• 19.04.2011, 15:20:50
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Wlodkowski: Der heimische Wald gehört vernünftig und sinnvoll genutzt

Woche der Landwirtschaft stellt Multifunktionalität in den Vordergrund

Wien (OTS) - Der Wald ist Rohstoffproduzent, Energielieferant, er
bringt den Menschen aber auch Erholung, sauberes Wasser, reine Luft
und besonders in alpinen Gebieten Schutz vor Naturgefahren. Diese
Multifunktionalität kann aller-dings nur durch eine aktive
Bewirtschaftung gewährleistet werden. "Wer den Wald unter einen
Glassturz stellen und ihn nur zum CO2-Speicher degradieren will,
gefähr-det die Vielfalt dieser Wirkungen", erklärten LK
Österreich-Präsident Gerhard Wlodkowski und Rudolf Rosenstatter,
Obmann des Waldverbandes Österreich. Um auf diese vielfältigen
Funktionen des Waldes aufmerksam zu machen, wird dieser in den
Mittelpunkt der diesjährigen "Woche der Landwirtschaft" gestellt, die
von 02. bis 08.05. in allen Bundesländern stattfindet.

Wie die jüngste Waldinventur zeigt, steigt die Waldfläche
kontinuierlich an, aktuell sind es 3,99 Mio. ha oder 47,6%
Österreichs. Zwischen 1961 und 1970 waren knapp 44% der Staatsfläche
bewaldet. 2012 wird es voraussichtlich 4 Mio. ha Wald geben. Auch der
Holzvorrat hat ein Rekordniveau von 1,13 Mrd. Vorratsfestmetern (vfm)
erreicht, obwohl die Nutzung intensiviert wurde. "Aus
forstwirtschaftlicher Sicht soll-ten 20 bis 30% davon in den nächsten
Jahren aktiviert werden, um neuen Bäumen eine Chance auf Wachstum zu
geben und den Bestand dadurch zu erneuern. Damit stehen ausreichend
Potenziale für die stoffliche und energetische Nutzung von Holz zur
Ver-fügung", sprach sich Wlodkowski gegen weitere Einschränkungen der
Nutzung aus, "die der Gesellschaft den erneuerbaren Rohstoff Holz
entziehen". Aktuell sind 25% des heimischen Waldes (1 Mio. ha)
naturschutzrechtlich ausgewiesene Schutzgebiete. Das Ziel der
Waldbesitzer sei eine "nachhaltige, vernünftige, sinnvolle und
zielführen-de Nutzung" und diese bedeute nicht Raubbau, sondern
Erhalt und Förderung des Waldes, unterstrich Wlodkowski.

Holz ist der Rohstoff der Zukunft

Holz trägt wesentlich dazu bei, den Energiebedarf der
österreichischen Volkswirt-schaft zu decken, wie rund 1.500 Heizwerke
zeigen, die im ganzen Bundesgebiet die Nahwärmeversorgung sichern.
Darüber hinaus setzen 1,4 Mio. Haushalte (38%) auf Pellets, Briketts
und Scheitholz. Insgesamt nutzen 45% der Bevölkerung Holz als
Energieträger (Statistik Austria, Mikrozensus Energieeinsatz der
Haushalte 2007/08). Im Hinblick auf die österreichische Klimabilanz
sei die Förderung des Ölkesseltau-sches daher "absurd", meint der
LK-Präsident. Er fordert stattdessen die verstärkte Subventionierung
von Holzkesseln und appelliert an alle Verantwortlichen, mit dem nun
in Verhandlung stehenden Ökostromgesetz einen ersten mutigen Schritt
für eine umfassende Energiewende zu setzen.

Die Verwendung von Holz ist zudem ein aktiver Beitrag zum
Klimaschutz. Denn 1 m3 Holz speichert 1 t CO2. Und weil durch den
Baustoff Holz andere Werkstoffe wie Be-ton oder Stahl ersetzt werden,
wird eine weitere Tonne CO2 eingespart, die man für deren Erzeugung
benötigt hätte. Daher biete sich Holz besonders bei öffentlichen
Bau-aufträgen an, so Wlodkowski. In der Landwirtschaft wird dieser
Werkstoff hauptsäch-lich für Wirtschafts- und Stallgebäude
eingesetzt, die mit einem eigenen Preis, dem ÖKL-Baupreis,
auszeichnet werden.

Holz als Baustoff und seine anschließende Weiterverwertung

Auch im privaten Wohnbau gewinnt Holz immer mehr an Bedeutung. Im
kommunalen hingegen bestünde noch Potenzial. "In der heutigen Wiener
Bausubstanz stecken 4 Mio t. Holz - hauptsächlich in Dächern und
Decken", weiß Univ.-Prof. Wolfgang Winter vom Institut für
Architekturwissenschaften, Tragwerksplanung und Ingenieur-holzbau von
der Technischen Universität Wien, der den Einsatz von Holz im
mehrge-schossigen Wohnbau (ab fünf Geschossen) erforscht. Mit den 5
bis 6 Mio. Festmetern Holzreserven allein im bäuerlichen Kleinwald
(weniger als 200 ha) könnten öster-reichweit alle Gebäude in den
kommenden fünf Jahren errichtet werden, so der Fach-mann. Allerdings
schränke die geltende Bauordnung Holzbauten auf maximal vier
Ge-schosse ein. Lediglich ein Gleichwertigkeitsparagraph ermögliche
einen größeren Holzmischbau. "In Wien werden derzeit erst 5% des
sozialen Neubaus in dieser Mischbauweise errichtet, während Schweden
16% seiner mehr als 4-geschossigen Ge-bäude aus energie- und
CO2-neutralem Holz baut", so Winter. Durch die Möglichkeit der
energetischen Nutzung des Bauholzes nach dem Gebäudeabriss sei eine
weitere Verwertungsmöglichkeit gegeben. Das Ziel müsse daher sein,
"die Holzreserven so zu nutzen, wie sie den höchsten Wert darstellen
- also in der Bauwirtschaft - und sie nach dem Abriss zu verheizen",
erklärte der Experte.

Der Wald als Arbeitsplatz und Wirtschaftsfaktor

Der österreichische Wald übt aber nicht nur die bereits genannten
Funktionen für die Gesellschaft aus. Er ist auch bedeutender
Wirtschaftsfaktor, der Produktionswert in der gesamten
Wertschöpfungskette macht jährlich rund EUR 10 Mrd. aus. "Für 280.000
Menschen bedeutet er darüberhinaus einen sicheren Job - 10 fm Holz
sind ein nachhal-tiger Arbeitsplatz. Und für seine Besitzer ist er
sogar Lebensinhalt", so Waldverbands-Obmann Rosenstatter. Auf 54% der
heimischen Waldfläche (2,15 Mio. ha) wird die nachhaltige
Bewirtschaftung von 170.000 sogenannten Kleinwaldbesitzern (unter 200
ha) wahrgenommen. Rund 60.000 haben sich in
Waldwirtschaftsgemeinschaften und Waldverbänden zusammengeschlossen,
um die zahlreichen Klein- und Kleinstmengen von bereitgestelltem Holz
gebündelt anbieten zu können.

Wer macht mir meinen Wald?

An jene, die in der Stadt wohnen und kaum oder keinen Bezug zur
Forstwirtschaft ha-ben, richtet sich die kürzlich abgeschlossene
Medienkampagne "Quizfrage für Wald-besitzer", ein Pilotprojekt von
proHolz Austria und der Kooperationsplattform Forst Holz Papier
(FHP), mit der auf die Bedeutung der aktiven und nachhaltigen
Waldpfle-ge und -bewirtschaftung aufmerksam gemacht und zur Pflege
der Wälder motiviert wurde. Diesen "hoffernen" Waldbesitzern bieten
die Waldverbände ein umfassendes Dienstleistungsangebot von der
Beratung bis zur Organisation der Waldpflege und Holzernte an. "Ein
gepflegter, struktur- und artenreicher Bestand ist ein stabiler Wald,
der mit den sich ändernden Klimabedingungen besser zurande kommt als
einer, der sich selbst überlassen wird. Unser Ziel ist es, gemeinsam
den Holzstandort Österreich abzusichern und auch die Jugend dafür zu
begeistern, damit dieses Potenzial vernünf-tig genutzt wird und das
hierzulande ausgeprägte Holzwissen für kommende Generationen erhalten
wird", so Rosenstatter.
(Schluss) wol

Rückfragehinweis:
Landwirtschaftskammer Österreich
Dr. Josef Siffert
Tel.: +43/1/53441-8520
mailto: [email protected]
www.lk-oe.at

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