Brüder und Schwestern tragen Reform mit, fordern aber Erhalt der kardiologischen Vollversorgung und der Abteilung für Kinderurologie.

Im Mittelpunkt der Reform müssen Sicherung der Qualität und Kostendämpfung stehen.

Linz (OTS) - Die geplante Schließung des Herzkatheterlabors der kardiologischen Abteilung sowie die geplante Verlegung der Abteilung für Kinderurologie in die Landesfrauen- und Kinderklinik sind für die Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder und Schwestern Linz weder aus medizinischer noch aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar. Beide Maßnahmen stehen im Widerspruch zu den von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer geforderten Reformzielen - Sicherung der Qualität und Kostendämpfung.

Die Krankenhäuser Barmherzige Brüder (BHB) und Barmherzige Schwestern (BHS), die seit dem Jahr 2000 in Form der Spitalpartnerschaft an der Seilerstätte eng zusammenarbeiten, stehen hinter dem Vorhaben der OÖ. Landesregierung, das Gesundheitswesen weiter in Richtung Kosteneffizienz und Qualitätssteigerung zu reformieren. Dementsprechend hat man am Standort Seilerstätte bereits im Zuge der Spitalsreform I im Jahr 2005 in vorbildlicher Art und Weise, wie auch der Landesrechnungshof in einem Bericht bestätigt, Maßnahmen umgesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil dabei war die Schwerpunktsetzung.

So haben sich die BHB auf die Schwerpunkte Neurologie, Augenheilkunde, Gefäßmedizin und Geburtshilfe spezialisiert. Die Schwerpunkte der BHS sind Kardiologie, Onkologie, Orthopädie sowie die operative Versorgung von Kindern, z.B. Kinderurologie. Im Zuge dieser Ausdifferenzierung hat ein Abteilungsabgleich beider Häuser stattgefunden. Auch wurden Synergiepotentiale gehoben, wie etwa durch das B&S Zentrallabor und die gemeinsame Küche.

Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass am Standort Seilerstätte höchste Effizienz (siehe Grafik im Anhang) und Qualität angeboten werden. Weiters sind beide Häuser als einzige im Zentralraum nach dem internationalen Qualitätsstandard proCum Cert inkl. KTQ zertifiziert und weisen dies in einem Qualitätsbericht auf der Krankenhaus-Homepage nach. Damit werden Leistungen für die Öffentlichkeit transparent gemacht.

Was für die Spitalsreform I gegolten hat, muss auch für die Spitalsreform II gelten:

  • Alle vorgeschlagenen Maßnahmen der Expertenkommission müssen tatsächlich Kostendämpfung bringen.
  • Nach dem Verständnis der Brüder-Schwestern-Spitalpartnerschaft muss die hohe Versorgungsqualität für die Menschen erhalten bleiben.

Die Antworten auf die vorgeschlagenen Maßnahmen der Expertenkommission:

Im Sinne der seit Jahren bewährten Kooperation und dem Reformbekenntnis der Ordenskrankenhäuser werden folgende Vorschläge mitgetragen:
- Zusammenführung der Abteilungen Radiologie und Anästhesie der beiden Krankenhäuser
- Zusammenlegung der beiden neurologischen Abteilungen der BHB
- Erweiterung der Kooperationsfelder in der Labormedizin
- Erweiterung der Kooperationsfelder in der Pathologie

Für die häuserübergreifende Zusammenführung von Abteilungen müssen von der Politik die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Für die vorgeschlagenen Maßnahmen in den Fächern
- Gynäkologie und Geburtshilfe
- Kardiologie - Coronarangiografie (Herzkatheter)
- Kinderurologie
wird folgendes festgehalten:

GYNÄKOLOGIE

Die Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe an den Krankenhäusern der Barmherzigen Brüder (Schwerpunkt Geburtshilfe) und Barmherzigen Schwestern (Schwerpunkte Onkologie, Beckenbodenerkrankungen) sind hoch spezialisiert und nehmen unterschiedliche Versorgungsaufträge wahr.

Diese Ausdifferenzierung erfolgte im Zuge der Spitalreform I und entspricht damit den Vorgaben des Landes OÖ in Hinblick einer Schwerpunktsetzung.

Die Abteilung der BHS zählt in der Onkologie neben den Universitätskliniken zu den TOP 3 in Österreich, in der Behandlung von Beckenbodenerkrankungen zu den TOP 2 in Österreich. Die Abteilung der BHB verzeichnet ca. 1.700 Geburten pro Jahr und zählt damit zu den TOP 3 in OÖ.

Die Abteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde der BHB wird von der Kinderabteilung der BHS versorgt, welche auch über eine Neonatologie für die Versorgung von Neugeborenen verfügt. Auch hier wird seit Jahren kooperiert.

Eine strukturelle Veränderung der beiden Abteilungen ist vertretbar, wenn die Schwerpunkte Geburtshilfe und Onkologie gesichert sind.

KARDIOLOGIE - Coronarangiografie

Der Vorschlag, das Herzkatheterlabor von der Seilerstätte abzuziehen ist weder aus ökonomischer noch aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. Patienten mit akutem Herzinfarkt bedürfen jedenfalls einer medizinischen Versorgung; diese müsste bei Schließung des Standortes an anderer Stelle erbracht werden.

