- 18.04.2011, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Manche Niederlagen sind fast wie ein Sieg - von Hans-Jörg Bruckberger
Im Grunde zeugen die jüngsten Börse-Flops von Reife
Wien (OTS) - Menschen ändern sich nicht - und sie scheinen auch
nur sehr bedingt, wenn überhaupt, dazuzulernen. Zu dieser - zugegeben
nicht gerade positiven - Erkenntnis gelangt man immer wieder; auch
und gerade, wenn man sich mit den Finanzmärkten beschäftigt. Kaum
haben wir die Krise halbwegs überwunden, blähen sich da und dort
bereits neue Spekulationsblasen auf. Die Chinesen wiederum tappen am
Weg zu mehr Wohlstand in genau die gleichen Fallen, in die der Westen
einst gestiegen ist. Sie verschmutzen ihre Umwelt und ernähren sich
immer ungesünder. In vier Jahren wird es laut Studien 200 Millionen
übergewichtige Chinesen geben - und entsprechend viele Herzinfarkte,
Zuckerkranke etc. Das wiederum befeuert die Kurse von Spezialisten
wie dem dänischen Insulin-Marktführer Novo Nordisk, den wir vor
Kurzem im WirtschaftsBlatt analysiert haben. So schön diese Story für
Anleger auch ist, so ist sie im Grunde doch traurig.
Genau hier kommen die jüngsten Flops am Wiener Kapitalmarkt ins
Spiel. Mit denen verhält es sich nämlich genau umgekehrt:
Vordergründig sehr traurig, kann man den vermeintlichen Bad News von
gescheiterten Transaktionen sehr wohl auch Positives abgewinnen.
Insofern nämlich, als das Anlegervolk dann doch dazugelernt zu haben
scheint. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihm so gut wie alles
"angedreht" wurde. Wir erinnern uns: In der Boomzeit vor der
Finanzkrise konnten Unternehmen wie die Meinl-Ableger MAI und MIP ja
sogar mit nicht mehr als einer Idee IPOs durchziehen - und Erstere
eine Zeitlang erfolgreich an der Börse reüssieren. Heute werden
selbst die Börsegänge von so handfesten und durchaus erfolgreichen
Industrieunternehmen wie Amag oder Isovoltaic kritisch beäugt - und
störende Nebengeräusche wie zuvor erfolgte Ausschüttungen an
Altaktionäre oder schlicht deren ambitionierte Preisvorstellung
bestraft. Das Amag-IPO konnte nur mit Bankenhilfe durchgeboxt werden,
Isovoltaic gar nicht. Und jetzt ist auch noch die Kapitalerhöhung der
Sanochemia (die litt sicher unter dem negativen Sentiment beim
Branchenverwandten Intercell, hat aber auch selbst nicht gerade eine
glorreiche Börsenhistorie hinter sich) gefloppt.
Ein Armutszeugnis für den Kapitalmarkt und die verantwortlichen
Banken? Sicherlich. Wir sind die ersten, die an einem florierenden
Markt Freude haben und bekanntlich die letzten, die vor kritischen
Kommentaren zurückschrecken. An dieser Stelle wollen aber auch wir
uns ändern und die Sache sogar positiv sehen: Letztendlich zeugt es
doch auch von Reife, wenn ein Markt nicht alles schluckt.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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