"Das Vorbild eines Bischofs, wie ihn Kirche, Gesellschaft und Menschen brauchen"

Weihbischof Krätzl zelebrierte im Wiener Stephansdom Gedächtnisgottesdienst für Erzbischof Zycinski

Wien (OTS) - Wien, 20.02.11 (PEW) "Erzbischof Jozef Zycinski war
das Vorbild eines Bischofs, wie ihn gerade heute die Kirche, die Gesellschaft und die Menschen brauchen": Dies betonte Weihbischof Helmut Krätzl am Samstag im Wiener Stephansdom bei einem Gedächtnisgottesdienst für den plötzlich verstorbenen polnischen Erzbischof. Krätzl war mit Zycinski besonders verbunden: Aus persönlicher Freundschaft , aber auch im Hinblick auf den Einsatz des Lubliner Erzbischofs für das kirchliche Institut "Janineum", dessen Präsident der Wiener Weihbischof viele Jahre hindurch war.

Zycinski sei "ganz mit der Entwicklung der Kirche" mitgegangen, betonte Krätzl. Er sei bei aller Grundsatztreue zu großer Toleranz "bereit und fähig" gewesen. Wörtlich sagte der Wiener Weihbischof:
"Zycinski trat gegen jede Form des Nationalismus auf, gegen Fremdenhass und Antisemitismus, wozu durchaus auch sich fromm dünkende Katholiken manchmal neigen. Er weihte ständige Diakone und ließ Frauen zum Lektorendienst zu. Er ging in Liturgie und Theologie den Weg, den die Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil für die Zukunft gewiesen hat".

Wie nur wenige Bischöfe in Polen habe Zycinski - "ein hervorragender Wissenschaftler und einer der profiliertesten Köpfe der Kirche Polens" - auch die "große Wende der Kirche" durch das Konzil mitgemacht, erinnerte Krätzl.
In seiner ganzen Laufbahn habe Zycinski die Wissenschaft nie aufgegeben und "Hirtenamt und Lehramt auf diese Weise vereinigt". Glaube und Welt, Wissenschaft, Philosophie und Theologie seien für den verstorbenen Erzbischof von Lublin und Großkanzler der Katholischen Universität Lublin untrennbar verbunden gewesen. Auf diesem Hintergrund sei es Zycinski schon als junger Theologe möglich gewesen, während der kommunistischen Herrschaft die Jugend anzusprechen, "weil er weltoffen war, aus dem Leben kommend, und weil er Wissenschaft und Glaube bei aller notwendigen Eigenständigkeit miteinander so fruchtbar ins Gespräch brachte".

Krätzl unterstrich die besondere Verbindung Zycinskis mit Österreich. Diese Verbindung habe einerseits dem 1957 von Lonny Glaser begründeten Institut "Janineum" gegolten, durch das tausenden Wissenschaftlern und Künstlern zunächst aus Polen, dann auch aus anderen Reformstaaten Österreich-Aufenthalte ermöglicht wurden (Lonny Glaser war beim Gedächtnisgottesdienst im Stephansdom anwesend, ebenso wie der polnische Botschafter Jerzy Marganski). Zycinski sei ein guter "Motor" im "Janineum" gewesen und durch seine Theologie und Philosophie auch ein "Brückenbauer".

Die Gespräche mit Zycinski hätten immer den Denkhorizont erweitert, aber vielleicht habe der Kontakt mit Österreich auch dem polnischen Bischof geholfen, sagte der Wiener Weihbischof und erinnerte insbesondere an die Verehrung Zycinskis für Kardinal Franz König. Offensichtlich habe Zycinski viel aus der Verehrung von Kardinal König gelernt: "Weltoffenheit, respektvolles Interesse an anderen Religionen, auch das Gespräch mit sogenannten Nichtglaubenden". Von König habe der polnische Erzbischof wohl auch die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils übernommen und die Verpflichtung, im Geist des Konzils die Kirche weiter zu entfalten.

Im Hinblick auf die Lesung aus dem Evangelium sagte Bischof Krätzl, Zycinski habe sein Hirtenamt im Geiste Jesu ausgeübt, "der nicht geherrscht, sondern gedient hat". Der polnische Erzbischof habe dem Bild vom "wachen Knecht" entsprochen: "Er war immer hell wach, was die Vorgänge in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche anging". Von der heute mitunter verbreiteten "Müdigkeit der Kirche" sei bei Zycinski nie etwas zu spüren gewesen. Für "Junge und Alte, Gläubige und Suchende" sei der verstorbene Erzbischof von Lublin eine "brennende Lampe" gewesen. Wörtlich sagte der Wiener Weihbischof in diesem Zusammenhang: "Er sei uns Vorbild, wach zu bleiben, gerade auch in dieser bewegten Zeit, damit wir die Zeichen der Zeit nicht übersehen und nicht verschlafen, was uns Gott schon längst sagen will". (forts mgl)

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