Die Personalkosten verringern sich bei Schließung des Katheters nicht, da an der bestehenden Abteilung die Diensträder aufrecht erhalten werden müssen. Die entstehenden Verbrauchskosten entstehen entsprechend den medizinischen Erfordernissen jedenfalls, wenn nicht bei BHS, dann in einem anderen behandelnden Krankenhaus. Es werden die entstehenden Behandlungskosten also verschoben, aber nicht gedämpft.

Weiters wird am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern ein Herzkatheter-Team, das über 20 Jahre geformt wurde, zerstört und damit Fachkompetenz zerschlagen. Wenn die interventionelle Kardiologie an der Seilerstätte nicht mehr angeboten wird, werden die Experten abwandern, und in der Folge wird die kardiologische Vollversorgung in der relevanten Region massiv leiden.

Der größte Krankenhauskomplex der Landeshauptstadt mit 1.100 Betten muss eine kardiologische Vollversorgung gewährleisten können. Die Spitalpartnerschaft ist an zwei von drei Aufnahmentagen in Linz für die Patienten verantwortlich und versorgt rund 50% der Linzer Bevölkerung mit akutmedizinischer Leistung.

Fakten zur Coronarangiografie der Brüder-Schwestern-Spitalpartnerschaft:

Die kardiologische Abteilung führt seit über 20 Jahren Herzkatheter-Eingriffe durch und behandelt rund jeden fünften akuten Herzinfarkt in OÖ.

Jährlich werden ca. 1.700 diagnostische sowie 800 therapeutische Eingriffe - davon 130 bei akutem Herzinfarkt - durchgeführt.

Die damit verbundene Erfahrung stellt die bestmögliche Versorgung kardiologischer Patienten sicher. Die Brüder-Schwestern Spitalspartnerschaft repräsentiert ein Herzstück der kardiologischen Versorgung im Land.

Das Katheterlabor verfügt über ein eingespieltes Team ausgewiesener Herzspezialisten, die eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung auf höchstem Niveau gewährleisten.

Zwischen den drei Herzkatheterzentren in Linz besteht eine hervorragende Zusammenarbeit, so schickt die Kardiologie der "Schwestern" beispielsweise jährlich etwa 100 Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Diagnose im Rahmen der Katheteruntersuchung zu einer Herzoperation ins AKH.

KINDERUROLOGIE

Der Vorschlag, die Abteilung für Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern zu schließen und an der Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK) neu aufzubauen, ist weder aus medizinischer noch aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar.

Das Team wird durch eine Schließung aufgelöst und damit wird die über 20 Jahre aufgebaute, international beachtete Fachkompetenz der Abteilung zerschlagen, die Akkreditierung als Europäisches Ausbildungszentrum geht verloren. Die Spezialisten werden OÖ verlassen.
An der LFKK ist keine vergleichbare Infrastruktur vorhanden. Dies führt zu einem Qualitätsverlust in der Versorgung. Ein vergleichbares Umfeld wie im KH der Barmherzigen Schwestern zu schaffen ist ökonomisch nicht vertretbar. Es werden an der bestehenden Abteilung modernste Geräte gemeinsam mit anderen Abteilungen genützt (da Vinci-Roboter, Lithotripsie, ...), die an der LFKK nicht vorhanden sind. Das Leistungsspektrum und damit verbunden die Qualität würden daher auch aus diesem Grund verringert.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz liegt bei der ökonomischen Effizienz deutlich unter (siehe Grafik S. 5), die LFKK als Spezialklinikum deutlich über dem OÖ Durchschnitt. Das bedeutet, dass bei der Versorgung der momentan 1.800 kinderurologischen Patienten pro Jahr an der LFKK mit erheblichen Mehrkosten pro Jahr zu rechnen ist. Der Versorgungsbedarf in diesem Feld wird keinesfalls geringer.

Fakten zur Kinderurologie:

In den vergangenen 20 Jahren wurde die größte und in dieser Form einzigartige kinderurologische Abteilung Österreichs aufgebaut und etabliert.

In diesem Fach gibt es einen enormern Bedarf an spezialisierten medizinischen Leistungen. Das wird auch dadurch deutlich, dass mehr als 30 % der Patienten aus den Bundesländern und dem Ausland kommen.

Die Abteilung unter der Leitung von Prim. Doz. Dr. Marcus Riccabona ist darüber hinaus auch Europäisches Ausbildungszentrum für Kinderurologen.

Ebenfalls einzigartig in Österreich ist die in der Abteilung integrierte Blasenschule in der Kinder mit Kontinenzproblemen von einer eigenen Kinder-Urotherapeutin betreut werden.

Um eine Abteilung medizinisch erfolgreich und patientengerecht betreiben zu können, bedarf es aus medizinischen und organisatorischen Gründen eines entsprechenden Umfeldes.

Dieses Umfeld ist bei den Schwestern einzigartig:
Eine eigene Ambulanz, die Blasenschule, eine Kinderstation und ein eigener Operationssaal stehen zur Verfügung. Weiters sind alle relevanten Abteilungen im Haus angesiedelt und garantieren kurze Wege: Kinder- und Jugendheilkunde, Abteilung für Erwachsenen-Urologie, Gynäkologie, Nuklearmedizin, MR-Urographie, Kinderanästhesie.

Bildmaterial finden Sie unter: www.vinzenzgruppe.at/presse

Rückfragen & Kontakt:

Krankenhaus Barmherzige Schwestern Linz
Claus Hager, MBA, MSc
0732-7677-4884
0664/8190781
claus.hager@bhs.at

Konventhospital Barmherzige Brüder Linz
Doris Nentwich
0732-7897-26006
0650/5427299
doris.nentwich@bblinz.at

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