• 09.03.2011, 18:15:12
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine schöne Geschichte für die Wiener Börse - von Robert Lechner

Das IPO der Amag könnte ein echter Durchbruch werden

Wien (OTS) - Die Wiener Börse und jene, die für diesen Finanzplatz
Werbung machen müssen, haben schwere Zeiten hinter sich. Im Match der
Skeptiker gegen die Befürworter eines Engagements in rot-weiß-roten
Aktien lag der Spielstand bis vor kurzem bei einem recht eindeutigen
3:0. Nach den Skandalnotierungen von Meinl International Power und
Meinl Airports International und den diversen dubiosen
Immobilienaktien ist vielen die Lust auf Wiener Werte nachhaltig
vergangen. Zumal einige Fälle nach wie vor einer Aufklärung durch die
Justiz harren.

Auch in Sachen Privatisierungen hat sich zuletzt nichts mehr getan.
Teils aus politischen Gründen, teils, weil die interessante Story
fehlt. Solange das Land eine sozialdemokratisch dominierte Regierung
hat, wird es schwierig, Staatsvermögen an die Börse zu bringen. Dazu
kommt, dass Post, Telekom und OMV derzeit kaum strategische
Lichtblicke bieten. Das ewige Lied von der Dividendenstabilität der
Post lockt nur bedingt neue Interessenten hinter dem Ofen hervor.

Und auch eine sündteure Werbekampagne macht eine Telekom-Aktie nicht
zum heißen Eisen im Börse-Feuer. Ganz zu schweigen von der OMV-Aktie,
die sich zuletzt eher durch interessante Wertpapier-Deals des
Managements und der hohen Abhängigkeit von Öl aus Libyen in die Hirne
der Investoren gebrannt hat. Ausschlaggebend für das klare 3:0 gegen
die Wiener Börse sind schließlich Abgänge von der Kursliste. Gut,
Bwin kommt vor allem aus fusionstechnischen Gründen abhanden. Dass
man aber eine solide Paradeaktie wie Mayr-Melnhof aus dem Leitindex
kippt, ist - wie an dieser Stelle ja auch schon einmal erwähnt - ein
Eigentor.

Somit kommt die Nachricht vom Börsegang der Austria Metall AG (Amag)
gerade richtig. Dass sich das Unternehmen mehr als eine Milliarde
Euro frisches Geld vom Parkett holen will, hat gleich mehrfach
Charme. Neben der allgemeinen Belebung des Finanzplatzes steht auch
eine gute Investmentalternative ins Haus. Die Amag wäre nämlich ein
Titel, mit dem Investoren relativ leicht mit der Rohstoff-Hausse
mitschwimmen könnten. Nach der Pleite der A-Tec ist nämlich eine der
wenigen möglichen Rohstoff-Wetten in Österreich verloren gegangen.
Zudem zeigt sich, dass der Kapitalmarkt langsam wieder den
Stellenwert einer Finanzierungsalternative bekommt. Die Amag wäre der
erste Börsegang seit 2007.

Kenner der Szene sehen freilich auch jetzt noch genug Gründe, um auf
die Euphorie-Bremse zu treten. Wirklich auszuschließen ist es nicht,
dass der Schritt an die Öffentlichkeit nicht auch ein Schachzug ist,
um den Preis für strategische Investoren in in die Höhe zu treiben.
Es wird ja bereits seit Längerem nach einem Käufer für die Amag
gesucht. Die Chancen stehen aber gut, dass die schöne Geschichte vom
IPO der Amag ein Happy End hat.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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