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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Öl, die Heuchler und die fossile Sackgasse" (von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 10.03.2011
Graz (OTS) - Ein Liter Benzin kostet jetzt also 1,50 Euro. Was
tun? Das Erreichen der magischen Preisgrenze hat hektische
Ratlosigkeit ausgelöst. Die Pendler, die Autofahrerklubs, die
Parteien: Sie alle starren auf die böse Preisschlange. Und tun so,
als sei man überrascht worden.
Das Gegenteil ist der Fall. Jeder weiß, dass Erdöl nicht ewig fließt.
Wir wissen um die Dynamik der Globalisierung, um den
Transportwahnsinn des globalen Handels, um den gigantischen Ölhunger
Chinas. Wir wissen auch nicht erst seit gestern, dass Petrodollars zu
Diktatoren fließen. Dass wir an der Tankstelle den obszönen Luxus der
Marke Dubai finanzieren. Wir haben 2008 ähnlich hohe Ölpreise erlebt
und sind tatenlos zur Tagesordnung zurückgekehrt, als uns die
Weltwirtschaftskrise eine kurze Atempause in Sachen Rohstoffknappheit
gewährte.
Natürlich stimmt der Hinweis, dass die hohen Ölpreise auf Spekulation
basieren. Dieser Hinweis verdeckt aber eine unbequeme Wahrheit: Die
Zeiten des billigen Öls sind auf jeden Fall vorbei. Gelingt es
diesmal, die Preisexplosion abzufangen, dann kracht es beim nächsten
Mal eben noch lauter. Laut Internationaler Energieagentur klafft
schon jetzt zwischen Nachfrage und Angebot eine Lücke von 15 Prozent.
Diese Lücke wächst weiter, wenn wir uns nicht beharrlich zu einem
anderen Lebensstil durchringen. Unser Wohlstand basiert auf der nicht
mehr haltbaren Voraussetzung des ewig billigen Öls. Wollen wir den
Wohlstand bewahren, dann müssen wir ihn rasch auf andere Fundamente
stellen. Deshalb ist es kurzsichtig und fatal, das Heil in
Steuersenkungen, höheren Autofahrerbeihilfen oder gar einer
Preisregelung (gefordert ausgerechnet von der angeblich
marktliberalen FPÖ!) zu suchen. Über Nebenwirkungen dieser
Beruhigungspillen informieren Gaddafi, Ben Ali und Osama Bin Laden.
Indem man die Illusion nährt, jeder Bürger könne in Sachen
Ölverbrauch eh so weitermachen wie bisher, jagt man die Menschen in
eine Sackgasse. Schon längst hätten wir anders re(a)gieren müssen: Wo
ist denn etwa ein aus Mineralölsteuergeld gespeister Fonds, der den
Menschen hilft, sich energieautark zu machen, öffentlichen Verkehr
und Fahrgemeinschaften zu stärken, die Heizsysteme umzustellen?
In einem Land, in dem monatlich 4.500 spritfressende SUV-Geländewagen
gekauft werden, muss man leider auch eine Verhaltensänderung
anmahnen. Dass weder die Lungen der Stadtkinder noch die Polkappen
der Erde so viel fossilen Egoismus aushalten, sei nur am Rande
erwähnt.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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