• 05.04.2011, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Barack Obama kann sich jetzt zurücklehnen - von Michael Laczynski

Andere Faktoren werden die Wahl 2012 entscheiden

Wien (OTS) - Die Ankündigung von Barack Obama, bei der kommenden
US-Präsidentenwahl als Amtsinhaber ins Rennen zu gehen, ist ein
Ereignis aus der bei Journalisten wenig beliebten Kategorie "In
Peking ist ein Fahrrad umgefallen". Da der Nachrichtenwert dieser
Meldung gleich null ist (denn wer ging schon davon aus, dass Obama
nach nur einer Amtszeit das Handtuch werfen würde?), müssen sich die
für dieses Thema zuständigen Schreiber ordentlich ins Zeug legen, um
wenigstens einen Hauch von Relevanz und Dringlichkeit zu erzeugen.
Denn gewählt wird erst 2012 - und zwar, wie in den USA üblich, am
ersten Dienstag im November.

Auch der Autor dieser Zeilen hat seine grauen Zellen zu
Höchstleistungen genötigt und möchte in dem Zusammenhang die
folgende, etwas provokante These aufstellen: Obama kann (bzw. muss)
sich jetzt zurücklehnen, denn auf ihn kommt es nicht mehr an. Der
politische Zyklus in den USA hat ein Stadium erreicht, in dem andere
Faktoren die Wahl 2012 entscheiden werden.

Da wäre zunächst einmal die Wirtschaft, auf die momentan zwei Kräfte
einwirken: Auf der einen Seite scheint der US-Konjunkturzyklus beim
Stadium Aufschwung angekommen zu sein, selbst am Arbeitsmarkt wird
die Lage besser. Andererseits laufen gerade die diversen
Fördermaßnahmen der Regierung aus und die teils brutalen
Sparprogramme der Bundesstaaten an. Ob die Konjunktur da keinen
Schaden nimmt, wird sich noch weisen.

Apropos Sparen: Völlig unklar ist noch, wie der Streit um die
Anhebung der Obergrenze der Staatsverschuldung im Parlament ausgehen
wird. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Republikaner um der
ideologischen Reinheit willen dem Staat den Strom abdrehen. Was dann
an den Anleihenmärkten passieren wird, lässt sich derzeit nicht
einmal ansatzweise erahnen.

Und damit wären wir auch schon bei den Republikanern angelangt. Dass
sie Obama aus dem Weißen Haus jagen wollen, ist klar wie das Amen im
Gebet. Wem diese ruhmreiche Aufgabe zufallen wird, schon weniger.

Potenzielle Kandidaten aus dem Lager der Realisten halten sich
derzeit auffallend zurück - und überlassen damit Wirrköpfen von der
Tea Party die Bühne. Sollten sich Sarah Palin, Michelle Bachmann, die
Gebrüder Koch und Co. durchsetzen, hat Obama 2012 ein leichtes Spiel.
Sollte ein moderater, für die politische Mitte wählbarer Republikaner
ins Rennen geschickt werden, wird's spannend.

Aber wie gesagt: Mit diesen Weichenstellungen hat Obama nichts zu
tun. Ihm bleibt nichts anderes über als zu warten.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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