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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Österreich ist zu klein für die große Fußball-Welt" (von Günter Sagmeister)
Ausgabe vom 31.03.2011
Graz (OTS) - Ist es peinlich, mit einer rot-weiß-roten Fahne
in einem Fußball-Stadion zu sitzen oder sein Gesicht mit nationalen
Symbolen zu schmücken? Vor einem Länderspiel, nein. Nach einem
Länderspiel, ja.
Diesen Eindruck bekommt man, wenn der Radiosender Ö3 seine
Telefon-Hotline in eine Fußball-Kummernummer verwandelt und das
Fan-Volk poltern lässt. Peinlich. Blamabel. Nach dem Belgien-Match
war es ganz arg, nach der Niederlage gegen die Türkei waren sich acht
Millionen Teamchefs im Kollektiv einig, dass die überbezahlten
Fußball-Schwachmatiker bei einer EM-Endrunde nichts verloren haben.
Aber Hand aufs Herz: Der Fußball hält unserem kleinen Land doch nur
den Spiegel vor das Gesicht. Wir pendeln doch ständig zwischen
gefühlter Minderwertigkeit und kompensatorischem Überschwang. Nicht
nur im Fußball. Jeder nationalen Euphorie folgt die Krisenstimmung.
Seit Jahrzehnten gehen wir voller Hoffnung und Leidenschaft in
diverse Qualifikations-Turniere, um dann zu erkennen: Österreich ist
zu klein für die große Fußball-Welt. Das Land grenzt sich zusätzlich
selbst ein, indem es auf städtischen Grünflächen die
"Hunde-Verboten"-Tafel gleich neben das "Kinder-Spielverbot"-Schild
stellt. Wo sind die Kinder, die wie früher einmal von klein auf einem
Ball nachlaufen? Verschwunden.
Neidisch blicken wir nach Deutschland und Italien mit all den
Superstars und schönen Stadien. Jedes Bayern-Spiel besuchen rund 1000
Österreicher, auch Udine ist beliebt. Dort spielt halt die Musik und
nicht in der Keine-Sorgen-Arena in Ried oder im Pappelstadion.
Dietrich Mateschitz könnte mit Millionen wacheln, trotzdem käme kein
guter Fußballer auf die Idee, in Österreich zu spielen. Also wird die
Liga immer nur Mittelmaß bleiben.
So bleibt unter dem Strich, dass Österreich zwar einige gute
Fußballer hat, aber keine Weltklassespieler. Deshalb ist es auch
müßig zu diskutieren, ob Janko, Maierhofer oder sonst wer hätte
stürmen sollen oder ob das 4-5-1-System falsch war. Das vorhandene
Spieler-Material bestimmt und steuert die Qualität des Spiels - da
kann der Teamchef ein noch so gewiefter Taktiker sein.
Wie wäre es, würde man Hans Krankl wieder zum Teamchef machen,
diesmal auf Lebenszeit? Inbrünstig schwingt er patriotische
Aufmunterungsparolen und hält die Hand aufs Herz. Es gäbe keine
Teamchef-Diskussion mehr. Österreich braucht auch gar keinen
Nationalteam-Trainer, sondern nur einen Gute-Laune-Animateur. Die
nächste Niederlage kommt bestimmt.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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