• 01.04.2011, 11:18:23
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Neue Technologien verändern Handelswelt rasant

Unternehmen nicht mehr "Herren der Kommunikation" - "Extrem-Einkäufer" shoppen erst nach Online-Recherche

APA-EBC-Expertendiskussion "Supermarkt 1.0 - Wie neue Technologien die Handelswelt verändern": Am 31. März wurde über "Extrem-Shopper", Einkaufs-Apps und veränderte Kommunikation im Handel diskutiert.

Wien (OTS) - Elektronische Regaletiketten, Self-Checkout und das
Bezahlen mit dem Handy an der Supermarktkassa lassen zwar noch auf
sich warten, neue Medien, Web 2.0 und das dadurch veränderte
Einkaufsverhalten haben aber bereits jetzt massive Auswirkungen auf
die heimische Handelswelt, erklärten Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien.

"Der Einfluss der Handelsketten, Marken und Werbung sinkt. Die
Konsumenten erhalten den Eindruck, die Kontrolle zu haben, und die
Loyalität nimmt ab", sagte Robert Madas vom Marktforscher GfK
Austria. Bis vor kurzem habe das Marketing die Zügel in der Hand
gehabt, jetzt gebe es neben TV, Radio und dem Point of Sale auch
Internet, Handy und digitale Mund-zu-Mund-Propaganda. All diese
Kategorien würden intensiv genutzt. "Ich kann mir daher als
Hersteller oder Händler nicht erlauben, in einem dieser Bereich
nichts zu tun", so Madas.

Unternehmen und unabhängige Medien seien nicht mehr die Herren der
Kommunikation. Vielmehr gewinne das Thema Social Media an Bedeutung.
"Rund 3,2 Millionen Österreicher nutzen diese Netzwerke. Eine Million
ist Fan eines Unternehmens, ist also von sich aus aktiv auf ein
Unternehmen zugegangen", sagte Madas. Außerdem habe sich durch
Internet, iPhone und Co. eine neue Shopper-Schicht gebildet, der
knapp 30 Prozent der Bevölkerung angehören: die "Extrem-Einkäufer".
Sie nutzen neue Medien intensiv und suchen gezielt und häufig, um die
richtigen Produkte und Dienstleistungen zum vorteilhaftesten
Preis-/Leistungsverhältnis zu finden.

Im Bereich Social Media seien inzwischen alle großen
Handelsunternehmen aktiv, bestätigte auch Chris Budgen vom
Webconsulter diamond:dogs. Wenn jemand aufgrund der Billa-Werbung
denke, dass den Kälbern die "Heu-Milch" weggenommen werde, um sie zu
verkaufen, könne man auf Facebook auf diese Falschinfo reagieren.
Diskutiert worden wäre über den Vorwurf auf alle Fälle, so der
Experte. Als Marketinginstrument und zur Imagepflege sieht er
Handy-Anwendungen (Apps) auf dem Vormarsch. "Jeder vierte bis fünfte
iPhone-Besitzer in Österreich nutzt die Billa-App."

Warten auf mobile Geldbörse

Einen Trend der Zukunft sieht Budgen auch darin, Ware online zu
bestellen und vom Supermarkt das fertige Paket abzuholen. Bei
ortsbezogenen Diensten hinke Österreich - auch aufgrund der
rechtlichen Problematik - hinterher. Couponing-Systeme auf dieser
Basis würden ebenfalls noch auf sich warten lassen. Die Konsumenten
seien derzeit nicht bereit, Daten wie den Aufenthaltsort herzugeben,
auch wenn sie dadurch Vorteile lukrieren könnten. Das Thema
Nahfunktechnik (NFC) - durch die das Handy zur mobilen Geldbörse wird
- sieht er derzeit stark gehypt, noch fehle es aber an entsprechenden
Endgeräten und Anwendungen.

"Wir brauchen Lösungen, die wirklich funktionieren. Vieles ist
noch unausgereift", bemängelte Andreas Kranabitl von Spar Österreich.
Großes Interesse bestehe derzeit an elektronischen Preisetiketten am
Regal. "Aber dazu müssten die Kosten von derzeit über zehn auf fünf
bis sechs Euro sinken", so Kranabitl. Außerdem gebe es bestimmte
Designansprüche. Mit entsprechenden Etiketten könnte automatisch der
Preis reduziert werden, wenn das System anzeigt, dass der Bestand an
bestimmten Frischwaren - etwa Bananen - zu hoch sei. "Am Abend geht
es dann vielleicht in Richtung gratis. Das ist immer noch besser als
die Ware wegzuwerfen."

Mängel beim Self-Checkout

Auch beim Self-Checkout gebe es noch Hindernisse, weil die
Bargeld-Module noch zu fehleranfällig seien - "das ist für den Kunden
nicht akzeptabel". Wenn man das Modul ausschalte, würde die Nachfrage
schlagartig um die Hälfte sinken, weil "die Österreicher nicht bereit
sind, bargeldlos zu bezahlen". Auch bei den Informationsterminals in
der Weinabteilung habe es teilweise technische Probleme gegeben,
zudem seien die Infos nicht aktuell gewesen, deshalb habe man sie
wieder abgebaut.

Kein Händler werde eine Technologie einsetzen, die nicht perfekt
funktioniert, bestätigte auch Rene Tritscher von der Bundessparte
Handel in der Wirtschaftskammer Österreich. Bei NFC gebe es
beispielsweise noch einige Probleme - abgesehen von den fehlenden
Endgeräten. Große Veränderungen beim Einkaufsverhalten führt auch
Tritscher vor allem auf neue digitale und interaktive
Kommunikationswege zurück.

Lehrlinge finden via Facebook

"Konsumenten tauschen sich mit Gleichgesinnten aus und können
dabei eine erhebliche Reichweite erzielen, etwa auf
Bewertungsplattformen wie Qype oder via Facebook und Twitter", so der
Branchenkenner. Diese Angebote zu beobachten und im besten Fall
selber zu nutzen, könne nicht nur dazu dienen, einer schlechten
Reputation im Internet entgegenzuwirken, sondern auch Kunden besser
zu informieren oder beispielsweise Lehrlinge zu finden.

Für Rene Eres von Ericsson Austria stehen im Handel künftig neben
Empfehlungen auch kundenspezifische Daten und deren Nutzung im
Vordergrund. Sie würden einen Mehrwert für beide Parteien darstellen.
Vorbehalte sieht er differenziert. "Wenn ich eine Kundenkarte nutze,
kennt das Unternehmen auch meinen Standort und weiß zudem, was ich
eingekauft habe", sagte er. "Für 50 Cent billigere Spaghetti" würden
Informationen bereitwillig hergegeben. Ein neues "Erlebnislevel"
erwartet sich Eres von NFC-Terminals und der nahtlosen Integration
von mobilen Endgeräten.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
APA-E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
[email protected]
Web: http://ebc.apa.at

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