WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Russland-Rally: Vorsicht vor zu großer Euphorie - von André Ballin

Russlands Automarkt wurde von der Verschrottungsprämie getrieben

Wien (OTS) - Die Jänner-Zahlen sind fantastisch: Um 72 Prozent hat der russische Automarkt gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Von den relevanten Automarken kann lediglich Toyota kein (mindestens) zweistelliges Wachstum vorweisen. Marktführer AvtoVaz setzte nach Angaben der Assoziation des Europäischen Business (AEB) heuer gar mehr als doppelt so viele Ladas ab wie noch im Jänner 2010.

Nun erwägt Russland gar, die Importzölle ab dem kommenden Jahr zu senken, um in die WTO zu kommen. Die Rede ist von einer Reduktion von zunächst fünf, später bis zu 15 Prozent. Das bedeutet, auch die Preise für westliche Autos und Zulieferteile, wie sie beispielsweise Magna produziert, werden fallen. Sie werden also konkurrenzfähiger gegenüber der einheimischen Autoindustrie. Steigenden Absätzen steht nichts mehr im Wege, sollte man meinen.

Und so überschlagen sich schon die ersten Experten mit euphorischen Prognosen. Schon 2013 sollen in Russland laut IHS Automotive drei Millionen Pkw verkauft werden - damit wäre der russische Markt der größte in Europa, noch vor Deutschland.

Aber: Bei aller Freude sollte man ein wenig auf die Euphoriebremse treten: Der russische Automarkt wurde zuletzt gewaltig vom staatlichen Verschrottungsprogramm getrieben. Mehr als umgerechnet 600 Millionen Euro hat die russische Regierung in das Konjunkturprogramm gepumpt. Eine genauere Betrachtung der Zahlen bei AEB zeigt, dass die Zahlen der billigen Automarken am stärksten gestiegen sind - so wie beispielsweise der Uralt-Lada Nova, von den Russen euphemistisch "Klassiker" genannt. Bei diesem Modell hat AvtoVaz seinen Umsatz verdreifacht. Der seit Ende der 70er-Jahre produzierte Nova - bis 2008 als Auslaufmodell mit ständig sinkendem Absätzen gehandelt - ist inzwischen Marktführer in Russland. Dank Verschrottungsprämie ist er mit knapp 3000 Euro einfach unschlagbar billig.

Doch das Programm läuft aus. Es gibt nur noch 50.000 Zertifikate, diese sollen bis Juli ausgegeben sein. Dann muss der Automarkt aus eigener Kraft durchstarten. Es bleibt abzuwarten, ob der Motor dabei nicht ins Stottern gerät.

Eine Talfahrt wie 2009 ist sicher nicht zu erwarten, der hohe Ölpreis schmiert in Russland auch den Absatz in der Autoindustrie gut. Die hohen Zuwachsraten, die der Markt seit dem Frühjahr 2010 aufweist, nachdem das Verschrottungsprogramm gestartet wurde, müssen aber erst noch unter Marktbedingungen geprüft werden.

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