WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Barack Obama kann sich jetzt zurücklehnen - von Michael Laczynski

Andere Faktoren werden die Wahl 2012 entscheiden

Wien (OTS) - Die Ankündigung von Barack Obama, bei der kommenden US-Präsidentenwahl als Amtsinhaber ins Rennen zu gehen, ist ein Ereignis aus der bei Journalisten wenig beliebten Kategorie "In Peking ist ein Fahrrad umgefallen". Da der Nachrichtenwert dieser Meldung gleich null ist (denn wer ging schon davon aus, dass Obama nach nur einer Amtszeit das Handtuch werfen würde?), müssen sich die für dieses Thema zuständigen Schreiber ordentlich ins Zeug legen, um wenigstens einen Hauch von Relevanz und Dringlichkeit zu erzeugen. Denn gewählt wird erst 2012 - und zwar, wie in den USA üblich, am ersten Dienstag im November.

Auch der Autor dieser Zeilen hat seine grauen Zellen zu Höchstleistungen genötigt und möchte in dem Zusammenhang die folgende, etwas provokante These aufstellen: Obama kann (bzw. muss) sich jetzt zurücklehnen, denn auf ihn kommt es nicht mehr an. Der politische Zyklus in den USA hat ein Stadium erreicht, in dem andere Faktoren die Wahl 2012 entscheiden werden.

Da wäre zunächst einmal die Wirtschaft, auf die momentan zwei Kräfte einwirken: Auf der einen Seite scheint der US-Konjunkturzyklus beim Stadium Aufschwung angekommen zu sein, selbst am Arbeitsmarkt wird die Lage besser. Andererseits laufen gerade die diversen Fördermaßnahmen der Regierung aus und die teils brutalen Sparprogramme der Bundesstaaten an. Ob die Konjunktur da keinen Schaden nimmt, wird sich noch weisen.

Apropos Sparen: Völlig unklar ist noch, wie der Streit um die Anhebung der Obergrenze der Staatsverschuldung im Parlament ausgehen wird. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Republikaner um der ideologischen Reinheit willen dem Staat den Strom abdrehen. Was dann an den Anleihenmärkten passieren wird, lässt sich derzeit nicht einmal ansatzweise erahnen.

Und damit wären wir auch schon bei den Republikanern angelangt. Dass sie Obama aus dem Weißen Haus jagen wollen, ist klar wie das Amen im Gebet. Wem diese ruhmreiche Aufgabe zufallen wird, schon weniger.

Potenzielle Kandidaten aus dem Lager der Realisten halten sich derzeit auffallend zurück - und überlassen damit Wirrköpfen von der Tea Party die Bühne. Sollten sich Sarah Palin, Michelle Bachmann, die Gebrüder Koch und Co. durchsetzen, hat Obama 2012 ein leichtes Spiel. Sollte ein moderater, für die politische Mitte wählbarer Republikaner ins Rennen geschickt werden, wird's spannend.

Aber wie gesagt: Mit diesen Weichenstellungen hat Obama nichts zu tun. Ihm bleibt nichts anderes über als zu warten.

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