• 10.04.2011, 19:24:21
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Strache könnte schaffen, was Haider nie gelang" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 11.04.2011

Graz (OTS) - Hilfe! Oh nein! Oh Gott! Was sollen wir jetzt nur
machen? - Nichts von dem hörte man, nachdem der Meinungsforscher
Peter Hajek Anfang des Monats verkündet hatte: Laut seiner Umfrage
liegt die FPÖ auf Platz eins; Parteichef Heinz Christian Strache in
der Kanzlerfrage an zweiter Stelle. Die politischen Gegner und die
Medien verschließen alle Hühneraugen vor dem Gedanken, dass die FPÖ
nach der Nationalratswahl 2013 große Chancen hat, in die
Bundesregierung einzuziehen; Strache würde Vizekanzler, wenn nicht
gar Kanzler.

Amtsinhaber Werner Faymann darf man glauben, wenn er sagt: Niemals
nie mit der FPÖ! Nach einer verlorenen Wahl hätte er in der SPÖ aber
vielleicht nicht mehr viel zu reden. ÖVP macht sowieso kein Hehl
daraus, dass sie mit Schwarz-Blau wieder gut leben könnte. Anders als
2000 bei Jörg Haider spricht heute niemand davon, dass die FPÖ zwar
regieren dürfe, nicht aber Strache. Dabei agierte er in seiner Jugend
einschlägiger als sein Vorgänger, nahm an Wehrsportübungen teil,
begegnete bekannten Neonazis. Anders als Haider umgibt sich Strache
nicht mit feschen Buben und liberalen Frauen, müsste allein mangels
Alternativen rechte Recken zu Ministern machen.

Wer unterschätzt wird, macht leichter Karriere, weil sich niemand die
Mühe gemacht hat, ihn aufzuhalten. Unter Haider lag die FPÖ in
Umfragen erst Ende 1999 an erster Stelle, als die rot-schwarzen
Verhandlungen scheiterten. Und wen wünschen Sie sich im Kanzleramt?
Auf diese Frage nannte stets nur wenige Haider, nie war er der
Zweitbeliebteste. Dabei galt Haider nicht erst posthum als ungleich
charismatischer, klüger, wendiger, intellektueller als Strache - und
deshalb eben als gefährlicher.

Die Medien, wir "Haider-Macher", haben gelernt: Strache wird nicht
dämonisiert, er wird nicht einmal ignoriert. Die Kleinkindmethode:
Wenn wir uns alle die Augen zu halten, dann wird sich das komische
Ding da schon in Luft auflösen.

Tut es nicht. Straches Gegner arbeiten trotzdem ähnlich. Und lassen
sie ihre Funktionäre alleine, die keine Worte haben, wenn sie im
Wirtshaus anagitiert werden. Wie sollen sie Protestwähler überzeugen,
wenn die Parteisekretäre nie über die Blauen sprechen, die
Mitgliederzeitungen ihnen keine Argumente liefern?

Ein anderes Rezept aus den Neunzigern funktioniert jedenfalls auch
nicht: Wenige Tage, bevor der Meinungsforscher Hajek die Bürger
befragte, hatte die Regierung beschlossen, es wieder einmal zu
erschweren, dass Ausländer in Österreich Asyl bekommen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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