• 15.03.2011, 09:40:12
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LR Anschober: Bayerns Staatsregierung beginnt im Streit um Risiko-AKW Isar 1 zu wanken

Isar-Studie: "Die Gefährdung, die aus dieser Konstruktion bei Erdbeben oder äußeren Einwirkungen resultiert, ist offensichtlich"

Linz (OTS) - Die Signale verdichten sich, dass die bayerische
Staatsregierung nach monatelanger Verweigerung nun bereit scheint,
dem Druck aus Bayern und Oberösterreich nachzugeben und den
Risikoreaktor Isar 1 still zu legen. "Es darf jetzt nicht bei
Andeutungen und Ankündigungen bleiben. Der Ausstieg braucht einen
klaren Beschluss und einen konkreten Termin innerhalb der nächsten
Wochen", so Oberösterreichs Umwelt-Landesrat Rudi Anschober.

Seit Jahren macht Landesrat Rudi Anschober Druck für eine Stilllegung
des Risikoreaktors, der nur 100 km von der oberösterreichischen
Grenze entfernt liegt. 2006 ist es gelungen, die Bundesregierung von
der Notwendigkeit einer Risikostudie über Isar 1 und die baugleichen
Siedewasserreaktoren SWR69 zu überzeugen. Seit Juli 2010 liegt diese
Untersuchung vor, wird jedoch von der österreichischen
Bundesregierung unter Verschluss gehalten. Auszug aus einem Schreiben
von Bundesminister DI Nikolaus Berlakovich an Umwelt-Landesrat Rudi
Anschober: "Da die sogenannte 'FLAB DiDII'-Studie nach wie vor als
Verschlusssache einzustufen ist, kann sie nur an Personen übermittelt
werden, die nachweislich einer entsprechenden Sicherheitsüberprüfung
unterzogen wurden..."

Selbst der Versuch, die Studienautoren eine für die Veröffentlichung
geeignete Kurzzusammenfassung erstellen zu lassen, blieb erfolglos.
Laut BM Berlakovich verweigerten auch in diesem Fall die deutschen
Behörden die Veröffentlichung. Auszug aus dem Schreiben Berlakovich:
"Nach langwierigen Konsultationen haben sich die zuständigen
deutschen Stellen letztlich entschieden, diese Freigabe zur
Veröffentlichung nicht zu erteilen."

Mittwoch oder Donnerstag wird diese Geheimhaltung im deutschen
Bundestag Thema einer mündlichen Anfrage der Grünen sein, im
Bayerischen Landtag ist eine schriftliche Anfrage bereits
eingebracht. Wegen der Geheimhaltung hat der oö. Umwelt-Landesrat
Rudi Anschober selbst eine Studie über Isar 1 und die SWR69 in
Auftrag gegeben. Das seit Oktober 2010 vorliegende Ergebnis des unter
Leitung von Prof. Wolfgang Kromp arbeitenden Gutachterteams ist
alarmierend. Wörtlich heißt es in der Zusammenfassung: "Die
schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch
Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden. Das Design des
Reaktordruckbehälters erfüllt nicht die Grundbedingungen der
Basissicherheit, weder hinsichtlich der Minimierung der Anzahl der
Schweißnähte noch hinsichtlich der ausreichenden Prüfbarkeit. Die
grundlegende Forderung des Basissicherheitskonzeptes nach einem
optimierten RDB-Werkstoff ist nicht erfüllt [...] Es besteht bei
schweren Unfällen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine frühe
Radionuklidfreisetzung in die Umgebung. Das Brennelemente-Lagerbecken
für die hoch-radioaktiven abgebrannten Brennelemente liegt bei der
Baulinie 69 im oberen Teil des Reaktorgebäudes außerhalb des
Sicherheitsbehälters. Die Gefährdung, die aus dieser Konstruktion bei
Erdbeben oder äußeren Einwirkungen resultiert, ist offensichtlich".

LR Anschober: "Angesichts des Dramas in den japanischen
Siedewasserreaktoren und der vorliegenden Alarmstudie wäre es
verantwortungslos, Isar 1 weitere Jahre in Betrieb zu halten. Die
Stilllegung muss daher sofort fixiert werden, verbindlich und
unumkehrbar sein. Geschieht dies nicht, dann werden mehrere
österreichische Bundesländer alle denkbaren Rechtschritte gegen einen
Weiterbetrieb von Isar 1 ergreifen."

Rückfragehinweis:
Büro Landesrat Rudi Anschober, Mag. Rudi LEO, Pressesprecher, Tel: +436648299969, mailto:[email protected], Promenade 37, 4020 Linz, www.anschober.at

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