• 13.03.2011, 19:08:05
  • /
  • OTS0056 OTW0056

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Fukushima als Fanal für die Atomkraft" (Von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 14.3.2011

Graz (OTS) - Noch sieht alles gebannt und erschreckt nach Japan.
Wird die furchtbare Naturkatastrophe noch von einer größeren, durch
Menschen verursachten überholt?

Kommt es zur Kernschmelze, zur radioaktiven Vergiftung wenige Dutzend
Kilometer neben einem der größten Ballungsräume der Welt?

Wir wissen es noch nicht.

Doch egal, wie glimpflich die Katastrophe in den japanischen
Atomkraftwerken ausgeht, Fukushima ist eine Wende.

Schon beginnt die Diskussion um die Atomkraft. Federführend ist dabei
Deutschland. Als die deutsche Bundesregierung vor einigen Jahren den
Atomausstieg nach hinten verschob, schien die Welt für die
Atomindustrie ja in freundlichsten Farben: Die Klimawandel-Angst ließ
sich in ein Argument für die "saubere" Kernkraft ummünzen.
Kraftwerksinvestitionen in Dritte-Welt-Ländern dienten der deutschen
Atomindustrie als Argument, zu Hause diesen Exportschlager nicht zu
behindern.

Von Tschernobyl, das Mitteleuropa erschreckt hatte, hatte man sich
erholt. Es ist ja schon beinahe eine Generation vorbei. Und man
konnte sich zustimmend zureden: War nicht die Sowjetunion 1986 ein
desolater Staat gewesen? Hatten nicht notorische Systemschwächen und
menschliches Versagen bei inferiorer Technologie zu dem Unfall
geführt? Schwächen, die es in Westeuropa nicht gibt?

Doch Fukushima, 25 Jahre später, ist ein ganz anderer Fall. Auch die
Physikerin Angela Merkel wird nachdenklich, wenn in einer
disziplinierten Hightech-Industrie die Dinge derartig außer Kontrolle
geraten können. Kann sie oder irgendjemand es denn ausschließen, dass
durch Naturkatastrophen oder Anschläge ein Inferno im Herzen Europas
ausgelöst wird?

Den ersten Menschenketten folgen schon die ersten Politiker aus den
eigenen Reihen. Die Opposition will ohnehin lieber heute als morgen
aussteigen.

Deutschland wird also den Ausstieg aus der Kernkrafttechnologie
beschleunigen. Das wird sich auf ganz Europa auswirken. Wenn der
größte und potenteste Staat Europas sich umorientiert, werden andere
folgen und folgen müssen.

Auch Gedanken an die noch viel schwerer zu beherrschende Kernfusion
wird man wohl endgültig ad acta legen.

Fukushima ist daher nicht nur ein regionaler Abwehrkampf gegen
Radioaktivität. Fukushima ist ein Fanal, ein Leuchtzeichen, das das
Ende einer 70-jährigen Ära einleitet. Rückzugsgefechte mag es noch
geben - der Kampf um die Energieform von morgen ist für
Kernkraftwerke verloren.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel