"Kleine Zeitung" Kommentar: "Strache könnte schaffen, was Haider nie gelang" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 11.04.2011

Graz (OTS) - Hilfe! Oh nein! Oh Gott! Was sollen wir jetzt nur machen? - Nichts von dem hörte man, nachdem der Meinungsforscher Peter Hajek Anfang des Monats verkündet hatte: Laut seiner Umfrage liegt die FPÖ auf Platz eins; Parteichef Heinz Christian Strache in der Kanzlerfrage an zweiter Stelle. Die politischen Gegner und die Medien verschließen alle Hühneraugen vor dem Gedanken, dass die FPÖ nach der Nationalratswahl 2013 große Chancen hat, in die Bundesregierung einzuziehen; Strache würde Vizekanzler, wenn nicht gar Kanzler.

Amtsinhaber Werner Faymann darf man glauben, wenn er sagt: Niemals nie mit der FPÖ! Nach einer verlorenen Wahl hätte er in der SPÖ aber vielleicht nicht mehr viel zu reden. ÖVP macht sowieso kein Hehl daraus, dass sie mit Schwarz-Blau wieder gut leben könnte. Anders als 2000 bei Jörg Haider spricht heute niemand davon, dass die FPÖ zwar regieren dürfe, nicht aber Strache. Dabei agierte er in seiner Jugend einschlägiger als sein Vorgänger, nahm an Wehrsportübungen teil, begegnete bekannten Neonazis. Anders als Haider umgibt sich Strache nicht mit feschen Buben und liberalen Frauen, müsste allein mangels Alternativen rechte Recken zu Ministern machen.

Wer unterschätzt wird, macht leichter Karriere, weil sich niemand die Mühe gemacht hat, ihn aufzuhalten. Unter Haider lag die FPÖ in Umfragen erst Ende 1999 an erster Stelle, als die rot-schwarzen Verhandlungen scheiterten. Und wen wünschen Sie sich im Kanzleramt? Auf diese Frage nannte stets nur wenige Haider, nie war er der Zweitbeliebteste. Dabei galt Haider nicht erst posthum als ungleich charismatischer, klüger, wendiger, intellektueller als Strache - und deshalb eben als gefährlicher.

Die Medien, wir "Haider-Macher", haben gelernt: Strache wird nicht dämonisiert, er wird nicht einmal ignoriert. Die Kleinkindmethode:
Wenn wir uns alle die Augen zu halten, dann wird sich das komische Ding da schon in Luft auflösen.

Tut es nicht. Straches Gegner arbeiten trotzdem ähnlich. Und lassen sie ihre Funktionäre alleine, die keine Worte haben, wenn sie im Wirtshaus anagitiert werden. Wie sollen sie Protestwähler überzeugen, wenn die Parteisekretäre nie über die Blauen sprechen, die Mitgliederzeitungen ihnen keine Argumente liefern?

Ein anderes Rezept aus den Neunzigern funktioniert jedenfalls auch nicht: Wenige Tage, bevor der Meinungsforscher Hajek die Bürger befragte, hatte die Regierung beschlossen, es wieder einmal zu erschweren, dass Ausländer in Österreich Asyl bekommen.****

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