Angst vor dem Super-GAU: Berlakovich verspricht "beinharte" Stresstests für AKWs

Atomkraftgegner üben harte Kritik am Vorstoß des Umweltministers

Wien (OTS) - Nikolaus Berlakovich feiert sie als Erfolg, die Kritiker sprechen von "Lippenbekenntnissen." In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" erklärte Österreichs Umweltminister (ÖVP) gestern erstmals ausführlich, wie die Stresstests für Atomkraftwerke funktionieren sollen. Zuvor hatte sich die EU in Brüssel auf die von Berlakovich geforderten Stresstests geeinigt. Alle 143 AKWs in der Europäischen Union sollen unter die Lupe genommen werden.

"Das neue an der Sache ist, dass es erstmals derartige, europaweit einheitliche Stresstests gibt", sagte der Umweltminister in "Am Punkt". "Und hier wird zum Beispiel Erdbebensicherheit geprüft, ob die Kühlaggregate funktionieren. Es wird sogar das Lager der Brennstäbe geprüft." Hart ins Gericht mit Berlakovich ging Greenpeace-Experte Niklas Schinerl. Er kritisierte, dass die EU-Kommission mit den Betreibern der Atomkraftwerke über die Kriterien der Stresstests beraten will: "Das heißt, wir diskutieren praktisch mit den Brandstiftern, ob wir das Feuer löschen dürfen." Vor allem aber: Nach jetzigem Stand seien die Tests freiwillig.

Für den renommierten Risikoforscher Wolfgang Kromp war in "Am Punkt" noch ein anderer Punkt entscheidend: "Wer führt diese Prüfungen durch? Machen sie unabhängige Experten, solche die nicht an der Atomindustrie beteiligt sind? Wenn das nämlich von der Lobby gemacht wird, dann sind diese ganzen Stresstests für die Fisch." Berlakovich sagte, er wolle sich für unabhängige Kontrollen einsetzen: "Das können nicht die Betreiber der Atomkraftwerke selber machen oder irgendwelche Institutionen, die davon profitieren."

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass Europa so schnell wie möglich aus der Kernenergie aussteigen müsse. Berlakovich. "Die Devise ist ganz klar: raus aus Atom." Greenpeace-Experte Schinerl warf der Regierung aber auch Heuchelei vor: Österreich habe zwar keine AKWs, aber bis zu 15 Prozent des österreichischen Stroms kämen trotzdem aus ausländischen Kernkraftwerken. Die Welt müsse aus der Atomkatastrophe in Japan endlich lernen: "Wenn der Tsunami jetzt einen Windpark erreicht hätte, dann würden wir nicht so gebannt auf Japan schauen und müssten nicht mit dieser Katastrophe rechnen", sagte Schinerl
in "Am Punkt".

Risikoforscher Kromp fordert auch ein Umdenken bei den Konsumenten: "Da müssen wir uns alle selbst an die Nase fassen und einmal beginnen, ein bisschen zu überlegen: wo kann ich denn einsparen? Muss ich jeden Handgriff elektrisch machen? Muss das Brot elektrisch geschnitten werden?"

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