- 03.03.2011, 18:15:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: ATX hat einen Qualitätswert verloren - von Jochen Hahn
Mayr-Melnhof wirft man einfach nicht aus dem Leitindex
Wien (OTS) - Das ATX-Komitee hat gesprochen. Ab 21. März erhält
der heimische Leitindex ein neues Gesicht. Und über das lässt sich
vortrefflich streiten. Mit der Aufnahme der drei hochkapitalisierten
Immobilien-Konzerne Immofinanz, Conwert und CA Immo sind wir durchaus
zufrieden. Das ist auch ein wirkliches Novum, denn bislang waren
Immo-Konzerne im ATX tabu. Warum, ist uns zwar bis heute nicht klar,
aber das ist ohnehin Schnee von gestern.
Etwas unglücklich finden wir dagegen die Auswahl von einem der drei
Absteiger, denn da lässt sich auch formal ein Einspruch finden. Im
Indexregelwerk steht nämlich, dass es nur die 25 liquidesten und 25
höchst kapitalisierten Aktien (gemessen am Streubesitz) in den Index
schaffen dürfen. Wirft man allerdings einen Blick auf die
entscheidende Beobachtungsliste für Februar, fällt auf, dass
Intercell in puncto Market-Cap als 26. ein Kriterium nicht erfüllt.
Trotzdem bleibt Intercell Mitglied des ATX. Das heißt, die
Beobachtungsliste wurde ex-Bwin heran gezogen, da offenbar schon
vorab entschieden wurde, dass Bwin den Leitindex aufgrund des
anstehenden Umzugs nach London verlassen muss. Das hätte man der
Ordnung halber aber bei der Veröffentlichung der Liste bekannt geben
müssen.
Zum Handkuss kam dadurch leider ein Traditionskonzern, der noch dazu
branchenmäßig eine Alleinstellung im ATX innehat, nämlich
Mayr-Melnhof. Beim Handelsumsatz belegte der Papierkonzern im Februar
den 23. Platz, beim Market-Cap allerdings den abgesicherten 13. So
jemanden wirft man einfach nicht aus dem Leitindex.
Die Damen und Herren des Komitees sollten bei der Auswahl zudem auch
auf gewisse Qualitätskriterien achten. Denn Mayr-Melnhof ist ein
hochsolider Konzern, dessen langjährige Börseperformance ebensolche
Bände spricht. Demgegenüber steht mit Intercell ein Unternehmen, das
laufend die Erwartungen verfehlt, Verluste schreibt und in den
vergangenen Monaten auch kursmäßig nur durch Crashs von sich reden
machte und über dessen Zukunft sich die Geister scheiden (siehe auch
Gastkommentar rechts).
Dafür ist der Abschied des Flughafen Wien - auch aus Hygienegründen -
zu begrüßen. Ein Konzern, der derart am Gängelband der Politik hängt,
ist wahrlich kein Ruhmesblatt für den ATX.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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