"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Grünen wollen gar nicht wachsen" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 25.02.2011

Graz (OTS) - Die Bundesregierung wurstelt herum. Die FPÖ
schaut schon genauso groß aus, wie die früheren Großparteien; rechnet man das BZÖ dazu, liegt das dritte Lager an erster Stelle. Warum profitieren die Blauen von der rot-schwarzen Schwäche, nicht aber die Grünen? Zweitere liegen zwar drei Prozent über ihrem Wert von der letzten Nationalratswahl, dort waren sie aber - in Umfragen - schon oft.

Den Befund nur darauf zurückzuführen, dass die Österreicher ausländerfeindlich seien, es für Politiker leichter sei, Ressentiments als das Gewissen anzusprechen, ist zu plump. Wie ihr früherer Name sagt: Die Alternativen wollen die bessere, klügere, coolere Alternative sein. Sie wollen gar nicht wachsen. Absurd? Vielleicht überspitzt formuliert, aber Mandatare der dritten Reihe sagen es mitunter selbst: "Es geht uns nicht um Stimmenmaximierung. Wir wollen die richtigen Wähler."

Wer in ein Café, auf ein Fest mit fremden Leuten, an einen neuen Arbeitsplatz kommt, kennt den Effekt: Binnen weniger Augenblicke fühlt man sich willkommen geheißen oder nicht. Betrachtet man eine Partei wie die Gruppe am Stammtisch, fühlen sich viele Wähler von den Grünen abgeschreckt, wenn nicht ausgegrenzt. Zumal jene, die sich von SPÖ und ÖVP abgewandt haben, generell das Gefühl haben, im Leben zu kurz zu kommen, keine Chance zu haben, nicht dazuzugehören. Deshalb finden sich auch Kinder oder Enkel von Einwanderern unter ihnen.

Sie wählten die FPÖ unter Jörg Haider, weil sie hofften, dieser werde sie quasi erlösen. Sie wählen die FPÖ unter Heinz-Christian Strache, weil er suggeriert: Ich bin stolz auf euch, bloß weil ihr Österreicher seid. Ihr gehört dazu! Wozu? Das diffuse Wir-Gefühl braucht einen Sündenbock, einen Außenfeind: die Ausländer -jedenfalls die Gruppe, die als letzte ins Land gekommen ist.
Mit Eva Glawischnig haben die Grünen die perfekte Bundessprecherin. Im persönlichen Gespräch eine herzliche, lustige Frau, wirkt sie im Fernsehen spröde, abweisend. Tritt sie in der Öffentlichkeit auf, trägt sie eine kühle Maske.

Im Gegensatz zu den Regierungsparteien haben es die Grünen auch nicht geschafft, ein Netzwerk in verschiedene Richtungen zu knüpfen. Die relativ homogene Gruppe bleibt meist unter sich.

Die Grünen wollen die FPÖ-Wähler ohnehin nicht. Ihr Potenzial sind elitäre SPÖ- und ÖVP-Sympathisanten. Den Unzufriedenen, die sich am Rande der Gesellschaft wähnen, diesen neue Hoffnung zu geben, das wäre die Aufgabe der SPÖ.****

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