WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Wirtschaft sitzt in der Basel III-Falle - von Robert Lechner

Das Jahr 2019 wirft seinen bedrohlichen Schatten voraus

Wien (OTS) - Die Deadline ist noch in weiter Ferne. Es wird vermutlich bis 2019 dauern, bis die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken in vollem Umfang in Kraft treten.

Endgültig wird man es im Sommer wissen, wenn die EU-Kommission ihren Gesetzesvorschlag dazu liefert. Dass gerade bei vielen Unternehmen aus dem kleinen und mittleren Segment jetzt schon die Alarmglocken schrillen, hat dennoch seine Berechtigung.

Gemäß Expertenschätzungen aus der österreichischen Notenbank muss die heimische Kreditwirtschaft ihre Erträge um jährlich rund eineinhalb Milliarden Euro auffetten, um die Basel III-Kapitalpolster zu schaffen. Keine Frage, einen Gutteil davon werden sich die Institute bei den rund 400.000 Unternehmen des Landes holen. Wo denn sonst? Im Privatkundenbereich ist angesichts des tobenden Preiskampfes nicht mehr viel zu finden. Und dass Großkonzerne für steigende Erträge im Kreditgeschäft sorgen werden, darf bezweifelt werden.

Darlehen müssen nicht unbedingt in Österreich aufgenommen werden. Manager könnten ja auch zu einer anderen internationalen Bank gehen, die gerade expandieren möchte. Solche Fälle wird es immer geben.

Bereits fix ist, dass Basel III vor allem in Europa einschlagen wird. 300 Milliarden Euro müssen die Institute an Kapital nachschießen. Ähnlich wie zuletzt in Libyen sind die Amerikaner auch bei Basel III eher auf Rückzug eingestellt. Maximal ein Dutzend der großen international tätigen US-Banken wird sich dem neuen Regime unterwerfen. Der Rest bleibt draußen. Schade, denn es waren ja vor allem die mittelgroßen US-Banken, die die Immo-Blase bis zu ihrem Platzen mit billigem Geld füllten.

Übel aus österreichischer Sicht ist zudem die organisatorische Aufstellung der Finanzwirtschaft. Engagierte Leute wie der EU-Abgeordnete Othmar Karas werden sich zwar redlich bemühen, die Zuverlässigkeit von Haftungsverbund der Sparkassen und Raiffeisen-Struktur darzustellen. Bisher ist aber nicht davon auszugehen, dass Brüssel darauf eingeht.

Bitter an den neuen Regeln ist auch die Einsicht, dass Unternehmen noch lange mit höheren Finanzierungskosten kämpfen, wenn es in den Banken längst Modelle gibt, um Basel III zu umgehen. Welche Tricks das sein werden, wissen wir heute noch nicht. Fix ist nur, dass es sie geben wird. Das sehen auch Notenbanker wie Ewald Nowotny so.

Umgehungskonstruktionen werde man nie ganz verhindern können, sagte der OeNB-Chef kürzlich. Denn in den Banken gibt es nicht nur enorme geistige Kapazitäten, sondern auch entsprechend gut bezahlte Berater.

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