- 15.02.2011, 17:48:39
- /
- OTS0252 OTW0252
Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Wehrt Euch!"
Ausgabe vom 16.2.2011
Wien (OTS) - Die österreichische Wehrpflichtdebatte läuft
endgültig aus dem Ruder. Erschütternd ist vor allem die Qualität der
politischen Diskussion. Die Volkspartei watscht den Minister ab, der
sich der "Kronen Zeitung" unterwerfen. Die Sozialdemokraten sprechen
mit mehreren Zungen, Wiens Bürgermeister Michael Häupl und der
EU-Abgeordnete Hannes Swoboda sind meist vor Norbert Darabos, statt
hinter ihm zu stehen . . .
Das BZÖ und die FPÖ befetzen einander - quasi intern - wegen
Heeres-Drückebergern in den eigenen Funktionärsreihen.
Und die Offiziersgesellschaft zeigt die "Kronen Zeitung" an, weil
diese angeblich die jungen Männer aufrief, ihre Einberufungsbefehle
zu ignorieren. Dass es seit Jahren Internet-Seiten gibt, auf denen
die erfolgreichsten Argumente für eine Vermeidung des Wehrdienstes
verbreitet werden, scheint den Offizieren entgangen zu sein, sonst
müssten sie auch das angezeigt haben.
Kurzum: Die Wehrpflichtdebatte hat einen Tiefpunkt erreicht, bei dem
alle Argumente ausgetauscht werden - nur nicht die Frage, ob die
Wehrpflicht nun abgeschafft wird oder nicht. Und: Es wird nicht
darüber gesprochen, was das heimische Heer überhaupt leisten soll.
Das Schlagwort "Sicherheitsstrategie" lodert hin und wieder auf, über
den Inhalt wird wenig diskutiert - erschreckend wenig sogar.
18-Jährige und ihre Eltern können vor so einer Diskussion eigentlich
nur fassungslos stehen und beginnen, sich dagegen zu wehren. Nicht
der angebliche ungesetzliche Aufruf einer Boulevardzeitung zu
wehrzersetzendem Verhalten ist bedrohlich für das Bundesheer, sondern
die Debatte, die derzeit läuft. Natürlich ist es so, dass nach der
Grundausbildung viele "Jungmänner" in den Kasernen die Zeit
totschlagen und die Sinnfrage dieses Tuns stellen.
Es wäre in der Tat höchst angebracht, wenn der Oberkommandierende des
Bundesheers, Bundespräsident Heinz Fischer, alle Beteiligten zu einem
Runden Tisch einladen und dort einen reinen daraus machen würde. Es
geht nämlich , das sei allen Beteiligten eindringlich in Erinnerung
gerufen, um die künftigen Aufgaben und Strukturen des
österreichischen Bundesheers.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
www.wienerzeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR






