• 24.02.2011, 20:20:27
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Grünen wollen gar nicht wachsen" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 25.02.2011

Graz (OTS) - Die Bundesregierung wurstelt herum. Die FPÖ
schaut schon genauso groß aus, wie die früheren Großparteien; rechnet
man das BZÖ dazu, liegt das dritte Lager an erster Stelle. Warum
profitieren die Blauen von der rot-schwarzen Schwäche, nicht aber die
Grünen? Zweitere liegen zwar drei Prozent über ihrem Wert von der
letzten Nationalratswahl, dort waren sie aber - in Umfragen - schon
oft.

Den Befund nur darauf zurückzuführen, dass die Österreicher
ausländerfeindlich seien, es für Politiker leichter sei,
Ressentiments als das Gewissen anzusprechen, ist zu plump. Wie ihr
früherer Name sagt: Die Alternativen wollen die bessere, klügere,
coolere Alternative sein. Sie wollen gar nicht wachsen. Absurd?
Vielleicht überspitzt formuliert, aber Mandatare der dritten Reihe
sagen es mitunter selbst: "Es geht uns nicht um Stimmenmaximierung.
Wir wollen die richtigen Wähler."

Wer in ein Café, auf ein Fest mit fremden Leuten, an einen neuen
Arbeitsplatz kommt, kennt den Effekt: Binnen weniger Augenblicke
fühlt man sich willkommen geheißen oder nicht. Betrachtet man eine
Partei wie die Gruppe am Stammtisch, fühlen sich viele Wähler von den
Grünen abgeschreckt, wenn nicht ausgegrenzt. Zumal jene, die sich von
SPÖ und ÖVP abgewandt haben, generell das Gefühl haben, im Leben zu
kurz zu kommen, keine Chance zu haben, nicht dazuzugehören. Deshalb
finden sich auch Kinder oder Enkel von Einwanderern unter ihnen.

Sie wählten die FPÖ unter Jörg Haider, weil sie hofften, dieser werde
sie quasi erlösen. Sie wählen die FPÖ unter Heinz-Christian Strache,
weil er suggeriert: Ich bin stolz auf euch, bloß weil ihr
Österreicher seid. Ihr gehört dazu! Wozu? Das diffuse Wir-Gefühl
braucht einen Sündenbock, einen Außenfeind: die Ausländer -
jedenfalls die Gruppe, die als letzte ins Land gekommen ist.
Mit Eva Glawischnig haben die Grünen die perfekte Bundessprecherin.
Im persönlichen Gespräch eine herzliche, lustige Frau, wirkt sie im
Fernsehen spröde, abweisend. Tritt sie in der Öffentlichkeit auf,
trägt sie eine kühle Maske.

Im Gegensatz zu den Regierungsparteien haben es die Grünen auch nicht
geschafft, ein Netzwerk in verschiedene Richtungen zu knüpfen. Die
relativ homogene Gruppe bleibt meist unter sich.

Die Grünen wollen die FPÖ-Wähler ohnehin nicht. Ihr Potenzial sind
elitäre SPÖ- und ÖVP-Sympathisanten. Den Unzufriedenen, die sich am
Rande der Gesellschaft wähnen, diesen neue Hoffnung zu geben, das
wäre die Aufgabe der SPÖ.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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