"Kleine Zeitung" Kommentar: "Am Führungsstreit darf der Libyeneinsatz nicht scheitern" (von Nina Koren)

Ausgabe vom 25.03.2011

Graz (OTS) - Fünf Tage haben gereicht, um die Luftwaffe auszuschalten, mit der Gaddafi sein aufständisches Volk bombardieren ließ. Ein Massaker in der Oppositionshochburg Ben-ghazi konnte verhindert werden, den mit ungleichen Waffen gegen die Gaddafi-Truppen kämpfenden Rebellen konnte mehr Spielraum verschafft werden. Frankreichs Präsident Sarkozy verkündet mit von Stolz geschwellter Brust seine Erfolge und das zu Recht. Phase I des Krieges scheint - trotz des peinlichen Streits um das Kommando -einigermaßen gut gelaufen zu sein.

Das politisch sogar von den kriegsabstinenten Deutschen formulierte Ziel, Muammar Gaddafi zum Rücktritt zu bewegen, wurde bisher leider nicht erreicht. Den Gefallen, im Angesicht des Bombenhagels aus dem Land zu flüchten, hat der wirre Despot seinem gemarterten Volk nicht getan. Auch gibt es keine Berichte über Offiziere, die zu den Oppositionellen überlaufen. Gaddafi verfügt, dank langjähriger guter Geschäfte mit den nun Angreifenden, über genügend Reichtum, um sich noch Monate einen Zermürbungskrieg mit den Rebellen zu liefern. Die scheinen schlecht organisiert und bisher auch nicht in der Lage, eine glaubwürdige Gegenregierung zu bilden.

Es wird also mit einiger Wahrscheinlichkeit der Zeitpunkt kommen, wo Sarkozy und Kollegen eingestehen werden müssen, dass Gaddafi durch Luftangriffe allein nicht zu vertreiben ist. Das ist zu bedauern, doch das UN-Mandat ist eindeutig: Es sieht den Schutz der Zivilbevölkerung vor und schließt den Einsatz von Bodentruppen aus. Ohnehin zeigt sich derzeit niemand bereit, seine Soldaten in Libyen kämpfen zu lassen.

Für die jetzt beginnende Phase II des Krieges zeichnet sich zwar ein Kompromiss über die Führungsstruktur ab, dafür streitet man, was genau die Ziele sind. Selbst bei Entscheidungen von der Tragweite eines Krieges scheinen neben der sachlichen Argumentation die Kindereien den Ausschlag zu geben: die Großmannsucht des Staatschefs in Paris, die Eifersucht der Kollegen in Rom und Ankara. Doch am Führungsstreit darf der Libyen-Einsatz nicht scheitern.

U nwägbarkeiten gibt es also zur Genüge. Doch wäre es deswegen besser gewesen, zuzuschauen, wie der Wüstenherrscher sein Volk abschlachtet? Selbst wenn sich Gaddafi noch eine Zeit lang an Zelt und Macht klammert: In Zeiten historischer Umbrüche in der arabischen Welt zählt die klare Botschaft an die Despoten, dass die Staatengemeinschaft aufseiten jener steht, die, von Syrien bis Bahrain, unter Einsatz ihres Lebens Freiheit fordern. Alles andere wäre wirklich fatal gewesen.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001