Dorf Akougi Kunugidaira der Gemeinde Namie ergibt, die knapp
20 Kilometer vom Atomkomplex Fukushima mit den drei explodierten
Reaktoren und dem ebenfalls explodierten Brennelementebecken von
Block 4 entfernt liegt: 47 Mikrosievert pro Stunde. Auch jenseits der
30 Kilometer-Zone, die jetzt evakuiert werden soll, im Dorf Akougi
Teshichiro der Gemeinde Namie, liegt der Wert immer noch bei 21,8
Mikrosievert pro Stunde. Das entspricht einem Lungenröntgen alle
viereinhalb Stunden. Selbst die 60 Kilometer entfernte Stadt
Fukushima wird immer noch mit einem Mikrosievert pro Stunde belastet
- alle vier Tage und vier Stunden ein Lungenröntgen. Diese Zahlen
präsentiert die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 um über die
Verharmlosung durch die japanischen Behörden aufzuklären. Die
Umgebung von Fukushima wird weiterhin stark durch Cäsium 137 belastet
und man ist noch weit davon entfernt, die Reaktoren unter Kontrolle
zu bringen. "Die japanischen Behörden spielen das Ausmaß, das die
Katastrophe schon heute erreicht hat, herunter. Cäsium 137 hat eine
Halbwertszeit von 30 Jahren und gilt erst nach zehn Halbwertszeiten
oder 300 Jahren als unbedenklich. Auf Gemüse im 45 Kilometer
entfernten Ort Kawamata wurde am 14. April eine Cäsiumbelastung von
180.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen - die EU schreibt als
Grenzwert 600 Becquerel pro Kilogramm vor. Das sind Zahlen die uns
Sorgen machen! Leider ist die Freisetzung von radioaktiven Substanzen
noch lange nicht vorbei", so Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL
2000.

Cäsium - Strahlendes Erbe bis ins Jahr 2311
"Wie sich in den fünf Wochen seit Beginn der Fukushima-Katastrophe
gezeigt hat, verharmlosen die japanischen Behörden das Ausmaß der
Freisetzung. Immer wieder wird die Behauptung unhinterfragt
übernommen, dass die Belastung 'unbedenklich für die Gesundheit' sei.
Der medizinische Konsens spätestens seit der Tschernobyl-Katastrophe
ist, dass es keine 'sichere' Strahlenbelastung gibt - die 'Linear
No-Threshold Hypothesis' besagt, dass jede zusätzliche
Strahlenbelastung zu vermeiden ist, da sie immer das Potential hat,
krank zu machen", informiert Uhrig.

Schilddrüsenkrebs durch fehlende Jodgabe zu erwarten
Auch die Konzentration von radioaktivem Jod 131 in Luft, Boden und
Wasser der weiteren Umgebung des explodierten Atomkomplexes führt zu
massiven gesundheitlichen Auswirkungen. Radioaktives Jod mit der
relativ kurzen Halbwertszeit von 8,4 Tagen ist eigentlich nach 84
Tagen so weit abgeklungen, dass es radioaktiv unbedenklich ist. In
der Aktivitätszeit lagert es sich in den Schilddrüsen ein, was
insbesondere bei Kindern und Jugendlichen zu massivsten Schädigungen
und statistisch gesehen einem starken Anstieg an
Schilddrüsenkrebsfällen führt. "Durch das GLOBAL 2000
Tschernobyl-Kinder-Hilfsprojekt wissen wir sehr konkret über das
Leiden, das die Reaktorkatastrophe in der Ukraine erzeugt hat,
bescheid. Wenn bei der massiven Freisetzung von radioaktivem Jod
nicht rechtzeitig Kaliumjodid-Tabletten eingenommen werden, kommt es
unweigerlich zur Einlagerung des radioaktiven Jods und damit zu
Krankheitsfällen. Die japanischen Behörden haben nur den Evakuierten
der 20-Kilometer-Zone Jodtabletten gegeben, dies ist grob fahrlässig
und wird viele Krebserkrankungen gerade unter den jetzt jungen
Menschen hervorrufen", so Uhrig.
Nach dem Abpumpen von radioaktiv belastetem Wasser ins Meer vor
Fukushima waren die Jod-Werte in den letzten Tagen wieder stark
angestiegen.

Herunterrechnen, Behübschen und Verharmlosen - Atomlobby am
Werk
Die Betreiberfirma Tepco, die japanischen Behörden, aber auch die
Internationale Atomenergiebehörde in Wien entwickeln erstaunliche
Kreativität, wenn es um die positivere Darstellung von
Schreckensnachrichten geht: Anstatt die üblichen Einheiten wie z. B.
Becquerel pro Quadratmeter (Bq/m2) zu verwenden, finden sich
plötzlich Angaben in Megabecquerel, die auf den ersten Blick gering
erscheinen - jedoch um den Faktor eine Million multipliziert werden
müssen, um auf vergleichbare Zahlen zu kommen. Die Betreiberfirma
Tepco rechnet statt mit der üblichen Angaben von Becquerel pro Liter
(Bq/l) in Becquerel pro Kubikzentimeter (Bq/cm3) - diese Daten müssen
um den Faktor 1.000 multipliziert werden, um vergleichbar zu sein.

Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000
Jens Karg/Simonne Baur
Tel.: +43 699 1 42000 20/ +43 699 1 42000 23
mailto:[email protected]
www.global2000.at

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