Industrie will Beitrag zur Versachlichung der Bildungsdiskussion leisten

IV-Präsident Sorger: IV unterstützt Bildungsvolksbegehren "Österreich darf nicht sitzen bleiben" - Industrie will Schulsystem, das qualitativ besser ist als das Gegenwärtige

Wien (OTS/PdI) - "Bildung ist DAS zentrale Thema für die Gesellschaft wie für den Industrie- und Arbeitsstandort. Das ist auch der Grund, warum wir als Industriellenvereingigung seit Jahrzehnten einen unserer Arbeitsschwerpunkte auf das Thema Bildung legen. Die Zukunft dieses Landes entscheidet sich eben auch in den Klassenzimmern und Hörsälen", betonte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Dr. Veit Sorger, heute, Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Initiator des Bildungsvolksbegehrens "Österreich darf nicht sitzen bleiben", Dr. Hannes Androsch. Die Industrie wolle eine sachliche und notwendige Diskussion über bessere Bildung und Ausbildung führen, daher "unterstützen wir auch das Bildungsvolksbegehren", so Sorger.

Insbesondere die Ergebnisse der jüngsten PISA-Tests seien ein unüberhörbarer Weckruf für die heimische Bildungspolitik und würden den Handlungsbedarf klar aufzeigen. Vor allem hinsichtlich der eklatanten Defizite im naturwissenschaftlich-technischen Bereich und beim Lesen sei keine Zeit zu verlieren, "ansonsten ist auch der Innovationsstandort Österreich massiv gefährdet", betonte der IV-Präsident. Die Industrie habe nicht zuletzt mit "Schule 2020" bereits vor einiger Zeit ein strategisches Reform-Konzept vorgelegt, wie das österreichische Schulwesen von morgen gestaltet werden müsse, damit Talente und Begabungen der Jugend erkannt und gefördert würden. Unter anderem müsse die Schulautonomie erhöht, Verwaltungsstrukturen und das Lehrerdienstrecht vereinheitlicht werden und eine verbesserte Lehreraus- und -weiterbildung umgesetzt werden. "Die Industrie will den Neuaufbau eines Schulsystems, das besser ist als das gegenwärtige." Im Mittelpunkt müssten die Bedürfnisse und Chancen der Schülerinnen und Schüler stehen. Zentral sei daher bei der Schuldebatte für die Industrie nicht, was auf den jeweiligen Bildungseinrichtungen draufstehe, sondern wichtig sei, was drinnen passiere.

Die Industrie will eine neue Schule,
- die Leistungsdifferenzierung sicherstellt,
- die individuelle Fähigkeiten, Talente und Begabungen fördert,
- die mit regelmäßiger externer Leistungskontrolle für Schüler und Lehrer arbeitet,
- die Autonomie lebt und Posten ohne parteipolitischen Einfluss besetzt,
- die im Endausbau auch eine gemeinsame Schule der 10 bis 14jährigen sein kann, die im Endergebnis aber eine Qualitätsverbesserung sein muss und keine Nivellierung nach unten bedeuten darf.

Auch bei den Universitäten und Hochschulen gibt es großen Handlungsbedarf. Diese müssen exzellente Einrichtungen für Lehre, Wissenschaft und Forschung sein, damit Österreich als Innovationsstandort "vorne mitspielen kann. Wir brauchen Eingangsphasen und auch eine bessere Steuerung des Studenten-Zustroms zu den einzelnen Fächern, da 60 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger derzeit nur zehn Prozent der Studienrichtungen wählen", so Sorger. Dies führe dazu, dass es an Absolventinnen und Absolventen naturwissenschaftlicher und technischer Studienrichtungen mangelt -"ein Wettbewerbsnachteil für das Industrieland Österreich und uns alle". Sorger: "Wir treten nach wie vor für Studienbeiträge ein, wobei kein fähiger junger Mensch aus finanziellen Gründen vom Studium abgehalten werden darf. Dazu könnte auch ein kreditfinanziertes Stipendien-Modell angedacht werden."

Bildungsvolksbegehren kann entscheidender Anstoß zu Bildungsreformen geben

"Wir verstehen unser bildungspolitisches Engagement als Beitrag zur Versachlichung der Bildungsdiskussion. Es muss jedenfalls alles daran gesetzt werden, dass es bei dem zentralen Zukunftsthema Bildung auf allen Seiten nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt", so Sorger. Vor diesem Hintergrund habe die Industriellenvereinigung beschlossen, das Volksbegehren "Österreich darf nicht sitzen bleiben" zu unterstützen. "Daraus kann aber keinesfalls geschlossen werden, dass wir von unseren Kernforderungen bei Studienbeiträgen und Zugangsregelungen bei den Universitäten abrücken. Auch kann daraus nicht geschlossen werden, dass die IV eine Gesamtschule im klassischen Sinne unterstützt."

Der Text enthalte wichtige Anliegen für den Standort Österreich, keine offensichtlich parteipolitisch gefärbten Forderungen und decke die von der IV gewünschte Breite ab, auch wenn nicht alle Notwendigkeiten für den Bildungs- und Industriestandort Österreich angeführt seien. Jedenfalls sei die IV-Forderung nach Qualitätsverbesserung und generellem Anheben des Niveaus der Schulen in dem Text verankert.

Die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften bestimme maßgeblich die Attraktivität des Innovations- und Wirtschaftsstandortes sowie ob und in welchem Ausmaß an einem Standort investiert werde. Die Investitionen am Standort entscheiden wiederum über den Wohlstand, die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung im Wettbewerb.

"Daher wollen und brauchen wir Bildungsreformen, um die Attraktivität des Wirtschafts- und Innovationsstandortes Österreich und den Menschen in diesem Land weiterhin die gewohnte hohe Lebensqualität und den hohen Lebensstandard zu erhalten. Das Bildungsvolksbegehren kann dafür einen entscheidenden Anstoß geben", sagte Sorger abschließend.

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