- 07.04.2011, 18:30:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Portugal fällt. Und die Karawane zieht weiter - von Michael Laczynski
Das vorhandene Geld reicht für die Rettung Portugals locker aus
Wien (OTS) - Die Reaktionen auf die Entscheidung Portugals, unter
dem Rettungsschirm der Europäischen Union Schutz zu suchen, zeigen in
aller Deutlichkeit, dass in der internationalen Finanzwelt die Dinge
ebenso laufen wie im Leben von uns Normalsterblichen: Man gewöhnt
sich an alles. Als Griechenland vor gut einem Jahr w.o. gab,
herrschte noch blankes Entsetzen. Die Kapitulationserklärung Irlands
Ende 2010 sorgte immerhin für substanzielle Unruhe an den Märkten.
Und jetzt, nach Portugals Hilferuf? Ein Schulterzucken, mehr nicht.
Die Karawane zieht weiter.
Neben dem bereits erwähnten Gewöhnungseffekt gibt es noch drei
weitere Gründe für diesen Gleichmut. Zunächst einmal werden die
Beträge, die in die Waagschale geworfen werden, immer geringer. Das
Loch im griechischen Haushalt musste mit 110 Milliarden Euro gestopft
werden. Das Hilfspaket für Dublin belief sich auf 85 Milliarden Euro.
Und im jüngsten Fall gehen Experten von einer Summe zwischen 60 und
80 Milliarden Euro aus. Die vorhandenen Mittel reichen dafür locker
aus.
Apropos Experten: Was den weiteren Verlauf der Krise in der
europäischen Peripherie anbelangt, sind die mit der Materie
vertrauten Volkswirte vorsichtig optimistisch. Es scheint fast, als
ob Portugal der letzte Knockout sein dürfte. Die Anleihenhändler
gehen derzeit davon aus, dass Spanien - der nächste Dominostein -
nicht umfallen wird. Stimmt diese These, dann erleben wir gerade den
letzten Akt des Schuldendramas.
Der letzte Grund für Zuversicht hat mit dem veränderten
internationalen Umfeld zu tun. Die wirkliche Gefahr für die Eurozone
war nicht so sehr die Zahlungsunfähigkeit der (wirtschaftlich ohnehin
marginalen) Peripherie, sondern eine damit verbundene panikartige
Flucht der Investoren aus allen europäischen Assets - egal ob faul
oder nicht - und der darauf folgende Kollaps des Währungsraumes.
Doch mittlerweile haben die Anleger realisiert, dass Geldprobleme in
Griechenland oder Portugal nicht automatisch den Untergang des
Abendlandes einläuten. Und zudem gibt es derzeit viele andere
Zerstreuungen: Japan, Nahost, der demokratisch-republikanische
Bürgerkrieg im US-Kongress, und so weiter, und so fort. Im Vergleich
dazu ist Europa eine Insel der Seligen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
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