ÖSTERREICH: Plagiatsjäger: "Hahn hat Doktorarbeit zu 90 Prozent 1:1 übernommen"

Neue Plagiatsvorwürfe - EU-Kommissar Hahn verteidigt sich in ÖSTERREICH: "Arbeit ist kein Plagiat"

Wien (OTS) - Nach der Plagiats-Affäre um den deutschen Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg nehmen die österreichischen "Plagiatsjäger" nun auch die Doktorarbeit von EU-Kommissar Johannes Hahn ("Perspektiven der Philosophie heute") ins Visier. Gerhard Fröhlich, Professor an der Universität Linz, erklärt in ÖSTERREICH (Sonntagsausgabe), dass er Hahns Arbeit derzeit genau untersuche: "Er hat keine eigene geistige Leistung erbracht. Die Arbeit ist zu 90 Prozent 1:1 von anderen übernommen. Er hat nur alle paar Seiten Fußnoten oder Anführungszeichen gesetzt, das ist nicht korrekt."
Auch der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber ist der Meinung, dass es sich bei Hahns Arbeit um ein Plagiat handelt: "Bisher kann ich sagen, dass es sich wahrscheinlich um ein Plagiat handelt. Ein Textsegment wird zitiert, die nächsten Absätze werden nicht zitiert, stammen aber fast wörtlich aus der Originalquelle." Hahn soll beispielsweise Passagen von den Autoren Leopold Kohr und Alexander Mitscherlich nahezu wortwörtlich übernommen haben.
Fröhlich und Weber fordern nun, dass Hahns Arbeit von der Universität Wien auf Plagiatsverdacht geprüft werden soll. Bisher ist das nicht geschehen, die Arbeit wurde 2007 von der Universität Zürich geprüft, weil Hahn damals Wissenschaftsminister war.
Der jetzige EU-Kommissar weist im ÖSTERREICH-Interview alle Vorwürfe zurück: "Die Vorwürfe sind Schwachsinn. Ich habe die Arbeit zuerst händisch verfasst, dann abgetippt. Niemand schreibt hundert Seiten ab. Ich habe 440 Zitate in meiner Arbeit gehabt. Zudem hat die Uni Zürich bereits 2007 festgestellt, dass es sich um kein Plagiat handelt." Hahn weiter: "Ich habe schon in meiner Einleitung erwähnt, dass ich eine essayistische Form wähle, und dann mit Zitaten gearbeitet und fallweise paraphrasiert. Man muss meine Arbeit auch im Kontext der Zeit sehen."

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