• 15.02.2011, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Russland-Rally: Vorsicht vor zu großer Euphorie - von André Ballin

Russlands Automarkt wurde von der Verschrottungsprämie getrieben

Wien (OTS) - Die Jänner-Zahlen sind fantastisch: Um 72 Prozent hat
der russische Automarkt gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Von den
relevanten Automarken kann lediglich Toyota kein (mindestens)
zweistelliges Wachstum vorweisen. Marktführer AvtoVaz setzte nach
Angaben der Assoziation des Europäischen Business (AEB) heuer gar
mehr als doppelt so viele Ladas ab wie noch im Jänner 2010.

Nun erwägt Russland gar, die Importzölle ab dem kommenden Jahr zu
senken, um in die WTO zu kommen. Die Rede ist von einer Reduktion von
zunächst fünf, später bis zu 15 Prozent. Das bedeutet, auch die
Preise für westliche Autos und Zulieferteile, wie sie beispielsweise
Magna produziert, werden fallen. Sie werden also konkurrenzfähiger
gegenüber der einheimischen Autoindustrie. Steigenden Absätzen steht
nichts mehr im Wege, sollte man meinen.

Und so überschlagen sich schon die ersten Experten mit euphorischen
Prognosen. Schon 2013 sollen in Russland laut IHS Automotive drei
Millionen Pkw verkauft werden - damit wäre der russische Markt der
größte in Europa, noch vor Deutschland.

Aber: Bei aller Freude sollte man ein wenig auf die Euphoriebremse
treten: Der russische Automarkt wurde zuletzt gewaltig vom
staatlichen Verschrottungsprogramm getrieben. Mehr als umgerechnet
600 Millionen Euro hat die russische Regierung in das
Konjunkturprogramm gepumpt. Eine genauere Betrachtung der Zahlen bei
AEB zeigt, dass die Zahlen der billigen Automarken am stärksten
gestiegen sind - so wie beispielsweise der Uralt-Lada Nova, von den
Russen euphemistisch "Klassiker" genannt. Bei diesem Modell hat
AvtoVaz seinen Umsatz verdreifacht. Der seit Ende der 70er-Jahre
produzierte Nova - bis 2008 als Auslaufmodell mit ständig sinkendem
Absätzen gehandelt - ist inzwischen Marktführer in Russland. Dank
Verschrottungsprämie ist er mit knapp 3000 Euro einfach unschlagbar
billig.

Doch das Programm läuft aus. Es gibt nur noch 50.000 Zertifikate,
diese sollen bis Juli ausgegeben sein. Dann muss der Automarkt aus
eigener Kraft durchstarten. Es bleibt abzuwarten, ob der Motor dabei
nicht ins Stottern gerät.

Eine Talfahrt wie 2009 ist sicher nicht zu erwarten, der hohe Ölpreis
schmiert in Russland auch den Absatz in der Autoindustrie gut. Die
hohen Zuwachsraten, die der Markt seit dem Frühjahr 2010 aufweist,
nachdem das Verschrottungsprogramm gestartet wurde, müssen aber erst
noch unter Marktbedingungen geprüft werden.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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