• 20.02.2011, 16:03:02
  • /
  • OTS0052 OTW0052

"Das Vorbild eines Bischofs, wie ihn Kirche, Gesellschaft und Menschen brauchen"

Weihbischof Krätzl zelebrierte im Wiener Stephansdom Gedächtnisgottesdienst für Erzbischof Zycinski

Wien (OTS) - Wien, 20.02.11 (PEW) "Erzbischof Jozef Zycinski war
das Vorbild eines Bischofs, wie ihn gerade heute die Kirche, die
Gesellschaft und die Menschen brauchen": Dies betonte Weihbischof
Helmut Krätzl am Samstag im Wiener Stephansdom bei einem
Gedächtnisgottesdienst für den plötzlich verstorbenen polnischen
Erzbischof. Krätzl war mit Zycinski besonders verbunden: Aus
persönlicher Freundschaft , aber auch im Hinblick auf den Einsatz des
Lubliner Erzbischofs für das kirchliche Institut "Janineum", dessen
Präsident der Wiener Weihbischof viele Jahre hindurch war.

Zycinski sei "ganz mit der Entwicklung der Kirche" mitgegangen,
betonte Krätzl. Er sei bei aller Grundsatztreue zu großer Toleranz
"bereit und fähig" gewesen. Wörtlich sagte der Wiener Weihbischof:
"Zycinski trat gegen jede Form des Nationalismus auf, gegen
Fremdenhass und Antisemitismus, wozu durchaus auch sich fromm
dünkende Katholiken manchmal neigen. Er weihte ständige Diakone und
ließ Frauen zum Lektorendienst zu. Er ging in Liturgie und Theologie
den Weg, den die Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil für die
Zukunft gewiesen hat".

Wie nur wenige Bischöfe in Polen habe Zycinski - "ein hervorragender
Wissenschaftler und einer der profiliertesten Köpfe der Kirche
Polens" - auch die "große Wende der Kirche" durch das Konzil
mitgemacht, erinnerte Krätzl.
In seiner ganzen Laufbahn habe Zycinski die Wissenschaft nie
aufgegeben und "Hirtenamt und Lehramt auf diese Weise vereinigt".
Glaube und Welt, Wissenschaft, Philosophie und Theologie seien für
den verstorbenen Erzbischof von Lublin und Großkanzler der
Katholischen Universität Lublin untrennbar verbunden gewesen. Auf
diesem Hintergrund sei es Zycinski schon als junger Theologe möglich
gewesen, während der kommunistischen Herrschaft die Jugend
anzusprechen, "weil er weltoffen war, aus dem Leben kommend, und weil
er Wissenschaft und Glaube bei aller notwendigen Eigenständigkeit
miteinander so fruchtbar ins Gespräch brachte".

Krätzl unterstrich die besondere Verbindung Zycinskis mit Österreich.
Diese Verbindung habe einerseits dem 1957 von Lonny Glaser
begründeten Institut "Janineum" gegolten, durch das tausenden
Wissenschaftlern und Künstlern zunächst aus Polen, dann auch aus
anderen Reformstaaten Österreich-Aufenthalte ermöglicht wurden (Lonny
Glaser war beim Gedächtnisgottesdienst im Stephansdom anwesend,
ebenso wie der polnische Botschafter Jerzy Marganski). Zycinski sei
ein guter "Motor" im "Janineum" gewesen und durch seine Theologie und
Philosophie auch ein "Brückenbauer".

Die Gespräche mit Zycinski hätten immer den Denkhorizont erweitert,
aber vielleicht habe der Kontakt mit Österreich auch dem polnischen
Bischof geholfen, sagte der Wiener Weihbischof und erinnerte
insbesondere an die Verehrung Zycinskis für Kardinal Franz König.
Offensichtlich habe Zycinski viel aus der Verehrung von Kardinal
König gelernt: "Weltoffenheit, respektvolles Interesse an anderen
Religionen, auch das Gespräch mit sogenannten Nichtglaubenden". Von
König habe der polnische Erzbischof wohl auch die Interpretation des
Zweiten Vatikanischen Konzils übernommen und die Verpflichtung, im
Geist des Konzils die Kirche weiter zu entfalten.

Im Hinblick auf die Lesung aus dem Evangelium sagte Bischof Krätzl,
Zycinski habe sein Hirtenamt im Geiste Jesu ausgeübt, "der nicht
geherrscht, sondern gedient hat". Der polnische Erzbischof habe dem
Bild vom "wachen Knecht" entsprochen: "Er war immer hell wach, was
die Vorgänge in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche anging".
Von der heute mitunter verbreiteten "Müdigkeit der Kirche" sei bei
Zycinski nie etwas zu spüren gewesen. Für "Junge und Alte, Gläubige
und Suchende" sei der verstorbene Erzbischof von Lublin eine
"brennende Lampe" gewesen. Wörtlich sagte der Wiener Weihbischof in
diesem Zusammenhang: "Er sei uns Vorbild, wach zu bleiben, gerade
auch in dieser bewegten Zeit, damit wir die Zeichen der Zeit nicht
übersehen und nicht verschlafen, was uns Gott schon längst sagen
will". (forts mgl)

Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 0664/515 52 69
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EDW

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel