WirtschaftsBlatt-Leitartikel: ATX hat einen Qualitätswert verloren - von Jochen Hahn

Mayr-Melnhof wirft man einfach nicht aus dem Leitindex

Wien (OTS) - Das ATX-Komitee hat gesprochen. Ab 21. März erhält der heimische Leitindex ein neues Gesicht. Und über das lässt sich vortrefflich streiten. Mit der Aufnahme der drei hochkapitalisierten Immobilien-Konzerne Immofinanz, Conwert und CA Immo sind wir durchaus zufrieden. Das ist auch ein wirkliches Novum, denn bislang waren Immo-Konzerne im ATX tabu. Warum, ist uns zwar bis heute nicht klar, aber das ist ohnehin Schnee von gestern.

Etwas unglücklich finden wir dagegen die Auswahl von einem der drei Absteiger, denn da lässt sich auch formal ein Einspruch finden. Im Indexregelwerk steht nämlich, dass es nur die 25 liquidesten und 25 höchst kapitalisierten Aktien (gemessen am Streubesitz) in den Index schaffen dürfen. Wirft man allerdings einen Blick auf die entscheidende Beobachtungsliste für Februar, fällt auf, dass Intercell in puncto Market-Cap als 26. ein Kriterium nicht erfüllt.

Trotzdem bleibt Intercell Mitglied des ATX. Das heißt, die Beobachtungsliste wurde ex-Bwin heran gezogen, da offenbar schon vorab entschieden wurde, dass Bwin den Leitindex aufgrund des anstehenden Umzugs nach London verlassen muss. Das hätte man der Ordnung halber aber bei der Veröffentlichung der Liste bekannt geben müssen.

Zum Handkuss kam dadurch leider ein Traditionskonzern, der noch dazu branchenmäßig eine Alleinstellung im ATX innehat, nämlich Mayr-Melnhof. Beim Handelsumsatz belegte der Papierkonzern im Februar den 23. Platz, beim Market-Cap allerdings den abgesicherten 13. So jemanden wirft man einfach nicht aus dem Leitindex.

Die Damen und Herren des Komitees sollten bei der Auswahl zudem auch auf gewisse Qualitätskriterien achten. Denn Mayr-Melnhof ist ein hochsolider Konzern, dessen langjährige Börseperformance ebensolche Bände spricht. Demgegenüber steht mit Intercell ein Unternehmen, das laufend die Erwartungen verfehlt, Verluste schreibt und in den vergangenen Monaten auch kursmäßig nur durch Crashs von sich reden machte und über dessen Zukunft sich die Geister scheiden (siehe auch Gastkommentar rechts).

Dafür ist der Abschied des Flughafen Wien - auch aus Hygienegründen -zu begrüßen. Ein Konzern, der derart am Gängelband der Politik hängt, ist wahrlich kein Ruhmesblatt für den ATX.

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