• 04.04.2011, 11:24:13
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WirtschaftsBlatt Leitartikel: Geld verdienen muss man auch lernen - von Andre Exner

Top-Gagen für die Chefs sind eine Art Mitarbeitermotivation

Wien (OTS) - Eigentlich würde Palfinger-Chef Herbert Ortner den
fettesten Bonus von allen heimischen Konzernmanagern verdienen:
Obwohl RHI-Chef Henning Jensen den Gewinn seines Unternehmens von
2009 auf 2010 noch stärker steigern konnte, schaffte Ortner den
beeindruckendsten Turnaround (siehe Artikel Seite 2).

Ortner wird bestimmt gut entlohnt und doch wird sicher nicht er,
sondern wieder der Chef eines heimischen Großkonzerns die
2010er-Bestverdienerliste der heimischen Konzerne anführen: Erste
Group-Vorstand Andreas Treichl oder der neue OMV-General Gerhard
Roiss sind gute Tipps. Denn in der Wirtschaft heißt das Motto "Big is
beautiful" - spätestens, wenn es um die Verdienstmöglichkeiten geht.

Bei kleinen heimischen Unternehmen ist selbst in der Vorstandsetage
bei einem sechsstelligen Jahresgehalt Schluss, Millionen gibt es nur
bei Großkonzernen. Und doch werden selbst Topverdiener wie Treichl
oder Roiss von ihren Kollegen an der Wall Street belächelt. Jamie
Dimon, CEO des US-Bankriesen JP Morgan, kassierte für 2010 einen
Bonus von 17 Millionen US-$ - das ist mehr, als würden alle ATX-Bosse
ihre Boni auf einen Haufen werfen. 2007 bekam Dimon sogar 50
Millionen $ Bonus.

Warum diese aberwitzigen Boni, warum die Mega-Managergagen? Nicht
nur, dass der Beste am meisten kassiert, stimmt nicht, auch dass das
Einkommen mit der Verantwortung steigen würde, hat sich in den
vergangenen Jahren als Märchen erwiesen. Oder kennen Sie einen
Topmanager, der aufgrund seiner Fehler einen Teil seiner Mega-Gage
wieder an das Unternehmen zurücküberweisen hätte müssen?

Die einleuchtendste Theorie, warum manche Wirtschaftskapitäne so gut
wie Rockstars verdienen, hat bislang US-Ökonom Steven D. Levitt
aufgestellt: In seinem Sachbuch-Bestseller "Freakonomics" behauptet
der Harvard-Absolvent, Top-Gagen wären in Wirklichkeit eine Art
Mitarbeitermotivation. Zwar ist die Chance eines BWL-Studenten,
einmal als CEO Millionen abzucashen, sehr gering, aber doch vorhanden
- anders als bei einem sozial- oder geisteswissenschaftlichen
Studium. Wer Wirtschaft studiert, kann auch im Beruf reich werden,
wer die Fächerkombi Theaterwissenschaften und Germanistik wählt, muss
nicht nur fleißig arbeiten, sondern auch fleißig Lotto spielen.

Daher sollten wir auch Ortner nicht zu sehr bedauern: Er hat im Leben
viele gewinnbringende Entscheidungen getroffen, und eine davon war,
sich für ein Studium mit Potenzial - in seinem Fall
Wirtschaftsingenieurwesen - zu entscheiden.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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