WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Portugal fällt. Und die Karawane zieht weiter - von Michael Laczynski

Das vorhandene Geld reicht für die Rettung Portugals locker aus

Wien (OTS) - Die Reaktionen auf die Entscheidung Portugals, unter dem Rettungsschirm der Europäischen Union Schutz zu suchen, zeigen in aller Deutlichkeit, dass in der internationalen Finanzwelt die Dinge ebenso laufen wie im Leben von uns Normalsterblichen: Man gewöhnt sich an alles. Als Griechenland vor gut einem Jahr w.o. gab, herrschte noch blankes Entsetzen. Die Kapitulationserklärung Irlands Ende 2010 sorgte immerhin für substanzielle Unruhe an den Märkten. Und jetzt, nach Portugals Hilferuf? Ein Schulterzucken, mehr nicht. Die Karawane zieht weiter.

Neben dem bereits erwähnten Gewöhnungseffekt gibt es noch drei weitere Gründe für diesen Gleichmut. Zunächst einmal werden die Beträge, die in die Waagschale geworfen werden, immer geringer. Das Loch im griechischen Haushalt musste mit 110 Milliarden Euro gestopft werden. Das Hilfspaket für Dublin belief sich auf 85 Milliarden Euro. Und im jüngsten Fall gehen Experten von einer Summe zwischen 60 und 80 Milliarden Euro aus. Die vorhandenen Mittel reichen dafür locker aus.

Apropos Experten: Was den weiteren Verlauf der Krise in der europäischen Peripherie anbelangt, sind die mit der Materie vertrauten Volkswirte vorsichtig optimistisch. Es scheint fast, als ob Portugal der letzte Knockout sein dürfte. Die Anleihenhändler gehen derzeit davon aus, dass Spanien - der nächste Dominostein -nicht umfallen wird. Stimmt diese These, dann erleben wir gerade den letzten Akt des Schuldendramas.

Der letzte Grund für Zuversicht hat mit dem veränderten internationalen Umfeld zu tun. Die wirkliche Gefahr für die Eurozone war nicht so sehr die Zahlungsunfähigkeit der (wirtschaftlich ohnehin marginalen) Peripherie, sondern eine damit verbundene panikartige Flucht der Investoren aus allen europäischen Assets - egal ob faul oder nicht - und der darauf folgende Kollaps des Währungsraumes.

Doch mittlerweile haben die Anleger realisiert, dass Geldprobleme in Griechenland oder Portugal nicht automatisch den Untergang des Abendlandes einläuten. Und zudem gibt es derzeit viele andere Zerstreuungen: Japan, Nahost, der demokratisch-republikanische Bürgerkrieg im US-Kongress, und so weiter, und so fort. Im Vergleich dazu ist Europa eine Insel der Seligen.

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