• 18.02.2011, 20:26:11
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Schattenkanzler wirft nun selbst Schatten" (von Ingo Hasewend)

Ausgabe vom 19.02.2011

Graz (OTS) - Im Internet ist ein Streit unter deutschen
Journalisten ausgebrochen: Wer nie einen Gedanken abgekupfert, einen
fremden Satz je nicht als Zitat gekennzeichnet hat, der werfe den
ersten Stein auf den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg. Die Steine flogen - trotzdem.

Als "Gutt and Paste" wurde seine Methode des "Cut and Paste"
verspottet, also sein Ausschneiden von fremden Textteilen und
Einfügen in seine eigene Doktorarbeit. Es wurde der Buchtitel seines
gleichnamigen Großvaters im Streit um nicht gesetzte Anmerkungen in
der Dissertation zitiert: "Fußnoten"! - erschienen im Geburtsjahr des
adligen Ministers 1971.

Wer viel Erfolg hat, hat auch viele Neider, und die finden sich nicht
nur in der Opposition und in den eigenen politischen Reihen der
Unionsparteien sondern eben auch unter Journalisten.

Doch die werfen nicht mit Steinen und Dreck auf die Lichtgestalt der
deutschen Politik, weil eine Doktorarbeit und ein Zeitungsartikel
unvergleichbar sind. Es geht vor allem um die Person des beliebtesten
Politikers, den Deutschland derzeit im aktiven Dienst hat. Denn
Guttenbergs Ruf lässt sich gerade von seinen Charaktereigenschaften
ableiten, die das deutsche Wahlvolk bisher seinen Worten beigemessen
hat. Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Authentizität,
Integrität.

Doch allein seine magere Erklärung vor ausgewählten Journalisten in
Berlin lässt das Vertrauen in seine Glaubwürdigkeit erschüttern. Die
meisten Medienschaffenden haben den Vormittag auf jenen
Befreiungsschlag gewartet, den sie von der Kundus-Affäre, der Affäre
um geöffnete Feldpost und der Gorch-Fock-Affäre her kannten. Wer
überhaupt den eilig einberufenen Termin wahrnehmen konnte, hat einen
derangierten Minister erlebt, der mit den auf ihn gerichteten Kameras
erstmals nicht angemessen flirten konnte.

Es steht nun die Frage im Raum: Wenn Guttenberg bei seiner
Doktorarbeit geblufft hat, kann man ihm dann noch als
Verteidigungsminister und als obersten Befehlshaber des Heers
vertrauen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen, wenn er das ist, was
viele in ihm sehen: Wunschkanzler der Zukunft. Diese Frage muss sich
vor allem nun eine stellen, die von seinem Glanz profitiert, ihn
protegiert und oft geschützt hat: Die Jetzt-Kanzlerin Angela Merkel.
Es stehen sieben deutsche Wahlen an und die Regierung hat sich in
Umfragen gerade gefangen. Da kann ein falscher Doktor die heilenden
Wunden der Vormonate schnell wieder aufreißen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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