- 09.03.2011, 11:59:50
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NEWS: Muammar Gaddafi im Interview - "Ich oder al-Qaida"
Diktator fordert Unterstützung Europas, ansonsten drohe Dschihad im Mittelmeer
Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS bringt in der aktuellen
Ausgabe ein Interview mit Libyens Diktator Muammar Gaddafi, geführt
am 5. März in Gaddafis Residenz in Tripolis. Im 52-minütigen Gespräch
erklärt Gaddafi, dass die Aufstände in Libyen eine Inszenierung
al-Qaidas seien und fordert die Unterstützung Europas in seinem
angeblichen "Kampf gegen den Terrorismus."
Die Aufstände in Libyen, so der Diktator, seien eine geplante
Aktion al-Qaidas ohne Beteiligung der libyschen Bevölkerung: "Als die
Unruhen in Tunesien und Ägypten ausbrachen, wollte al-Qaida
profitieren und hat ihren Zellen den Befehl gegeben, aktiv zu
werden." Die al-Qaida-Kämpfer kämen, so Gaddafi, aus Irak,
Afghanistan und Guantanamo. Sie hätten die Jugendlichen in Benghazi
mit halluzinogenen Pillen zum Kampf bewegt.
Gaddafi streitet Demonstrationen und Tote ab: "Es hat in Libyen
keine Demonstrationen gegeben! Und niemand hat auf Demonstranten
geschossen!" Die Situation in Tunesien und Ägypten habe mit Libyen
nichts zu tun: "Wir haben keinen Präsidenten, der zurücktreten
könnte, kein Parlament, das man auflösen könnte, keine Wahlen, die
man fälschen, keine Verfassung, die man ändern könnte. Wir haben
keine Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, denn hier ist es das
Volk, das entscheidet." Die Zahl der Toten gibt er mit 200 bis 250
an, wovon die Hälfte Polizisten und Soldaten seien. Zur Überprüfung
fordert er eine Untersuchungskommission der UNO. "Der Sicherheitsrat
hat sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes nicht
einzumischen. Hier überschreitet er seine Rechte. Wenn er sich
einmischen will, soll er eine Untersuchungskommission schicken, ich
bin dafür. Bis dahin betrachte ich die UN-Resolution als nichtig."
Zur Forderung von US-Präsidenten Barack Obamas nach seinem
Rücktritt sagt Gaddafi schlicht: "Wovon soll ich zurücktreten? Wohin
will er, dass ich gehe?"
"Dschihad im Mittelmeer"
Von Europa fordert Gaddafi Unterstützung in seinem angeblichen
Kampf gegen Terrorismus. "Dem Regime in Libyen geht es gut. Es ist
stabil. Wenn man uns aber droht, wenn man uns destabilisiert, dann
gehen wir in Richtung Unordnung, in Richtung Bin Laden, von
bewaffneten Gruppen." Gaddafi präsentiert sich als einziges Bollwerk
gegen Islamismus und zeichnet ein düsteres Szenario für Europa,
sollte er nicht unterstützt werden: "Ihr werdet Einwanderung haben,
Tausende Menschen werden von Libyen aus in Europa einfallen. Und es
wird niemanden mehr geben, der sie aufhält. Ihr werdet Bin Laden vor
Eurer Türe haben. (...) Es wird direkt vor Eurer Nase islamischen
Dschihad geben, im Mittelmeer. Sie werden die 6. US-Amerikanische
Flotte angreifen, es wird Piraterie geben, hier, vor euren Grenzen.
(..) Das wird eine globale Krise, eine Katastrophe für die ganze
Welt."
"Es ist nicht im Interesse des Westens, sich auf diese Art
einzumischen. Im Gegenteil: Die Amerikaner, die Russen, die Europäer
- sie sollten uns helfen. Sonst werden ihre Unternehmen von
bewaffneten Gruppen vor die Türe gesetzt und ihr habt hier Inder und
Chinesen. Dann kann sich Europa von Libyen verabschieden. Ich fordere
Sie auf, sich das noch einmal gut zu überlegen."
Auf die Sperre seiner Konten angesprochen, reagiert Gaddafi,
dessen Clan Vermögen auf 150 Milliarden Dollar geschätzt wird,
unwirsch: "Ich fordere Sie auf, mir zu beweisen, dass ich auch nur
einen einzigen Dinar besitze! Diese Sperre der Konten ist ein Akt der
Piraterie gegen das Vermögen des libyschen Staates. (...) Ich habe
ein ruhiges Gewissen. Ich besitze nur dieses Zelt."
Das Interview wurde am 5. März, in Muammar Gaddafis Residenz in
Tripolis vom französischen Journalisten Laurent Valdiguié für NEWS
und Journal du Dimanche geführt.
Rückfragehinweis:
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Tel.: (01) 213 12 DW 1103
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